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28.04.2026 23:00 Uhr
Die Raffinerie Hermanos Díaz in Santiago de Cuba hat erstmals aus kubanischem Schweröl Naphtha, Heizöl und Diesel hergestellt. Bislang galt das nationale Rohöl wegen seiner hohen Viskosität als nicht raffinierbar.
Inmitten einer angespannten Energieversorgung meldet Kuba Fortschritte bei der Nutzung eigener Rohölressourcen. In der Raffinerie Hermanos Díaz in Santiago de Cuba ist es erstmals gelungen, aus heimischem Schweröl marktfähige Produkte wie Naphtha, Diesel und Heizöl zu gewinnen. Dieser Schritt könnte die strukturelle Abhängigkeit von Importen zumindest teilweise aufbrechen – ein zentrales Ziel der kubanischen Energiepolitik.
Die Umstellung der Anlage markiert einen technischen Paradigmenwechsel. Ursprünglich auf die Verarbeitung von leichterem, importiertem Rohöl ausgelegt, wurde die Infrastruktur nun so angepasst, dass sie auch das deutlich anspruchsvollere kubanische Rohöl verarbeiten kann. Dieses ist durch hohe Viskosität, einen beträchtlichen Schwefelgehalt und weitere Verunreinigungen gekennzeichnet. Die bisherige Praxis, importiertes Schweröl mithilfe von Lösungsmitteln auf ein verarbeitbares Niveau zu bringen, wurde nun erstmals auf nationale Ressourcen übertragen. Die Ergebnisse eines ersten Testlaufs gelten als vielversprechend. Die produzierte Naphtha-Menge deckte den Bedarf der Ölförderung in Varadero für rund zwei Wochen. Auch der erzeugte Diesel, obwohl qualitativ kein Spezialkraftstoff, ist einsetzbar und kann bestehende Engpässe bei Bohrprozessen abfedern. Beim gewonnenen Heizöl laufen derzeit Prüfungen für den Einsatz in Kraftwerken und der energieintensiven Nickelindustrie – zwei Schlüsselbereiche der kubanischen Wirtschaft. Parallel zu den Arbeiten in Santiago de Cuba treibt das staatliche Forschungszentrum Ceinpet die Entwicklung einer Technologie zur sogenannten Thermokonversion voran. Dabei wird Schweröl durch kontrollierte Erhitzung aufgespalten, wodurch sich seine Fließeigenschaften verbessern. International ist dieses Verfahren als Visbreaking oder thermisches Cracken etabliert, für Kuba jedoch von besonderer strategischer Bedeutung: Es könnte die Verarbeitung heimischer Ressourcen ohne den Einsatz von Lösungsmitteln ermöglichen. Die politische Führung bewertet diese Entwicklungen als Durchbruch. Präsident Miguel Díaz-Canel sprach von einem historischen Moment und stellte die bisherigen Annahmen infrage, wonach das kubanische Rohöl kaum industriell nutzbar sei. Tatsächlich wurde es bislang überwiegend direkt zur Stromerzeugung verbrannt – eine ineffiziente Nutzung angesichts des wachsenden Energiebedarfs. Geplant ist nun der Aufbau einer Pilotanlage für Thermokonversion in Cabaiguán. Der Standort bietet bereits grundlegende Infrastruktur und qualifiziertes Personal. In einer weiteren Entwicklungsphase soll zudem der hohe Schwefelgehalt des Rohöls mithilfe lokal verfügbarer Lateriterze reduziert werden. Diese Kombination aus technologischer Innovation und Nutzung heimischer Ressourcen deutet auf eine langfristige Strategie hin, die über kurzfristige Krisenbewältigung hinausgeht. Der Hintergrund dieser Anstrengungen ist eine akute Versorgungslücke. Während Kuba täglich etwa 40.000 Barrel Rohöl fördert, liegt der Bedarf bei mehr als dem Doppelten. Der Wegfall zentraler Lieferanten hat die Situation drastisch verschärft. Venezuela und Mexiko haben ihre Exporte eingestellt, während zusätzliche Sanktionen den internationalen Handel weiter erschweren. Die Folge: massive Einschränkungen im öffentlichen Verkehr und eine zunehmende Belastung der Wirtschaft. Vor diesem Kontext erscheinen die Fortschritte in der Raffinerie Hermanos Díaz nicht nur als technischer Erfolg, sondern als Teil eines umfassenden Anpassungsprozesses. Ob daraus eine nachhaltige Entlastung entsteht, hängt jedoch von der Skalierbarkeit der Verfahren und der weiteren Entwicklung der internationalen Rahmenbedingungen ab. Autor: Leon Latozke
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