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Kuba: Mehrheit der arbeitsfähigen Bevölkerung ist ohne Beschäftigung – und sucht auch keine30/7/2025
Laut der aktuellen Beschäftigungsumfrage der kubanischen Statistikbehörde ist mehr als die Hälfte der arbeitsfähigen Bevölkerung in Kuba weder erwerbstätig noch auf Arbeitssuche. Mit einer Erwerbsquote von nur 49,1 Prozent liegt das Land deutlich unter dem regionalen Durchschnitt.
25.07.2025
In Kuba ist erstmals statistisch erfasst worden, was unabhängige Experten seit Langem beobachten: Die Mehrheit der arbeitsfähigen Bevölkerung ist weder beschäftigt noch auf Jobsuche. Wie die Nachrichtenagentur EFE unter Bezug auf die Nationalen Berufserhebung (Encuesta Nacional de Ocupación - ENO) 2024 liegt die Erwerbsquote bei lediglich 49,1 Prozent. Damit hat Kuba eine der niedrigsten Beschäftigungsraten in Lateinamerika. Zum Vergleich: Der regionale Durchschnitt betrug laut Internationaler Arbeitsorganisation (ILO) im Jahr 2023 rund 58,9 Prozent.
Die Erhebung, die am Dienstag (21. ) von der Nationalen Amt für Statistik und Information (Oficina Nacional de Estadística e Información - ONEI) veröffentlicht wurde, berücksichtigt ausschließlich Personen im erwerbsfähigen Alter – also über 15 Jahre –, die weder einer Beschäftigung nachgehen noch aktiv Arbeit suchen. Die offizielle Arbeitslosenquote des Landes zählt lediglich diejenigen, die arbeitslos sind und aktiv eine Anstellung suchen und liegt demnach bei nur 1,6 Prozent. Dieser Wert ist im regionalen Vergleich zwar auffällig niedrig, besitzt jedoch begrenzte Aussagekraft. Denn die hohe Zahl von Personen außerhalb der Erwerbsbevölkerung deutet darauf hin, dass viele Kubaner mangels Perspektiven gar nicht erst versuchen, eine reguläre Anstellung zu finden. Besonders deutlich wird die demografische Schieflage des Landes bei einem Blick auf die Altersstruktur. Mehr als die Hälfte der Beschäftigten ist älter als 45 Jahre. Das Durchschnittsalter unter den Erwerbstätigen liegt bei 44,3 Jahren. Unter den Arbeitslosen wiederum ist fast die Hälfte (47,3 Prozent) zwischen 15 und 34 Jahre alt – eine Altersgruppe, die in anderen Ländern in der Regel das Rückgrat des Arbeitsmarkts bildet. Diese Entwicklung ist unter anderem auf die hohe Auswanderung junger Menschen in den vergangenen Jahren zurückzuführen. Viele von ihnen suchen bessere wirtschaftliche und persönliche Perspektiven im Ausland, vor allem in den USA oder Spanien. Gleichzeitig altert die Bevölkerung rapide. Laut ONEI ist inzwischen mehr als ein Viertel der insgesamt 9,7 Millionen Kubanerinnen und Kubaner über 60 Jahre alt. Kuba zählt damit zu den ältesten Gesellschaften Lateinamerikas. Der Mangel an jungen Arbeitskräften ist inzwischen auch auf Regierungsebene als Problem anerkannt. Analysten und Nichtregierungsorganisationen warnen seit Jahren vor den Folgen für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Landes. Hinzu kommt ein strukturelles Problem der Einkommensentwicklung. Zwischen 2021 und 2024 ist der inflationsbereinigte Durchschnittslohn um 33,5 Prozent gesunken. Diese Zahl stammt aus Berechnungen des Ökonomen Pedro Monreal, der auf Daten der kubanischen Behörden zurückgreift. In vielen Fällen decken staatliche Gehälter kaum noch die Grundbedürfnisse. Das reale Einkommen ist so stark gefallen, dass Erwerbsarbeit für viele nicht mehr lohnend erscheint – insbesondere im öffentlichen Sektor, der weiterhin den Großteil der Arbeitsplätze stellt. Die geringe Arbeitsmotivation ist also nicht allein ein demografisches Phänomen, sondern auch Ausdruck ökonomischer Frustration. In einem Markt mit begrenztem privaten Unternehmertum, staatlich regulierten Löhnen und wenigen Entwicklungsperspektiven erscheint Arbeit vielen als ökonomisch sinnlos. Besonders betroffen sind jüngere Kubaner, die entweder auswandern oder sich in der informellen Ökonomie bewegen – etwa im Tourismus, durch private Dienstleistungen oder im Devisenhandel. Die wirtschaftlichen Folgen sind erheblich: Die geringe Erwerbsbeteiligung belastet das ohnehin schwache Produktivitätsniveau, verlangsamt Innovation und verstärkt die Abhängigkeit von Überweisungen aus dem Ausland. Gleichzeitig geraten staatliche Versorgungsbereiche wie Bildung und Gesundheit zunehmend unter Druck, da es an qualifiziertem Nachwuchs fehlt. Die Zahlen der ONEI verdeutlichen die Tiefe der strukturellen Krise auf dem kubanischen Arbeitsmarkt. Ohne grundlegende wirtschaftliche und politische Reformen – etwa eine stärkere Öffnung für private Initiative, eine Neuausrichtung der Lohnpolitik und Anreize für junge Fachkräfte – dürfte sich die Situation weiter verschärfen. Bereits heute zeigt sich, dass ein wachsender Teil der Bevölkerung nicht mehr an das Versprechen staatlich garantierter Beschäftigung glaubt. Das System verliert damit eines seiner zentralen Legitimationsfundamente.
Quellen: ONEI (https://t1p.de/y0gwe), EFE (https://t1p.de/7liw5)
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Text: Leon Latozke
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