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08.07.2026 08:00 Uhr
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Nach dem Blackout arbeitet Kuba fieberhaft an der Netzwiederherstellung. Eine durchgehende Leitung von Pinar del Río bis Holguín ermöglicht eine schrittweise Wiederinbetriebnahme.
Abbildung: Symbolbild/Screenshot. Bildquelle: Video. Rechte beim Uploadenden.
Fast dreißig Stunden nach dem vollständigen Zusammenbruch des nationalen Stromnetzes meldeten die staatlichen Energiewerke am Dienstag einen ersten Fortschritt: Die Stromversorgung in einem Korridor von der Westprovinz Pinar del Río bis zur Ostprovinz Holguín war wiederhergestellt. Die staatliche Unión Eléctrica (UNE) sprach auf ihren Social-Media-Kanälen von einem „bedeutenden Fortschritt" bei der Wiederherstellung des nationalen Stromverbunds (Sistema Electroenergético Nacional - SEN). Die östlichsten Provinzen des Landes blieben zu diesem Zeitpunkt weiterhin vom Netz getrennt.
In der Hauptstadt Havanna hatten von rund 787.000 registrierten Kunden der örtlichen Elektrizitätsgesellschaft am Dienstag mehr als 560.000 wieder Zugang zu Strom, was einer Quote von knapp zwei Dritteln entspricht. Die UNE erklärte, die Wiederherstellung des Dienstes erfolge „schrittweise und fortschreitend" und richte sich nach den jeweiligen Bedingungen des Gesamtsystems. Die Wiederherstellung nach einem landesweiten Totalausfall folgt einem festgelegten technischen Ablauf. Zunächst werden sogenannte Mikrosysteme gebildet: kleine, autarke Strominseln, die auf leicht startbaren Quellen wie Solaranlagen, Wasserkraft oder kleineren Generatoren basieren. Von diesen Inseln aus werden schrittweise die großen Wärmekraftwerke wieder hochgefahren und mit dem Gesamtsystem synchronisiert. Der Generaldirektor für Elektrizität im Ministerium für Energie und Bergbau, Lázaro Guerra, erklärte im staatlichen Fernsehen, der Wiederherstellungsprozess schreite voran, die Erzeugungskapazität des SEN bleibe jedoch auf „hohem Niveau" beeinträchtigt und weiterhin „eingeschränkt" – eine Situation, die nach seinen Angaben noch mehrere Tage anhalten werde. Priorität habe die Inbetriebnahme des Kraftwerks Felton in der Provinz Holguín, das für die Wiederanbindung der östlichen Provinzen Santiago de Cuba, Granma und Guantánamo als unverzichtbar gilt. Nach Angaben der Behörden liegt der Fokus in der aktuellen Phase auf der Grundversorgung: Krankenhäuser, Trinkwasserversorgung und Kommunikationsnetze werden vorrangig versorgt. Zu den Ursachen des jüngsten Totalausfalls machten die Verantwortlichen bislang keine Angaben. Es ist der dritte landesweite Blackout im laufenden Jahr 2026. Die Energiekrise in Kuba verschärft sich seit Mitte 2024 kontinuierlich. Eine wesentliche Zäsur markierte der Januar, als die US-Regierung ihre Sanktionen gegen Kuba verschärfte und die Einfuhr von Erdöl und Erdölprodukten faktisch unterband. Seither ist die Insel weitgehend von Treibstofflieferungen abgeschnitten. Einzige Ausnahme war im April die Lieferung von rund 100.000 Tonnen Rohöl durch den russischen Tanker „Anatoli Kolodkin", die als humanitäre Hilfe deklariert wurde und den Bedarf für rund zwei Wochen deckte. Der tägliche Ölbedarf des Landes liegt nach verschiedenen Schätzungen bei etwas mehr als 100.000 Barrel. Aus eigener Förderung stellt Kuba davon nur etwa 40.000 Barrel bereit; die verbleibende Menge müsste importiert werden. Die kubanische Regierung bezeichnet die US-Politik als „Genozid". Die Vereinten Nationen haben die US-Sanktionen als völkerrechtswidrig eingestuft. Unabhängige Schätzungen beziffern die notwendigen Investitionen zur Modernisierung des Stromnetzes auf acht bis zehn Milliarden US-Dollar – ein Betrag, der angesichts der Devisenknappheit und eingeschränkter Kreditmöglichkeiten kaum zu realisieren erscheint. Die Folgen der Energiekrise reichen bis in den Alltag: Ausfälle der Straßenbeleuchtung, verstärkte Nutzung von Fahrrädern und Bicitaxis sowie Produktionsausfälle in der Industrie gehören mittlerweile zum Alltag vieler Kubaner. Die aktuelle Teilwiederherstellung des Netzes markiert einen technischen Fortschritt, löst die strukturellen Probleme des Systems jedoch nicht. Solange die US-Sanktionen bestehen bleiben und die notwendigen Investitionsmittel fehlen, bleibt das Risiko weiterer landesweiter Ausfälle bestehen.
Quelle: EFE (https://t1p.de/dtvzm)
Autor: Leon Latozke
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