|
02.09.2026 08:00 Uhr Meliá, Iberostar, Barceló – sie alle haben Kuba verlassen. Der Tourismussektor der Insel verliert 2026 mehr als ein Drittel seiner Besucher, Tendenz weiter fallend. Die kubanische Tourismusbranche, eine der wichtigsten Devisenquellen des Landes, befindet sich im freien Fall. Zwischen Januar und Juli 2026 besuchten nur 419.863 internationale Touristen die Insel – ein Rückgang von 37,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das geht aus aktuellen Zahlen der staatlichen Statistikbehörde ONEI hervor. Immerhin gab es im Juli mit 32.272 Besuchern einen leichten Anstieg gegenüber den 28.100 im Juni – ein schwacher Trost angesichts der Gesamtentwicklung. Kanada bleibt mit 127.645 Reisenden in den ersten sieben Monaten des Jahres die wichtigste Herkunftsregion, gefolgt von den USA mit 37.351 Besuchern. Russland und Mexiko folgen mit deutlichem Abstand: 21.374 beziehungsweise 19.828 Touristen. Besonders stark eingebrochen sind die Besuche im Ausland lebender Kubaner, die traditionell eine wichtige Stütze der Branche darstellen: Ihre Zahl fiel von 140.546 auf nur noch 88.525. Ölembargo und neue Sanktionen als BrandbeschleunigerBereits 2025 verzeichnete Kuba die schlechtesten Tourismuszahlen seit 2002, die Pandemiejahre ausgenommen. Die ohnehin tiefe Wirtschaftskrise der Insel hat sich seither durch den Druck der Vereinigten Staaten weiter verschärft – allen voran durch das Ölembargo, das Washington seit Januar gegen Kuba verhängt. Seit Mai kommen zusätzliche Sanktionen hinzu: Sie drohen mit dem Einfrieren von Vermögenswerten in den USA für Personen und Unternehmen, die mit der Regierung in Havanna verbunden sind oder sie finanziell, materiell oder technologisch unterstützt haben. Die Folgen sind für die Branche gravierend: Flugverbindungen wurden gestrichen, zahlreiche Hotels geschlossen, und mehrere große Hotelketten haben sich aus Kuba zurückgezogen. Betroffen sind die spanischen Konzerne Meliá, Iberostar und Barceló, die jahrzehntelang einen Großteil der kubanischen Hotellerie betrieben, sowie die kanadische Kette Blue Diamond, der indonesische Konzern Archipelago International und das türkische Unternehmen ATG. Tourismus als Rückgrat der WirtschaftFür die Erholungspläne der kubanischen Regierung ist der Tourismussektor von zentraler Bedeutung – sowohl für das Bruttoinlandsprodukt als auch für dringend benötigte Deviseneinnahmen, die traditionell neben professionellen Dienstleistungen und Rücküberweisungen zu den wichtigsten Einnahmequellen des Landes zählen. 2025 kamen knapp 1,8 Millionen ausländische Besucher – weit entfernt vom Regierungsziel von 2,6 Millionen. 2024 waren es noch 2,2 Millionen, 2023 rund 2,4 Millionen gewesen. Die aktuellen Zahlen liegen damit weit unter den Rekordwerten von 2018 (4,6 Millionen) und 2019 (4,2 Millionen), als die diplomatische Annäherung zwischen den USA und Kuba sowie gelockerte Reisebeschränkungen für einen historischen Besucherboom sorgten. Quellen: ONEI (pdf), EFE
Autor: Leon Latozke
Letzte Meldungen
0 Kommentare
Ihr Kommentar wird veröffentlicht, sobald er genehmigt ist.
Antwort hinterlassen |
Dossiers
Mediathek
Anzeige (M2) Anzeige (G4) Achiv
Archiv
September 2026
|

RSS-Feed