Neues aus Kuba
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23.06.2026 07:00 Uhr
Am Dienstag weht in Kuba die Flagge auf Staatsgebäuden auf halbmast: Kubas Regierung trauert um Ramiro Valdés. Der 94-Jährige war vom Sturm auf die Moncada-Kaserne bis zuletzt Teil der Machtelite.
Der kubanische Staats- und Regierungschef Miguel Díaz-Canel hat eine öffentliche Trauerbekundung für einen der letzten verbliebenen Revolutionäre der ersten Stunde, Ramiro Valdés Menéndez, angeordnet. Wie aus dem offiziellen Amtsblatt der kubanischen Regierung hervorgeht, wird die Trauer am Dienstag (23.) von 6:00 Uhr morgens bis Mitternacht gelten. Während dieser Zeit muss die Landesflagge an staatlichen Gebäuden, militärischen Einrichtungen und öffentlichen Behörden auf halbmast gesetzt werden.
Valdés, der im Alter von 94 Jahren am vergangenen Sonntag verstarb, gehörte zu den wenigen Überlebenden der Gründergeneration des kubanischen Staates. Sein Tod, über dessen genaue Ursache die Regierung Stillschweigen bewahrt, beendet eine monatelange Phase der Spekulationen über seinen Gesundheitszustand, da er sich zuletzt von der öffentlichen Bühne zurückgezogen hatte. Díaz-Canel selbst reagierte emotional auf den Verlust und schrieb in den sozialen Netzwerken, der Abschied von Valdés schmerze "tief wie der eines Vaters". Er hob hervor, dass er den Verstorbenen stets geachtet und geschätzt habe. In seiner Würdigung strich der amtierende Präsident die "absolute Treue" von Valdés gegenüber Fidel und Raúl Castro heraus und erinnerte an dessen Lebensweg, der vom Angriff auf die Moncada-Kaserne im Jahr 1953 über die Teilnahme an der Granma-Expedition bis hin zu den höchsten Ämtern im Staat reichte. Trotz der feierlichen Geste bleibt der Alltag auf der Insel weitgehend unbeeinflusst. Der Erlass sieht weder eine Arbeitsruhe noch die Schließung von Schulen, Geschäften oder öffentlichen Einrichtungen vor. Der Betrieb soll regulär weiterlaufen, es sei denn, es würden separate Anweisungen erlassen. Die Maßnahme ist somit eher symbolischer Natur und unterstreicht die offizielle Verehrung einer Figur, deren Vermächtnis tief gespalten ist. Valdés, geboren am 28. April 1932 in Artemisa, baute nach der Revolution das Innenministerium und die Staatssicherheit auf, leitete jahrelang die Sicherheitsorgane und bekleidete später Ämter als Vizepräsident des Staats- und Ministerrates, Minister für Informatik und Kommunikation sowie Erster Vizepremier. Für die kommunistische Führung galt er bis zuletzt als Held der Republik und Musterbeispiel an revolutionärer Loyalität. Für seine Gegner, allen voran ehemalige politische Gefangene und Teile des Exils, verkörpert Valdés dagegen die Schattenseite der Revolution: Überwachung, Zensur, politische Verfolgung und den Aufbau des repressiven Sicherheitsapparates. Von seinen Kritikern wird er noch heute als "Carnicero de Artemisa" – der "Schlächter von Artemisa" – bezeichnet, ein Name, der für die Härte einer Regierung steht, die unter seiner Ägide ihren inneren Feind systematisch bekämpfte. Die öffentliche Trauer für einen so polarisierenden Mann zeigt mehr noch als die Trauer selbst die Unerschütterlichkeit eines Systems, das seine Ursprünge nie verleugnet hat – auch wenn die jüngere Generation Kubas diese Phase zunehmend kritischer betrachtet.
Quelle: Gaceta Oficial (https://t1p.de/o396r)
Autor: Leon Latozke
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