Neues aus Kuba
Kuba löst Landwirtschaftsministerium auf: Neues Mega-Ministerium soll Ernährungskrise bekämpfen12/6/2026
12.06.2026 09:00 Uhr
Ein neues Megaministerium soll die gesamte Nahrungsmittelkette in Kuba steuern. Die Schaffung dieser Superbehörde ist Teil einer größeren Reform, die die Zahl der Ministerien von 27 auf 20 reduziert.
Abbildung: © Jorge Royan / http://www.royan.com.ar / CC BY-SA 3.0, Havana - Cuba - 1511, Zuschnitt KUBAKUNDE, CC BY-SA 3.0
Die kubanische Nationalversammlung hat den Entwurf eines Gesetzes zur Neuorganisation der staatlichen Zentralverwaltung vorgelegt, der weitreichende Veränderungen vorsieht. Kernstück der Reform ist die Abschaffung des traditionsreichen Landwirtschaftsministeriums (Ministerio de la Agricultura -MINAG) und die Schaffung eines neuen Ministerio de Agroalimentación, eines Megaministeriums, das künftig die gesamte Nahrungsmittelproduktion des Landes kontrollieren soll. Mit diesem Schritt reduziert die kubanische Regierung die Zahl ihrer Ministerien von 27 auf 20 – der tiefgreifendste Einschnitt in die staatliche Verwaltungsstruktur seit Jahrzehnten.
Das MINAG, das mehr als sechs Jahrzehnte lang die Agrar- und Forstwirtschaft, die Landnutzung und die Anbauplanung regulierte, verliert damit seine Eigenständigkeit. Es wird in das neue Ministerium für Agrar und Ernährungswirtschaft integriert, das auch die bisherigen Zuständigkeiten des Ministeriums für die Lebensmittelindustrie (Ministerio de la Industria Alimentaria - MINAL) und des Instituts für Fischerei übernimmt. Künftig soll diese Behörde die gesamte staatliche Politik in Bezug auf den Besitz und die nachhaltige Nutzung landwirtschaftlicher und forstlicher Flächen steuern. Darüber hinaus fallen die Produktion von Agrar-, Zuckerrohr- und Forstprodukten, die gesamte Lebensmittelindustrie, die Zucker- und Derivatenherstellung, die Produktion von Getränken und Spirituosen sowie die Fischerei und deren Vermarktung in den Zuständigkeitsbereich des neuen Superministeriums. Die Bündelung dieser weitreichenden Kompetenzen, die bisher auf mehrere Organe verteilt waren, soll laut dem Gesetzesentwurf dazu dienen, die zentrale Staatsverwaltung neu zu ordnen, zu verschlanken und zu optimieren. Das erklärte Ziel ist eine höhere Effizienz der administrativen Funktionen, was angesichts der anhaltenden Wirtschaftskrise auf der Insel als dringend notwendig erachtet wird. Präsident Miguel Díaz-Canel hatte bereits im April angekündigt, den ministeriellen Apparat verkleinern zu wollen, um die Leistungsfähigkeit des Staates zu steigern. Neben der Gründung des Agrar und Ernährungswirtschaftsministeriums sieht der Reformplan weitere einschneidende Fusionen vor. So sollen das Ministerium für Wirtschaft und Planungmit dem für Finanzen und Preise zu einem einzigen Ministerium für Wirtschaft, Finanzen und Planung (Ministerio de Economía, Finanzas y Planificación) verschmolzen werden. Auch das Industrieministerium wird mit dem Bauressort zum Ministerio de Industrias y la Construcción vereint. Das Ministerium für Hochschulbildung übernimmt künftig zusätzlich die Aufgaben des bisherigen Bereichs Wissenschaft und Technologie. Das Nationale Institut für Sport, Leibeserziehung und Erholung wird zu einem Ministerium für Sport und Erholung (Ministerio de Deportes y Recreación ) aufgewertet. Ebenfalls neu geschaffen wird ein das Ministerio de Medio Ambiente, Hábitat y Vivienda das die Ressorts Umwelt, Wasserwirtschaft, Raumordnung, Städtebau, Landeskataster und Wohnungsbau in einer Hand vereint. Unverändert bleiben hingegen die Ministerien für Handel und Auslandsinvestitionen, Kultur, Bildung, Energie und Bergbau, Kommunikation, Justiz, Auswärtige Angelegenheiten, öffentliche Gesundheit, Arbeit und soziale Sicherheit, Tourismus, die Revolutionären Streitkräfte, Inneres und Transport. Die Zentralbank von Kuba bleibt als Organ der Zentralverwaltung bestehen, wird aber nicht in ein Ministerium umgewandelt. Der Gesetzesentwurf muss noch in der Julisitzung der Nationalversammlung endgültig verabschiedet werden. Sollte er in Kraft treten, wird das Gesetz 60 Tage nach seiner Veröffentlichung im offiziellen Amtsblatt wirksam. Ab diesem Zeitpunkt haben die Minister ein Jahr Zeit, um die organisatorischen Veränderungen in ihren jeweiligen Behörden umzusetzen. Die Neuordnung ist ein klares Signal der kubanischen Führung, mit einer schlankeren und zentralisierten Verwaltung auf die tiefe Wirtschaftskrise zu reagieren, auch wenn die praktische Umsetzung angesichts der verflochtenen Zuständigkeiten eine enorme Herausforderung darstellen dürfte.
Quelle: Cubadebate (https://t1p.de/idwmw)
Autor: Leon Latozke
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