Neues aus Kuba
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23.05.2026 08:00 Uhr
Der Tourismus in Kuba bricht weiter ein: 328.608 internationale Gäste in den ersten vier Monaten 2026 sind 55,8 Prozent weniger als im Vorjahr.
Abbildung: Foto von Ricardo IV Tamayo auf Unsplash
Wie KUbas nationale Statistikbehörde ONEI am Freitag (22.) mitteilte, besuchten in den ersten vier Monaten des Jahres 2026 lediglich 328.608 internationale Gäste die Karibikinsel. Dies entspricht einem Rückgang von 55,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Besonders dramatisch war der Monat April, in dem nur noch 30.551 Touristen gezählt wurden. Die Zahlen untermauern den tiefgreifenden Kollaps des für die kubanische Wirtschaft essenziellen Sektors, der unter der schweren Wirtschaftskrise des Landes, akuten Treibstoffmangel und wachsender geopolitischer Unsicherheit leidet.
Die desaströse Entwicklung betrifft alle wichtigen Herkunftsmärkte gleichermaßen. Kanada, traditionell der wichtigste Quellmarkt für Kuba, entsandte zwischen Januar und April 125.444 Urlauber – ein Minus von 63,8 Prozent. Noch deutlicher fällt der Rückgang bei russischen Touristen aus: Mit nur 21.050 Besuchern verzeichnete das Land einen Einbruch von 56,7 Prozent. Aber auch kleinere Märkte bleiben nicht verschont: Selbst die geringsten Rückgänge, verzeichnet in Argentinien und China, liegen bei über 20 Prozent. Ein weiterer harter Schlag für die Branche ist der drastische Rückgang der Besuche aus der kubanischen Diaspora. Diese Gruppe, einst ein stabilisierender Faktor, schrumpfte um 41,2 Prozent auf nur noch 46.173 Personen. Der Tourismussektor befand sich bereits im Jahr 2025 in einer schweren Krise, als die niedrigsten Zahlen seit der Jahrtausendwende (abgesehen von den Pandemiejahren) registriert wurden. Der verschärfte US-amerikanische Kurs, insbesondere die massiven Sanktionen gegen die Treibstofflieferungen, haben die Lage weiter eskaliert. Seit Januar wurden zahlreiche Hauptflugrouten – etwa von Kanada und Russland – aufgrund fehlender Kerosinversorgung gestrichen. Viele Hotels mussten mangels Gästen vorübergehend schließen. Selbst traditionsreiche spanische Airlines wie Iberia und World2Fly kündigten zuletzt die schrittweise Reduzierung ihrer Frequenzen an. Die Perspektiven sind düster. Die anhaltende geopolitische Spannung zwischen Washington und Havanna sowie die manifeste Treibstoffknappheit vergiften das Investitionsklima und zerstören die Urlaubserfahrung vor Ort. Für die Regierung in Havanna ist der Niedergang eine existenzielle Bedrohung. Der Tourismus war stets eine der wichtigsten Devisenquellen – neben den Erlösen aus Dienstleistungsexporten und Überweisungen von Kubanern im Ausland – und ein zentraler Pfeiler des Bruttoinlandsprodukts. Mit ihm sollten die leeren Staatskassen gefüllt werden. Die aktuellen Zahlen liegen meilenweit hinter den ehrgeizigen Zielen der Regierung zurück. Nachdem die Behörden 2025 noch 2,6 Millionen Besucher anpeilten, kamen gerade einmal 1,8 Millionen. Zum Vergleich: 2024 waren es 2,2 Millionen, 2023 noch 2,4 Millionen. Die goldenen Jahre der Insel, als in den Jahren 2018 und 2019 mit 4,6 beziehungsweise 4,2 Millionen Gästen Rekordwerte erreicht wurden, wirken wie eine ferne Erinnerung. Diese Boomphase war eine direkte Folge des diplomatischen Tauwetters zwischen den USA und Kuba, das zu einer Lockerung der Reisebeschränkungen führte. Heute kontrastiert die Misere auf Kuba scharf mit der Erholung konkurrierender Karibikdestinationen. Während Punta Cana in der Dominikanischen Republik oder Cancún in Mexiko historische Besucherrekorde nach der Pandemie verzeichnen, versinkt die Insel in einer tiefen tourismuspolitischen Depression.
Quelle: ONEI (https://t1p.de/polms)
Autor: Leon Latozke
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