Neues aus Kuba
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In Kuba hat das Schuljahr 2025/2026 begonnen – überschattet von Lehrermangel, fehlenden Uniformen und knappen Schulmaterialien. Besonders in Havanna und Sancti Spíritus ist die Lage dramatisch, dort bleiben ein Drittel der Lehrerstellen unbesetzt.
02.09.2025 07:45 Uhr
Abbildung: Girls in School Uniform - Near Pinar del Rio - Cuba von Adam Jones Adam63, Zuschnitt KUBAKUNDE, CC BY-SA 3.0
Am 1. September hat in Kuba das Schuljahr 2025/2026 begonnen – traditionell ein gesellschaftlich und politisch aufgeladenes Ereignis auf der Insel. Doch der Auftakt steht in diesem Jahr im Zeichen gravierender Engpässe: Lehrkräfte fehlen in großer Zahl, Uniformen sind Mangelware, und selbst grundlegendes Unterrichtsmaterial ist nur eingeschränkt verfügbar. Die kubanische Regierung spricht selbst von „besonders komplexen Umständen“, die den Schulstart begleiten.
1,5 Millionen Schülerinnen und Schüler betroffen Mehr als 1,5 Millionen Kinder und Jugendliche kehrten am Montag in über 10.000 Bildungseinrichtungen zurück, von der Grundschule über Sekundar- und Berufsschulen bis hin zu den Vorbereitungseinrichtungen für die Hochschulreife. Bildungsministerin Naima Trujillo rief Eltern und Lehrkräfte zur „Einheit“ und „Vertrauensbildung“ auf und betonte, dass trotz materieller Defizite der Einsatz und die Hingabe des pädagogischen Personals entscheidend seien. „Uns fehlt vieles, aber es mangelt nicht an Engagement, Vorbereitung und Humanismus“, erklärte sie. Premierminister Manuel Marrero wiederum führte die Engpässe auf die US-Sanktionen zurück und unterstrich, dass die kubanische Jugend dennoch „als Männer und Frauen des Guten“ heranwachsen solle. Drastischer Lehrermangel in den Metropolen Der gravierendste Engpass betrifft die Verfügbarkeit von Lehrkräften. Keine Provinz erreichte die volle Abdeckung der benötigten Stellen. Während Santiago de Cuba im Osten und Pinar del Río im Westen mit Quoten von 99 bzw. 96,6 Prozent vergleichsweise gut dastehen, ist die Situation in anderen Regionen dramatisch. In der Hauptstadt Havanna und im zentral gelegenen Sancti Spíritus blieben jeweils rund ein Drittel der Lehrerstellen unbesetzt, die Abdeckung liegt dort bei nur 66,9 bzw. 68,2 Prozent. Auf nationaler Ebene endete das Jahr 2024 bereits mit einer Unterrichtsversorgung von lediglich 84,4 Prozent. Damals sprach das Bildungsministerium von einem Fehlbedarf von 26.871 Lehrkräften. Die Ursachen sind vielfältig: Migration, niedrige Gehälter und die geringe Attraktivität des Lehrerberufs für jüngere Generationen verschärfen die Lage. Uniformen für nur ein Fünftel der Schüler Auch die Ausstattung mit Schuluniformen bereitet erhebliche Probleme. Der staatliche Industriekonzern für Textilproduktion hatte eine Nachfrage von 3,6 Millionen Kleidungsstücken veranschlagt, konnte jedoch nur 2,2 Millionen finanzieren. Hinzu kommen Produktionsverzögerungen aufgrund der täglichen Stromausfälle. Priorität erhielten Schülerinnen und Schüler, die in eine neue Schulstufe wechseln – also Vorschüler, Fünft- und Siebtklässler. Für die Mehrheit der Kinder bleiben neue Uniformen unerreichbar. Insgesamt werden lediglich 20 Prozent der Einschreibungen mit frischer Kleidung versorgt. Bereits im Vorjahr war die Versorgungslage ähnlich kritisch. Mangelwirtschaft im Klassenzimmer Neben Uniformen fehlt es auch an Büchern, Heften und Schreibmaterialien. Zwar werden Hefte, Bleistifte und Kreide zentral verteilt, jedoch in „angepassten Normen“, wie die Vizeministerin Cira Piñeiro einräumte. Viele Familien sehen sich deshalb gezwungen, auf teure private oder informelle Märkte auszuweichen, was die ohnehin stark belasteten Haushaltskassen weiter strapaziert. Strukturelle Krise als Hintergrund Der Bildungskrise liegt eine tiefgreifende wirtschaftliche Misere zugrunde. Seit fünf Jahren steckt Kuba in einer schweren Rezession, begleitet von hoher Inflation, Versorgungsengpässen bei Lebensmitteln, Medikamenten und Treibstoff sowie täglichen Stromabschaltungen. Die Pandemie, verschärfte US-Sanktionen und misslungene Wirtschafts- und Währungsreformen haben die strukturellen Defizite des Landes verschärft. Die Folge ist eine massive Auswanderungswelle, die auch den Bildungssektor besonders hart trifft. Symbolische Bedeutung der Bildung Trotz aller Schwierigkeiten betont die Regierung die hohe Priorität, die Bildung in Kuba seit der Revolution von 1959 einnimmt. Nahezu ein Viertel der öffentlichen Ausgaben fließt in den Sektor, die Ausbildung bleibt kostenlos und staatlich organisiert – von der Grundschule bis zur Universität. Die Behörden verweisen auf regionale Unterschiede und ermutigen Schulen, flexible und lokal angepasste Lösungen zu entwickeln. In einigen Provinzen seien durch gemeinschaftliche Initiativen nicht nur Klassenzimmer instand gesetzt, sondern auch Schulmaterialien beschafft worden. Ein Start zwischen Anspruch und Realität Der Beginn des neuen Schuljahres zeigt exemplarisch die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit in Kuba: Die staatliche Rhetorik beschwört Solidarität, Widerstandskraft und die historische Errungenschaft eines kostenlosen Bildungssystems. Der Alltag vieler Familien aber ist geprägt von improvisierten Lösungen, finanziellen Belastungen und der Unsicherheit, ob die Kinder in einem funktionierenden Unterrichtsalltag lernen können. Während die Regierung von Engagement, Flexibilität und sozialem Zusammenhalt spricht, sind es die Mängel an Personal, Kleidung und Unterrichtsmaterialien, die das Bild des neuen Schuljahres bestimmen
Quelle: CubaSi (https://t1p.de/t1ooa)
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