Neues aus Kuba
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30.05.2026 10:00 Uhr
Träumt die Trump-Administration träumt davon, die Leitung der Hotels zu übernehmen, die von dem riesigen Staatsunternehmen kontrolliert werden?
Kubas Tourismus, lange ein Hoffnungsträger für Kubas marode Wirtschaft, steckt in einer tiefen Krise – und gerät zunehmend zwischen die Fronten eines geopolitischen Machtkampfes. Im Zentrum steht ein undurchsichtiger Militärkonzern, der nahezu die Hälfte der Wirtschaftsleistung der Insel kontrolliert: die Grupo de Administración Empresarial SA, die ins Fadenkreuz der letzten US-Sanktionen geraten ist. Was steckt hinter den US-Strafmassnahmen, die das Herz der kubanischen Miltärwirtschaft betreffen und jungst zur Festnahme der Schwester der GEASA-Chefin in den USA führte. Will die Trump-Administration die Leitung der Hotels zu übernehmen, die von dem riesigen Staatsunternehmen kontrolliert werden, wie ein ein Artikel der spanischen Tageszeitung EL PAÍS jetzt nahelegt?
Die kubanische Tourismusbranche steckt in einer tiefen Krise. Von den über 340 Hotels und unzähligen Ferienapartments, die das Land einst für fast fünf Millionen Besucher im Jahr 2018 bereithielt, ist nur noch ein Bruchteil ausgelastet. Dabei war der Sektor lange Zeit das Rückgrat der Volkswirtschaft: Im vergangenen Jahr trug er 50 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei, die Weltbank schätzt den Anteil des gesamten Dienstleistungssektors sogar auf 80 Prozent. Doch diese Zahlen täuschen über die eigentliche Machtverteilung hinweg. Hinter der Fassade der staatlichen Planwirtschaft verbirgt sich ein schattenhafter Akteur, der die Fäden zieht: die Grupo de Administración Empresarial SA, besser bekannt als GAESA. Dieser militärische Mischkonzern kontrolliert nicht nur den gesamten Hotelbestand, sondern auch den Transport, die Tankstellen, den Einzelhandel, die Telekommunikation und die Überweisungen. Über seine Tochtergesellschaft Gaviota SA besitzt er mindestens 120 Hotels, fast ausnahmslos Luxusresorts, die von internationalen Ketten betrieben werden. Die größte Rolle spielen dabei spanische Unternehmen: 62 Hotels – mehr als die Hälfte des GAESA-Portfolios – werden von Ketten wie Meliá, Iberostar, Valentín, Roc, Blau und Barceló geführt. Meliá, der prominenteste Partner, musste jedoch bereits die Hälfte seiner Häuser wegen mangelnder Nachfrage schließen. Die Krise des Tourismus ist nicht allein eine Folge der Pandemie oder der Wirtschaftssanktionen. Sie ist das Ergebnis eines jahrzehntelangen Systems, das die Revolutionären Streitkräfte (FAR) zur eigentlichen wirtschaftlichen Macht des Landes gemacht hat. Auf der Straße deuten Kubaner auf die Schulterklappe einer Uniform, wenn sie von den "Verantwortlichen" sprechen – ein subtiler Code, der aus fast sieben Jahrzehnten Zensur gewachsen ist. Die Regierung oder die Kommunistische Partei werden selten erwähnt; stattdessen heißt es "die Führung des Landes". Dieses System, dessen Hauptquatier in einem unscheinbaren Gebäude an der Avenida del Puerto entlang der Havanna-Bucht residiert, ist eine Hydra mit einem parallelen Wirtschaftskreislauf, der Millionenreserven in Steueroasen hortet. US-Außenminister Marco Rubio hat den Finger direkt auf die Holding gelegt: "Kuba wird von GAESA kontrolliert." Der olivgrüne Konzern hat seine Tentakel in fast jeden Bereich der Wirtschaft ausgestreckt. Kubanischer Sarkasmus bringt es auf den Punkt: "Wenn es um Dollar geht, dann steckt GAESA dahinter." Das Portfolio reicht von Hotels, Transport und Bau über Groß- und Einzelhandel, Telekommunikation und Überweisungen bis hin zum Außenhandel und der Sonderentwicklungszone Mariel. Das Kronjuwel ist die Banco Financiero Internacional (BFI), die Kubas internationale Transaktionen abwickelt. Sie verwaltet die Konten des diplomatischen Personals, der Botschaften, ausländischer Unternehmen und die Einnahmen der medizinischen Missionen, die bis vor wenigen Jahren die wichtigste Devisenquelle des Staates waren. Die Existenz dieses militärischen Imperiums ist kein offenes Geheimnis, sondern ein Tabu. Niemand weiß, wer den Konzern leitet, seine Konten sind geheim. Weder hohe Regierungsbeamte noch Staatsmedien erwähnen ihn. Nicht einmal, nachdem die USA ihn zuletzt im Mai sanktioniert haben. Diese Sanktionen, die nach EL PAÍS vor allen spanische Unternehmen treffen sollen, die mit GAESA "handeln", sind mehr als nur eine diplomatische Geste. Sie sind eine Aufforderung zum Rückzug und könnten den Beginn einer fundamentalen Neuordnung der kubanischen Wirtschaft markieren. Geschäftskreise, die der Regierung nahestehen, vermuten ein klares Motiv: "Sie wollen das galizische Geschäft übernehmen", heißt es mit Blick auf die zahlreichen spanischen Hoteliers, deren Wurzeln in der nordwestspanischen Region Galizien liegen. Ein Szenario, das in Washington offenbar diskutiert wird: die Übernahme der Hotelindustrie durch US-Konzerne wie Marriott, Hilton, IHG oder Hyatt. Die Vorstellung ist nicht abwegig, denn GAESA besitzt die Immobilien. Im Fall einer von den USA forcierten wirtschaftlichen Öffnung könnten die Managementverträge mit den spanischen Ketten einseitig gekündigt und an die amerikanischen Giganten übertragen werden, die Millionen von Mitgliedern in ihren Bonusprogrammen auf die Insel locken könnten. Die Entwicklung hat bereits konkrete Züge angenommen. Am 21. Mai kündigte der kanadische Bergbaukonzern Sherritt International, der ein Joint Venture mit der kubanischen Regierung betrieb, eine unverbindliche Vereinbarung mit Gillon Capital an. Diese Firma, die mit einem ehemaligen Berater von Donald Trump verbunden ist, könnte einen 55-Prozent-Anteil an Sherritt erwerben. Der Entscheidung sollen Druckmittel der US-Behörden und die Drohung mit Sanktionen vorausgegangen sein. Die Botschaft an die spanischen Hotelketten ist unmissverständlich: Wer mit GAESA Geschäfte macht, muss mit Konsequenzen rechnen. GAESA wurde in den 1990er Jahren geboren, in den Trümmern des "Spezialperiode" genannten wirtschaftlichen Zusammenbruchs nach dem Zerfall der Sowjetunion. Fidel Castro öffnete die Wirtschaft widerstrebend, legalisierte den Dollar und ließ den Tourismus zu. Der Konzern sollte die Streitkräfte inmitten des wirtschaftlichen Kollapses finanzieren. Die schrittweise Übernahme großer Teile des Staatsapparats geschah, nachdem Raúl Castro, der ein halbes Jahrhundert lang Verteidigungsminister gewesen war, 2006 die Präsidentschaft übernahm. "GAESA war nicht mächtig", sagt Emilio Morales, Präsident der Havana Consulting Group in Miami gegenüber EL PAÍS. "Es hatte einen bescheidenen Marktanteil. Aber es spielte seine Macht aus, als es 2016 die BFI absorbierte, per Anordnung von Raúl Castro." Aus den kürzlich durchgesickerten Bilanzen des Konzerns, die der Miami Herald veröffentlichte, geht hervor, dass GAESA etwa 40 Prozent der gesamten kubanischen Wirtschaftsleistung kontrolliert. Der renommierte Ökonom Pavel Vidal, einst bei der kubanischen Zentralbank tätig, beschreibt das Unternehmen als eine von den politischen und zivilen Strukturen des Landes abgekoppelte Wirtschaft. "Es ist klar, wo die Einnahmen herkommen", sagt er zu EL PSAÍS. "Aber es ist nicht klar, was mit den Gewinnen geschieht." Die ehemalige Rechnungskontrolleurin Gladys Bejerano hatte eingeräumt, dass der Staat keine Gerichtsbarkeit habe, GAESA zu prüfen – und wurde kurze Zeit später entlassen. Der Aufstieg des Militärkonzerns ist auch in der Landschaft sichtbar: Große Luxushotels, die wie Fremdkörper neben verfallenen Gebäuden und mit Müll bedeckten Straßen wirken. Der diplomatischen Tauwetterperiode unter Barack Obama folgte eine Welle von Investitionen in riesige Fünf-Sterne-Komplexe. Selbst nach dem Wiederaufflammen der Feindseligkeiten unter der ersten Trump-Regierung baute GAESA weiter. 2024, dem letzten Jahr mit Jahresdaten, flossen fast 40 Prozent der staatlichen Investitionen in diesen Sektor – elffach mehr als in Bildung und Gesundheit zusammen. Für Emilio Morales hat GAESA den Gesellschaftsvertrag der kubanischen Revolution gebrochen: “Bevor es zu einem Kraken wurde, der alles verschlingt, was nach Dollar riecht, nahm Kuba den Menschen ihre Grundrechte im Austausch für die Befriedigung ihrer Bedürfnisse. Aber jetzt hat es sich von einem sozialistischen Staat in einen Mafastaat verwandelt”, zitiert ihn EL PAÍS abschließend.
Quelle: EL PAÍS (https://t1p.de/psw4i)
Autor: Leon Latozke
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