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Kuba erlebt einen massiven Einbruch im Tourismussektor: Zwischen Januar und August 2025 kamen rund 1,26 Millionen internationale Gäste auf die Insel – ein Rückgang von über 21 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besonders stark sanken die Besucherzahlen aus traditionellen Märkten wie Deutschland, Russland und Kanada.
20.09.2025 23:55 Uhr
Abbildung: Foto von Florian Wehde auf Unsplash
Der Tourismus, seit Jahrzehnten einer der wichtigsten Devisenbringer Kubas, befindet sich in einer anhaltenden Abwärtsspirale. Nach offiziellen Zahlen der staatlichen Statistikbehörde ONEI besuchten zwischen Januar und August 2025 lediglich 1.259.972 internationale Gäste die Insel – ein Rückgang von 21,64 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Damit entfernt sich Havanna noch weiter von seinem eigenen Ziel, 2025 rund 2,6 Millionen Besucher zu empfangen. Selbst die Marke von 2,2 Millionen aus dem Vorjahr, schon die schlechteste Bilanz seit 17 Jahren (mit Ausnahme der Pandemie), ist kaum noch realistisch.
Im August zählte Kuba 135.985 ausländische Reisende. Das war nicht nur weniger als im Vormonat Juli (142.131), sondern auch ein weiterer Beleg für die fragile Lage des Sektors. Besonders deutlich ist der Rückgang in den klassischen Herkunftsländern: Deutschland verzeichnete ein Minus von 41,4 Prozent, Russland 39,4 Prozent, Spanien 27,7 Prozent, Frankreich 24,7 Prozent und Kanada 21 Prozent. Lediglich aus Argentinien reisten etwas mehr Touristen an – rund sechs Prozent mehr als im Vorjahr. Auch die Besuche von Kubanerinnen und Kubanern aus dem Ausland, die gewöhnlich das zweitgrößte Besucherkontingent nach Kanada stellen, gingen um 20,7 Prozent zurück. Damit fällt ein weiterer wichtiger Pfeiler des Tourismusgeschäfts weg. Gründe für die Flaute Die Ursachen für den Einbruch sind vielfältig. Zum einen steckt die Insel in einer der schwersten Wirtschafts- und Energiekrisen seit Jahrzehnten. Stromausfälle und Versorgungsengpässe schrecken Reisende ab, ebenso wie die Abwertung des kubanischen Peso und die Inflation. Hinzu kommen reduzierte Flugverbindungen, die das Reisen verteuern oder umständlicher machen, sowie die weiterhin geltenden US-Sanktionen, die den Tourismus aus dem Nachbarland einschränken. Der Tourismus ist für Kuba von existenzieller Bedeutung. Er liefert einen erheblichen Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt und gehört – neben dem Export medizinischer Dienstleistungen und den Überweisungen der im Ausland lebenden Kubaner – zu den wichtigsten Quellen für Deviseneinnahmen. Der erneute Einbruch schwächt daher nicht nur die Hotel- und Gastronomiebranche, sondern gefährdet auch die Stabilität der gesamten Volkswirtschaft. Vergleich mit der Region Besonders bitter für Havanna ist der Vergleich mit den Nachbarn: Während die Karibikdestinationen Punta Cana in der Dominikanischen Republik und Cancún in Mexiko nach der Pandemie Rekordzahlen verzeichnen, bleibt Kuba weit hinter früheren Bestmarken zurück. 2018 hatten noch 4,6 Millionen internationale Gäste die Insel besucht, 2019 waren es 4,2 Millionen – Werte, die eng mit der damals entspannteren Beziehung zu den USA verbunden waren. Infolge des diplomatischen Tauwetters lockerte Washington damals Reisebeschränkungen, was den Tourismus kurzfristig beflügelte. Seither hat sich die Lage grundlegend verändert. Mit verschärften US-Regeln, strukturellen Problemen der kubanischen Wirtschaft und einem internationalen Wettbewerb um Gäste ist das Land zurückgefallen. Die aktuellen Zahlen lassen wenig Hoffnung auf eine baldige Trendwende zu. Vielmehr wächst die Gefahr, dass der Sektor, einst Aushängeschild der sozialistischen Karibikinsel, dauerhaft den Anschluss an die Region verliert.
Quelle: ONEI (https://t1p.de/uxp75)
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Text: Leon Latozke
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