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01.10.2026 23.30 Uhr
Kerosin gibt es auf Kuba seit Monaten nicht. Trotzdem landen in Havanna weiter Maschinen aus Miami, Panama, Mexiko und Madrid. Welche Fluggesellschaften der Insel treu bleiben und wie sie das Tankproblem umgehen.
Letzte europäische Linienverbindung nach Havanna: Air Europa (Symbolbild von MarcelX42, Air Europa Boeing 737-85P, CC BY-SA 4.0))
Am 8. Februar warnte die kubanische Regierung die internationalen Fluggesellschaften, dass Flugturbinenkraftstoff vom Typ Jet A-1 nicht mehr verfügbar sei. Eine offizielle Mitteilung an Luftfahrer (NOTAM) erklärte das Kerosin an den neun internationalen Flughäfen des Landes ab dem 10. Februar für zunächst einen Monat als nicht erhältlich. Betroffen waren unter anderem Havanna, Varadero, Holguín, Santiago de Cuba und Cayo Coco. Das Instituto de Aeronáutica Civil de Cuba (IACC) und die staatliche Luftfahrtholding CACSA bestritten am 9. Februar in einer gemeinsamen Erklärung zunächst einen Engpass. Statt nach einem Monat zu enden, wurde die Warnung immer wieder verlängert. Zuletzt galt sie bis zum 1. Oktober für zehn Flughäfen, inzwischen einschließlich Cayo Largo.
Der aktuelle Lieferstopp hat eine Schwäche offengelegt, die älter ist als die jüngste Eskalation: Kuba deckt nur etwa ein Drittel seines Energiebedarfs selbst und ist seit Jahren von Ölimporten abhängig. Kritiker machen dafür auch die Wirtschaftspolitik der Regierung verantwortlich. Verschärft wurde die Lage durch Washington. Seit der Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro Anfang Januar fließt kein venezolanisches Öl mehr, und eine Anordnung von US-Präsident Donald Trump vom 29. Januar droht Lieferländern mit Strafzöllen. Wer abgesprungen ist – und wer noch fliegt Air Canada setzte ihre Verbindungen am 9. Februar aus. In den folgenden Tagen schickte die Airline leere Maschinen auf die Insel, um rund 3.000 gestrandete Passagiere zurückzuholen. Air Transat und WestJet folgten. Im Juni stoppten Air Canada, Sunwing und WestJet ihre Kuba-Flüge schließlich auf unbestimmte Zeit. Die russischen Gesellschaften Rossiya und Nordwind stellten ihre Kuba-Programme ebenfalls im Februar ein oder fuhren sie stark zurück. Anfang März kappte Air France die Verbindung Paris–Havanna. Ende März zog sich Turkish Airlines zurück. Eine für den 25. Oktober geplante Wiederaufnahme über Istanbul wurde inzwischen wieder abgesagt. Im Juni folgte Iberia mit der traditionsreichen Strecke Madrid–Havanna. Die zunächst für November in Aussicht gestellte Rückkehr ist vom Tisch: Die spanische Gesellschaft verlängerte den Flugstopp bis mindestens Ende Juni 2027. Die Verbindung nach Europa halten derzeit vor allem zwei Gesellschaften aufrecht. Air Europa tankt auf dem Rückflug nach Madrid in der Dominikanischen Republik nach und will ihr Angebot sogar ausbauen. Air China fliegt Havanna zweimal wöchentlich auf ihrer Route Peking–Madrid an und befördert dabei auch Passagiere zwischen Spanien und Kuba. Seit März legt sie auf dem Rückweg einen Tankstopp in Nassau auf den Bahamas ein. Breiter ist das Angebot aus der Region: Aus Mexiko fliegen Aeroméxico und Viva Aerobus, aus Panama Copa Airlines, dazu kommen die kolumbianische Wingo und die venezolanische Conviasa. Am dichtesten bleibt der Verkehr aus Florida. Dort profitieren American Airlines, Delta Air Lines und Southwest Airlines sowie Charteranbieter von der kurzen Distanz und nehmen den Treibstoff für Hin- und Rückweg bereits am Abflugort an Bord. Tourismus im freien Fall Die Folgen für die wichtigste Devisenquelle des Landes lassen sich in Zahlen fassen. Nach Daten der Oficina Nacional de Estadística e Información (ONEI) kamen zwischen Januar und August 450.353 internationale Besucher nach Kuba. Das sind 64,4 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Bereits im Juni war der Tourismus unter das Niveau der Pandemiejahre gefallen. Kanada bleibt mit 128.400 Gästen zwar der größte Herkunftsmarkt, verzeichnet aber einen Rückgang von 75,6 Prozent. Aus Russland kamen 21.563 Besucher, ein Minus von mehr als 70 Prozent. Deutlich weniger stark fiel der Rückgang bei im Ausland lebenden Kubanern aus. Mit 103.481 Einreisen lag er bei 35,6 Prozent. Ihr Anteil an allen internationalen Ankünften hat sich damit nach eigener Berechnung fast verdoppelt, von rund 13 auf etwa 23 Prozent: Exilkubaner werden damit zur wichtigsten Besuchergruppe. Zum Vergleich: 2018 hatte Kuba noch 4,6 Millionen Besucher gezählt. Bereits 2025 war mit 1,81 Millionen das schwächste Jahr seit 2002, die Pandemiejahre ausgenommen. Koffer als Versorgungsweg Die vergleichsweise stabilen Zahlen der Diaspora-Reisenden haben einen nüchternen Grund. Bei stark steigenden Preisen und einer Wirtschaft, in der immer mehr nur gegen Devisen erhältlich ist, sind Mitbringsel aus dem Ausland für viele Haushalte unverzichtbar geworden. Eine 70-jährige Frau in Havanna, deren Tochter regelmäßig aus Miami anreist, sagte, sie lebe von Überweisungen und von dem, „was in die Koffer passt". Gebracht wird, was auf der Insel fehlt: Medizinbedarf wie Handschuhe, Verbandsmaterial und Spritzen, aber auch Grundnahrungsmittel. Lebensmittel und Medikamente dürfen zollfrei eingeführt werden, bei Elektrogeräten greift der kubanische Zoll dagegen streng durch. Eine seit 14 Jahren in den USA lebende Kubanerin kritisierte, die Abgaben seien selbst bei Einhaltung der Gewichtsgrenze nicht vorhersehbar. Sie reise dennoch weiter, weil ihre Angehörigen auf die Lieferungen angewiesen seien. Wie tief die Energiekrise reicht, zeigt sich schon bei der Ankunft. In Teilen des Landes fällt der Strom länger als 20 Stunden am Tag aus. Mitte September brach das nationale Netz zum achten Mal in diesem Jahr vollständig zusammen. Reisende berichten, dass sie ihr Gepäck in Havanna mitunter im Licht ihrer Handys vom Band holen mussten. Ob sich das Streckennetz in absehbarer Zeit wieder verdichtet, hängt vor allem von der Treibstoffversorgung ab. Solange Airlines das Kerosin für den Rückflug mitbringen oder unterwegs nachtanken müssen, bleiben Verbindungen über längere Strecken teuer. Für Reisende aus Europa führt der direkte Weg nach Havanna damit absehbar nur über Madrid, mit Air Europa oder Air China.
Quellen: EFE, OnCuba News, RPP, Periódico Cubano, ABC Color, N+, Curaçao Chronicle, Cubanet, Euronews, Directorio Cubano, Diario de Cuba
Korrektur, 03.10.2026: In einer früheren Fassung dieses Artikels hieß es, die Direktverbindung zwischen Europa und Havanna werde nur noch von Air Europa aufrechterhalten. Tatsächlich fliegt auch Air China Havanna zweimal wöchentlich über Madrid an. Wir haben die entsprechenden Passagen korrigiert.
Autor: Leon Latozke
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