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Kuba erlebt derzeit eine beispiellose Energiekrise: Mehr als zwei Drittel des Landes sind von Stromausfällen betroffen, die teilweise über 20 Stunden täglich andauern. Experten warnen, dass kurzfristige Verbesserungen unwahrscheinlich sind. Die Krise verschärft die ohnehin angespannte Lage in Kuba, wo wirtschaftliche, gesundheitliche und soziale Probleme gleichzeitig eskalieren.
10.12.2025 10:25 Uhr
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Kuba steht vor einer der schwersten Energiekrisen seiner Geschichte. Mehr als zwei Drittel des Landes sind derzeit von Stromausfällen betroffen, die teilweise über 20 Stunden täglich andauern. Selbst in der Hauptstadt Havanna kommt es zu wiederholten Blackouts. Nur wenige Haushalte und Unternehmen mit eigenen Generatoren bleiben von den massiven Unterbrechungen verschont. Die anhaltende Krise führte in den vergangenen Tagen zu kleineren Protesten in der Hauptstadt.
Nach Angaben der staatlichen Unión Eléctrica konnte das Nationale Energiesystem (Sistema Energético Nacional, SEN) in der Nacht zum Dienstag nur 33 Prozent des Spitzenverbrauchs decken. Dies entspricht einem Ausfall von 67 Prozent der nationalen Nachfrage. Innerhalb der letzten zehn Tage wurden gleich dreimal neue Rekorde bei der Versorgungslücke registriert: 59, 61 und 62 Prozent Defizit. Die Ursachen für die Stromausfälle sind vielschichtig. Die kubanische Regierung macht vor allem die unzureichende Versorgung mit importiertem Treibstoff verantwortlich, der etwa die Hälfte der Ausfälle verursacht. Gründe dafür sind vor allem der Mangel an Devisen aufgrund der chronischen wirtschaftlichen Unterkapitalisierung des Staates. Kubas Wirtschaft ist in den vergangenen fünf Jahren um elf Prozent geschrumpft. Hier schlagen die Folgen der COVID-19-Pandemie, die Verschärfung der US-Sanktionen unter der Präsidentschaft Donald Trumps sowie strukturelle Fehler in der Wirtschaftspolitik und Währungspolitik zusammen. Darüber hinaus spielt die geopolitische Lage eine Rolle: Die zunehmende militärische Präsenz der USA im Karibischen Meer, insbesondere gegenüber Venezuela, Kubas wichtigstem Öl-Lieferanten, verschärft die Energieunsicherheit. Auch wenn die Operationen zwischen Havanna und Caracas nicht öffentlich sind, gilt die Versorgung durch Venezuela als zentral. Mexiko und Russland liefern weitere Mengen, allerdings in deutlich geringerem Umfang. Die kubanische Regierung wirft den USA eine gezielte „energetische Erstickung“ vor, durch die Kuba vom internationalen Treibstoffmarkt abgeschnitten werden solle. Neben der Treibstoffknappheit ist die veraltete Infrastruktur ein entscheidender Faktor. Sieben thermoelektrische Kraftwerke bilden das Rückgrat der kubanischen Energieproduktion, von denen vier aus den 1960er- und 1970er-Jahren stammen. Diese Werke leiden unter chronischer Unterfinanzierung. Unabhängige Studien schätzen die notwendigen Investitionen zur Modernisierung des SEN auf acht bis zehn Milliarden US-Dollar. Ein kurzfristiger Ausgleich der Diskrepanz zwischen Energiebedarf und -produktion erscheint daher unrealistisch. Die kubanische Regierung setzt verstärkt auf erneuerbare Energien. Ein Programm sieht den Bau von rund hundert Solarkraftwerken mit einer Gesamtleistung von 2.000 Megawatt vor. Bislang sind 33 Anlagen in Betrieb, die restlichen sollen in den kommenden Jahren errichtet werden. Diese Maßnahmen können die Stromausfälle zwar mildern, jedoch nicht vollständig beheben. Die Lage verschärft sich durch wiederholte nationale Blackouts: Innerhalb eines Jahres kam es fünfmal zu landesweiten Ausfällen, drei davon infolge von Störungen in thermoelektrischen Kraftwerken, die das gesamte System destabilisierten. Für die kurze und mittlere Frist zeichnen sich keine Besserungen ab. Der kubanische Energieminister Vicente de la O Levy prognostiziert für 2026 nur eine leichte Verbesserung: „Es wird ein schwieriges Jahr, etwas besser. Wir werden mehr Kapazitäten haben, aber die Stromausfälle werden nicht verschwinden.“ Die Energiekrise ist nur ein Teil der umfassenden „Policrisis“, die Kuba derzeit prägt. Wirtschaftliche Probleme, finanzielle Engpässe, hohe Migration und gesundheitliche Herausforderungen – zuletzt durch kombinierte Dengue- und Chikungunya-Ausbrüche – belasten Bevölkerung und Staat. Die Kubaner stehen angesichts dieser Vielzahl von Krisen vor großen Unsicherheiten, während das Ende der Blackouts nicht in Sicht ist.
Quelle: Swissinfo/EFE /https://t1p.de/7uudl)
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