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25.09.2026 08:00 Uhr
Nur noch 30.490 internationale Besucher kamen im August nach Kuba, seit Jahresbeginn sind es 64 Prozent weniger als im Vorjahr. Die einst wichtigsten Märkte Kanada und Russland sind nahezu vollständig weggebrochen – aus beiden Ländern reisten zusammen weniger als tausend Gäste an.
Abbildung: Früher Alltag in Havanna, heute selten: Im August 2026 kamen nur noch rund 30.000 internationale Besucher nach Kuba. (Archivbild Tacorontey, Havana sightseeing bus, Zuschnitt KUBAKUNDE, CC BY-SA 4.0)
Kuba hat in den ersten acht Monaten des Jahres 2026 nur noch 450.353 internationale Besucher empfangen. Das sind 64,4 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, wie aus am Donnerstag veröffentlichten Daten der Nationalen Statistikbehörde (Oficina Nacional de Estadística e Información, ONEI) hervorgeht. Im August reisten lediglich 30.490 ausländische Gäste auf die Insel. Knapp die Hälfte von ihnen waren im Ausland lebende Kubaner.
Kanada und Russland nahezu verschwunden Besonders deutlich zeigt sich der Einbruch bei den beiden Märkten, die Kubas Tourismus in den vergangenen Jahren getragen haben. Im August kamen nur noch 755 Besucher aus Kanada, im August 2025 waren es 47.857 gewesen, ein Rückgang um 98,4 Prozent. Aus Russland reisten 189 Gäste an, nach 8.463 ein Jahr zuvor. Kanada führt die Jahresstatistik mit 128.400 Besuchern zwar weiterhin an, doch dieser Wert stammt fast vollständig aus den ersten Monaten des Jahres. Seit dem Frühjahr kommen aus dem einst wichtigsten Herkunftsland nur noch wenige hundert Reisende pro Monat. Gemessen an den 526.239 Kanadiern des Vorjahreszeitraums ergibt sich ein Minus von 75,6 Prozent. Russland liegt mit 21.563 Besuchern um 73,3 Prozent unter dem Vorjahreswert von 80.653. Schon im März, noch vor dem Abzug der großen Hotelketten, waren aus beiden Ländern zusammen weniger als 800 Gäste gekommen. Seither hat sich die Lage nicht verbessert: Bereits im Mai lag die Gesamtzahl der Besucher mit gut 30.000 auf ähnlich niedrigem Niveau wie im August. Diaspora und USA halten die Verbindung Weniger stark betroffen sind die im Ausland lebenden Kubaner. Im August reisten 14.956 von ihnen auf die Insel, das entspricht 49 Prozent aller internationalen Ankünfte. Ein Jahr zuvor waren es 20.205 gewesen, der Rückgang fällt mit 26 Prozent vergleichsweise moderat aus. Bereits im Juni hatte die Diaspora mit 13.194 von 28.100 Besuchern fast die Hälfte gestellt. Im Achtmonatszeitraum kamen 103.481 Exilkubaner, nach 160.751 im Vorjahr. Aus den Vereinigten Staaten reisten bis August 41.971 Menschen nach Kuba, halb so viele wie im Vorjahreszeitraum. Die Flugverbindungen in die USA sind dagegen intakt geblieben. Die großen US-Airlines fliegen Havanna weiterhin an, wenn auch teils mit ausgedünntem Flugplan. Auch andere Märkte verzeichnen deutliche Einbußen. Aus Mexiko kamen 22.246 Besucher, aus Argentinien 15.144. Beide Länder liegen mehr als 40 Prozent unter Vorjahresniveau. Aus Spanien reisten 10.447 Touristen an, nach 32.914 im Vorjahreszeitraum, aus Italien 8.669 nach 22.348. Für den August allein ergibt sich ein Rückgang um 77,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Die Zahl lag zudem unter den 32.272 Besuchern im Juli und nur knapp über den 28.100 im Juni. Treibstoffmangel, Flugstreichungen, Sanktionen Für Kubas Devisenhaushalt ist die Entwicklung gravierend. Der Tourismus gehört zu den drei größten Einnahmequellen in harter Währung und hat sich von der Pandemie nie vollständig erholt. Im Februar hatten die kubanischen Behörden mitgeteilt, auf den Flughäfen der Insel stehe kein Kerosin mehr zur Verfügung. In der Folge stellten sämtliche kanadischen und russischen Airlines ihre Kuba-Verbindungen ein. Hinzu kommt der Druck aus Washington, der seit Januar zugenommen hat. Sekundärsanktionen richteten sich insbesondere gegen Unternehmen mit Verbindungen zum Militärkonglomerat GAESA, zu dem die Hotelgruppe Gaviota gehört. Die kubanische Regierung räumte im Juli ein, dass sieben internationale Hotelbetreiber das Land verlassen hätten. Diese hätten 46 Prozent der landesweit mehr als 80.000 Hotelzimmer verwaltet. Betroffen sind unter anderem die spanischen Ketten Meliá, Iberostar und Barceló, die kanadische Blue Diamond, die indonesische Archipelago International sowie die türkische ATG. Meliá schloss seinen Rückzug am 24. Juli ab und beendete damit Betrieb und Vermarktung sämtlicher Häuser im Land. Weit entfernt von den Rekordjahren Zum Vergleich: 2018 und 2019, als die Annäherung zwischen Washington und Havanna Reisen aus den USA erleichtert hatte, zählte Kuba jeweils mehr als vier Millionen Touristen. Zwar lassen sich Jahreswerte nicht unmittelbar mit einem Achtmonatsergebnis vergleichen, die Größenordnung des Einbruchs wird jedoch deutlich. Die Branche hatte sich schon vor der aktuellen Krise nicht erholt. Regierung setzt auf Privatsektor Als Reaktion beschloss die Regierung im Juni im Rahmen eines Pakets von 176 Wirtschaftsreformen mehrere Maßnahmen für den Tourismus. Private Unternehmen dürfen demnach künftig Hotels betreiben, Mietwagen anbieten und Personenbeförderung übernehmen. Zudem sollen sie als Reiseveranstalter, Vermittler und Reiseführer tätig werden können. Auf die Einnahmen aus diesen Tätigkeiten soll eine Abgabe von einem Prozent anfallen, mit der die Regierung nach eigenen Angaben Nachhaltigkeit und Außendarstellung des Sektors fördern will. Ob diese Maßnahmen Wirkung zeigen, lässt sich anhand der bisher veröffentlichten Zahlen nicht beurteilen. Eine Trendwende ist in den Daten bis August nicht erkennbar. Autor: Leon Latozke
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