Neues aus Kuba
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01.05.2026 10:00 Uhr
Kuba erlebt eine dramatische Energiekrise, die laut UN-Resident Coordinator Francisco Pichón zu einer humanitären Katastrophe führt. Es braucht sofortige Treibstofflieferungen, um Leben zu retten und das Gesundheitssystem vor dem Kollaps zu bewahren. Pichón warnt: Kuba läüft die Zeit läuft davon.
In einem dringenden Appell hat der oberste UN-Repräsentant in Kuba, Francisco Pichón, am Donnerstag (30.) die internationale Gemeinschaft zu sofortigen Treibstofflieferungen für den Karibikstaat aufgerufen. Wie der hochrangige UN-Diplomat in einem Gastbeitrag für die britische Zeitung The Guardian schreibt, stehe die Insel „am Abgrund einer humanitären Katastrophe“. Der Beitrag zeichnet ein düsteres Bild von den Folgen der Energiekrise, die Kuba seit vier Monaten in immer tiefere Not stürzt. „Die Konsequenzen sind nicht mehr abstrakt: Sie sind sichtbar im Rhythmus des täglichen Lebens“, heißt es darin.
Laut dem Bericht von Pichón hat der Zusammenbruch der Energieversorgung, der maßgeblich durch die Verschärfung der US-Blockade gegen Kuba verursacht werde, das gesamte Gesundheitswesen an den Rand des Kollapses gebracht. „Zehntausende Operationen wurden landesweit verschoben“, schreibt der UN-Koordinator. Besonders dramatisch sei die Lage für Schwangere, die unter „unregelmäßigem Zugang zur Schwangerenvorsorge“ litten. „Neugeborene, die auf Inkubatoren oder Beatmungsgeräte angewiesen sind, sind gefährdet, wenn der Strom ausfällt“, so Pichón weiter. Auch Dialysepatienten, Krebspatienten und Menschen mit chronischen Erkrankungen seien auf Elektrizität nicht als Bequemlichkeit, sondern als „Lebensader“ angewiesen. Die Krise wirke sich auf alle Lebensbereiche aus. Krankenhäuser benötigten nicht nur Licht, sondern auch Wasser, das in den meisten Fällen mit elektrischen Pumpen gefördert werde, sowie Treibstoff für Krankenwagen und die Verpflegung. „Wenn die Energieversorgung wackelt, beginnt jedes einzelne dieser Systeme zu versagen“, warnt der UN-Vertreter. Die Folge sei, dass selbst bescheidene humanitäre Hilfslieferungen von außen keine nachhaltige Besserung brächten. „Der Zugang zu Treibstoff bleibt ein entscheidender Faktor dafür, ob humanitäre Hilfe überhaupt funktionieren kann“, wird Pichón zitiert. Der Appell erfolgt vor dem Hintergrund eines bereits laufenden Hilfsplans der Vereinten Nationen. Wie The Guardian unter Berufung auf den UN-Koordinator berichtet, hat das UN-System in Kuba seinen ursprünglichen Plan zur Bewältigung der Folgen des Hurrikans Melissa ausgeweitet. Der Sturm hatte vor Monaten weite Teile der Ostprovinzen Santiago de Cuba und Granma verwüstet. „Mehr als zwei Millionen Menschen waren von Hurrikan Melissa betroffen, der Überschwemmungen verursachte, Lebensgrundlagen zerstörte und grundlegende Dienstleistungen unterbrach“, stellt Pichón fest. Hunderttausende Kubaner hätten den Zugang zu sauberem Trinkwasser verloren, da die meisten Pumpensysteme von Elektrizität abhängig seien. Obwohl für die Hurricane-Hilfe bereits 24 Millionen US-Dollar mobilisiert worden seien, stehe die gesamte Operation nun vor dem Scheitern, weil der Treibstoff fehle, um Hilfsgüter über die Häfen, über Provinzgrenzen und in die Gemeinden zu transportieren. Der aktuelle Plan sei darauf ausgelegt, bis Ende des Jahres zu laufen, so Pichón, aber „lebensrettende Eingriffe“ müssten priorisiert werden. Der UN-Vertreter betont, dass es sich bei der Krise nicht um eine politische, sondern um ein menschliches Frage handele. „Kein Hindernis sollte im Weg des Rechts eines Menschen auf ein Leben in Würde stehen, das auf Zugang zu Gesundheitsversorgung, Wasser und grundlegenden Dienstleistungen beruht“, schreibt Pichón. Hinter jeder Statistik stünden Familien, deren Alltag zerstört und deren Widerstandsfähigkeit täglich auf die Probe gestellt werde. Pichón schließt seinen Appell mit den Worten: „Wenn Leben auf dem Spiel stehen, ist Zeit kein Luxus: Sie ist der Unterschied zwischen Fürsorge und Vernachlässigung, zwischen Erholung und Niedergang. Und sie läuft uns davon.“
Quelle: The Guardian (https://t1p.de/hmluo)
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