Neues aus Kuba
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02.04.2026 10:00 Uhr
Kuba signalisiert wirtschaftliche Öffnung gegenüber den USA. „Also, die USA wollen sich an der wirtschaftlichen Transformation in Kuba beteiligen? Dann lassen Sie es uns tun“, sagte die ranghöchste kubanische Diplomatin in den Vereinigten Staaten in einem Interview mit USA TODAY.
Während US-Politiker weiterhin auf einen Regimewechsel in Kuba hinarbeiten, hat Lianys Torres Rivera, Geschäftsträgerin der kubanischen Botschaft in den Vereinigten Staaten, gegenüber der überregionalen US-amerikanische Tageszeitung USA TODAY in einem exklusiven Interview einen Ansatz für intensivere bilaterale Beziehungen präsentiert, der neue wirtschaftliche Kooperationen eröffnen und die Beziehungen zwischen den ehemaligen Konfliktparteien des Kalten Krieges vertiefen könnte
Torres Rivera, derzeitig oberste diplomatische Vertreterin des Kubas in den USA, betonte in dem Gespräch, dass Havanna grundsätzlich bereit sei, mit Washington über wirtschaftliche Reformen und Kooperationen zu verhandeln. Zugleich stellt sie klar, dass die staatliche Souveränität Kubas nicht zur Disposition stehe. Torres Rivera verweist auf eine Vielzahl möglicher Themenfelder für eine Zusammenarbeit. Dazu zählen wirtschaftliche Reformen ebenso wie Kooperationen in Wissenschaft und Sicherheitspolitik. Wörtlich stellt sie in Aussicht, dass sich die USA an der wirtschaftlichen Transformation Kubas beteiligen könnten, sofern entsprechendes Interesse bestehe. „Es gibt eine große Bandbreite an Themen, die wir mit den USA besprechen können, die – davon sind wir überzeugt – sowohl im nationalen Interesse der USA als auch im nationalen Interesse Kubas liegen“, sagte Torres Rivera. „Also, die USA wollen sich an der wirtschaftlichen Transformation in Kuba beteiligen? Dann lassen Sie es uns tun.“ Sanktionen als zentraler Streitpunkt Ein wesentliches Hindernis für eine Annäherung bleibt das seit Jahrzehnten bestehende US-Embargo gegen Kuba. Dieses schränkt den Handel erheblich ein und verbietet unter anderem den Import von Produkten mit einem bestimmten Anteil US-amerikanischer Komponenten. Nach Darstellung der kubanischen Seite könnte bereits eine teilweise Lockerung dieser Regelungen zu spürbaren wirtschaftlichen Verbesserungen führen. Wie USA TODAY berichtet, regt Havanna mehrere konkrete Schritte an. Dazu gehört die Aussetzung einzelner Bestimmungen des sogenannten Helms-Burton-Gesetzes sowie die Streichung Kubas von der US-Liste der Terrorunterstützer. Beide Maßnahmen könnten ohne vollständige Aufhebung des Embargos umgesetzt werden, etwa durch präsidiale Anordnungen. Die kubanische Regierung sieht darin nicht nur wirtschaftliche, sondern auch politische Signale. Eine Lockerung der Sanktionen würde als Hinweis auf eine veränderte Haltung Washingtons gewertet werden und könnte die Grundlage für weitergehende Verhandlungen bilden. Verhandlungen unter schwierigen Vorzeichen Parallel zu den öffentlichen Äußerungen laufen offenbar vertrauliche Gespräche zwischen beiden Staaten. Der kubanische Präsident Miguel Díaz-Canel bestätigte am 13. März erstmals, dass Gespräche mit den USA stattfinden. US-Außenminister Rubio traf sich im Februar mit dem Enkel des ehemaligen kubanischen Staatschefs Raúl Castro, so USA TODAY. Die wirtschaftliche Lage in Kuba gilt weiterhin als angespannt. Ein landesweiter Stromausfall im März hat die strukturellen Defizite der Energieinfrastruktur erneut verdeutlicht. Treibstoffmangel und ein veraltetes Stromnetz führten dazu, dass weite Teile des Landes zeitweise ohne Elektrizität waren. Gleichzeitig verschärft die US-Regierung den politischen Ton. Präsident Donald Trump äußerte sich wiederholt kritisch gegenüber der kubanischen Führung und stellte in der Öffentlichkeit auch weitergehende Maßnahmen in Aussicht. Diese Rhetorik steht im Kontrast zu den parallel laufenden diplomatischen Kontakten. Bedingungen für eine Annäherung Aus Sicht der USA ist eine Lockerung der Sanktionen an klare Bedingungen geknüpft. Regierungsvertreter betonen, dass wirtschaftliche Öffnung und politische Reformen miteinander verbunden seien. Dazu zählen insbesondere die Förderung privater Unternehmen sowie eine stärkere wirtschaftliche Eigenständigkeit der Bevölkerung. Experten weisen darauf hin, dass ein nachhaltiger Wandel nur möglich sei, wenn beide Seiten parallel Schritte unternehmen. Investitionen aus dem Ausland seien kaum zu erwarten, solange umfassende Sanktionen bestehen. Umgekehrt werde Washington ohne erkennbare Reformen in Kuba kaum zu substantiellen Zugeständnissen bereit sein. Ein weiterer Aspekt betrifft offene Entschädigungsforderungen aus der Zeit nach der kubanischen Revolution. Zahlreiche US-Unternehmen fordern weiterhin Ausgleich für enteignete Vermögenswerte. Die Klärung dieser Frage gilt als potenziell wichtiger Baustein für eine Normalisierung der Beziehungen. Internationale Perspektive Die US-Sanktionspolitik gegenüber Kuba steht seit Jahren international in der Kritik. Eine deutliche Mehrheit der Staaten regelmäßig ein Ende des Embargos. Entsprechende Resolutionen in der Generalversammlung der Vereinten Nationen werden seit Jahrzehnten mit großer Mehrheit verabschiedet. Die kubanische Seite sieht sich durch diese internationale Unterstützung in ihrer Position bestätigt. Zugleich verweist sie auf die wirtschaftlichen Potenziale einer Öffnung. Amerikanische Unternehmen sowie Investoren aus der kubanischen Diaspora könnten nach Ansicht Havannas eine wichtige Rolle bei der wirtschaftlichen Entwicklung spielen. Begrenzter Handlungsspielraum des US-Präsidenten Eine vollständige Aufhebung des Embargos erfordert die Zustimmung des US-Kongresses. Dennoch verfügt der Präsident über Möglichkeiten, einzelne Sanktionen zu lockern. Bereits jetzt wurden punktuelle Erleichterungen umgesetzt, etwa im Bereich der Energieexporte an den privaten Sektor in Kuba. Rechtsexperten sehen hierin einen Ansatz für schrittweise Veränderungen. Durch gezielte Ausnahmeregelungen könnten wirtschaftliche Kontakte ausgebaut werden, ohne dass eine grundlegende politische Entscheidung notwendig wäre. Ein solcher pragmatischer Ansatz wurde in der Vergangenheit bereits mehrfach verfolgt. Zwischen Annäherung und fortbestehenden Differenzen Die aktuellen Entwicklungen verdeutlichen die Ambivalenz der Beziehungen zwischen den USA und Kuba. Während Havanna wirtschaftliche Kooperation anbietet, bleibt das politische Verhältnis belastet. Die USA fordern strukturelle Veränderungen, während Kuba auf seiner staatlichen Unabhängigkeit besteht. Dennoch zeichnen sich Ansätze für eine vorsichtige Annäherung ab. Beide Seiten verfolgen wirtschaftliche Interessen, die zumindest teilweise kompatibel erscheinen. Ob daraus ein nachhaltiger politischer Prozess entsteht, hängt maßgeblich von der Bereitschaft zu gegenseitigen Zugeständnissen ab.
Quelle: USA TODAY (https://t1p.de/3v6ne)
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