Neues aus Kuba
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Die kubanische Regierung hat die Devisenrestriktionen für ausländische Unternehmen massiv ausgeweitet: Deren Konten dürfen weder für Auslandsüberweisungen noch für Bargeldabhebungen genutzt werden. Die Maßnahme ist Teil eines Anti-Krisenprogramms, das die anhaltende Liquiditätskrise und den Devisenmangel lindern soll.
21.11.2025 08:08 Uhr
Abbildung: Foto von Einar H. Reynis auf Unsplash
Die wirtschaftliche Krise auf Kuba verschärft sich weiter: Wie mehrere Quellen aus Unternehmen und diplomatischen Kreisen bestätigen, informiert die kubanische Regierung derzeit alle ausländischen Firmen, dass sie die in kubanischen Banken deponierten Devisen nicht mehr abheben oder ins Ausland transferieren dürfen. Die Maßnahme betrifft sämtliche bisher bestehenden Konten und gilt als eine formelle Ausweitung eines seit Monaten faktisch bestehenden „Corralito“ – eine Anspielung auf die Maßnahmen in Argentinien Anfang der 2000er-Jahre, als die Regierung Abhebungen und Transaktionen drastisch einschränkte, um Kapitalflucht zu verhindern.
Parallel bietet die Regierung die Eröffnung neuer Konten, sogenannter „reale Konten“, an. Diese Konten müssen mit Devisen aus dem Ausland gespeist werden und sollen theoretisch für Auslandsüberweisungen und Barabhebungen nutzbar sein. In der Praxis berichten jedoch Unternehmen auch hier von Problemen bei der Auszahlung von Bargeld und der Rückführung von Geldern ins Ausland. Die neue Regelung ist Teil des Programms „Regierung zur Korrektur von Verzerrungen und zur Reaktivierung der Wirtschaft“, das jüngst als Maßnahmenpaket gegen die Wirtschaftskrise veröffentlicht wurde. Konkrete Details zur Umsetzung oder zu möglichen Fristen fehlen bislang. Beobachter gehen davon aus, dass die kubanischen Behörden auf die bereits auf Konten vorhandenen Devisen zurückgreifen, um dringend benötigte Zahlungen für Importe zu leisten. Bereits im April wurden solche Einschränkungen öffentlich: Einige Ausländische Unternehmen berichteten damals, dass ihre im Land erwirtschafteten Devisen auf Firmenkonten „eingefroren“ seien. Auch ausländische Botschaften sind von Restriktionen betroffen, wenn auch in abgeschwächter Form: Die kubanische Außenministerin informierte den Diplomatischen Corps über ein ähnliches System, bei dem Gelder aus dem Ausland künftig theoretisch abgehoben werden könnten. Ob frühere Einlagen verfügbar bleiben, ist unklar. Hintergrund dieser Maßnahmen ist die anhaltende Liquiditätskrise des kubanischen Bankensystems. Unternehmen, die ihre Geschäfte legal in Peso oder US-Dollar abwickeln müssen, stehen vor großen Schwierigkeiten: Offizielle Wechselkurse liegen bei 24 Pesos pro US-Dollar, während der Schwarzmarktkurs bei etwa 450 Pesos liegt. Parallel dazu mussten ausländische Firmen seit einigen Monaten Mieten in Dollar an staatliche Immobiliengesellschaften zahlen und die Gehälter ihrer Mitarbeiter über staatliche Vermittler abwickeln. Kuba importiert rund 80 Prozent seiner Konsumgüter, während die inländische Produktion zusammengebrochen ist. Die Einnahmen aus Tourismus und formellen Überweisungen von Kubanern im Ausland sind eingebrochen. Die Kombination aus Pandemie, verschärften US-Sanktionen, fehlgeleiteter Wirtschaftspolitik und strukturellen Problemen hat die Devisenknappheit weiter verschärft. Hinzu kommen hohe Inflation, Engpässe bei Lebensmitteln, Medikamenten und Treibstoff, tägliche Stromausfälle, wachsende Dollarabhängigkeit und eine zunehmende Abwanderung. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Frage an Brisanz, ob die kubanische Regierung die auf Konten eingefrorenen Devisen bereits zur Finanzierung von Importen verwendet. Dies würde die wirtschaftliche Notlage noch verschärfen und das Vertrauen ausländischer Investoren weiter untergraben. Nach Angaben des kubanischen Außenhandelsministeriums gibt es auf der Insel derzeit 334 Unternehmen mit ausländischem Kapital, von denen 56 vollständig ausländisch finanziert sind. Die neuen Restriktionen treffen somit einen zentralen Sektor der kubanischen Wirtschaft. Die jüngsten Maßnahmen verdeutlichen, dass Kuba seine ökonomische Krise zunehmend durch direkte Kontrolle über Devisen und die Liquidität ausländischer Partner zu bewältigen sucht. Für ausländische Unternehmen bedeutet dies nicht nur kurzfristige Zahlungsschwierigkeiten, sondern auch eine wachsende Unsicherheit bei Investitionen auf der Insel, die bereits durch bürokratische Hürden und historische Zahlungsausstände belastet ist.
Quelle: EFE (https://t1p.de/1zgf7)
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