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Kuba erlebt eine der schwersten Wasserkrisen seiner jüngeren Geschichte. Mehr als drei Millionen Menschen sind betroffen, in manchen Regionen bleibt die Versorgung seit Monaten aus. Ursachen sind anhaltende Dürre, marode Infrastruktur und Stromausfälle.
18.10.2025 09:45 Uhr
Abbildung: LKW mit Trinkwasser in Havanna. Quelle: YouTube
Kuba derzeit vor einer der schwersten Wasserkrisen seiner jüngeren Geschichte. Wie die spanische Tageszeitung El País berichtet, sind mehr als drei Millionen Menschen auf der Insel sind von erheblichen Wasserengpässen betroffen, wobei einzelne Gemeinden im Osten Kubas bereits seit rund fünf Monaten ohne regelmäßige Versorgung auskommen müssen. Offizielle Stellen räumen ein, dass das Land eine „sehr komplexe Situation“ erlebt, die sowohl auf anhaltende Dürren als auch auf strukturelle Mängel in der Wasserinfrastruktur zurückzuführen ist.
Die Lage in der Hauptstadt Havanna ist exemplarisch für das landesweite Problem. Anwohner berichten, dass die Versorgung unregelmäßig erfolgt und oft tagelang völlig ausbleibt. Alberto, ein Bewohner des Vedado-Viertels, berichtete, dass er 42 Tage ohne Wasser zu Hause auskommen musste und gezwungen war, weite Strecken zu einer einzigen funktionierenden Zisterne zurückzulegen, um seine Behälter zu füllen. Die geringe Menge reichte lediglich für zwei Tage. Diese Situation zwingt viele Einwohner, ihren Alltag streng nach dem Rhythmus der Wasser- und Stromausfälle zu organisieren: Arbeiten, Kochen und Hygiene werden durch die Verfügbarkeit von Wasser bestimmt. In manchen Stadtteilen kommt es zu Protesten. So blockierte eine junge Frau mit ihrem Sohn die Monte-Straße in Havanna, um auf die fünfzehntägige Wasserunterbrechung aufmerksam zu machen. Sie erklärte gegenüber El PaísX, dass sie nicht einmal genug Wasser habe, um Medikamente einzunehmen. Gleichzeitig entstehen auf dem Schwarzmarkt Preise, die für die meisten Kubaner unbezahlbar sind: Ein Wassertankwagen kann bis zu 25.000 Pesos kosten, mehr als 55 US-Dollar. Viele sind deshalb auf Hilfe von Verwandten in anderen Stadtteilen angewiesen, um ihre Grundbedürfnisse zu sichern. Auch in Santiago de Cuba, der zweitgrößten Stadt des Landes, verschärft sich die Krise dramatisch. Laut lokalen Berichten erhalten die Bewohner dort Wasser derzeit nur alle 38 Tage, während einige Dörfer in der Region im Osten Kubas bereits seit rund fünf Monaten keinen regulären Zugang haben. Die Behörden geben an, dass das Problem landesweit mehr als drei Millionen Menschen betrifft, wovon allein die Hauptstadt Havanna etwa 156.725 Einwohner zählt. Die Ursachen der Wasserknappheit sind vielfältig und liegen sowohl im menschlichen als auch im natürlichen Bereich. Neben Dürren trägt insbesondere die marode Infrastruktur zu den Engpässen bei. Experten wie Jorge Piñón vom Energy Institute der University of Texas in Austin betonen, dass Kuba die Wasserinfrastruktur seit fast vier Jahrzehnten vernachlässigt habe. Pumpanlagen und Aquädukte seien stark beschädigt, Reparaturen müssten massiv ausfallen, um nachhaltig Wirkung zu zeigen. Der Wasserverlust in Havanna allein liegt laut offiziellen Angaben bei 40 bis 70 Prozent der gepumpten Menge – ein Indikator für den schlechten Zustand der Leitungen. Naturbedingte Faktoren verschärfen die Situation zusätzlich. Die Insel ist schmal und weist eine ungleichmäßige Verteilung der Regenfälle auf, wodurch das Wasser schnell in die Küstenregionen abfließt und während der Trockenzeiten Engpässe entstehen. Helena Solo-Gabriele von der University of Miami verweist zudem auf die mangelnde Instandhaltung von Reservoiren und Wasseraufbereitungsanlagen sowie auf häufige Stromausfälle, die den Betrieb von Pumpen behindern. Ein anschauliches Beispiel für die prekäre Lage ist der Zaza-Stausee im Zentrum Kubas, der bei einer Kapazität von 1,02 Milliarden Kubikmetern aktuell nur rund 106,4 Millionen Kubikmeter Wasser enthält. Insgesamt liegen die Wasserreserven des Landes derzeit rund 1,79 Milliarden Kubikmeter unter dem Durchschnitt, was etwa 900.000 Menschen betrifft. Piñón hebt hervor, dass die mangelnde Pflege und der schlechte Zustand der Stauseen sowie der Leitungen die Krise verschärfen. „Reservoirs sind nicht einfach Löcher im Boden, die man einmal baut und vergisst. Sie benötigen Schutz, Instandhaltung und Management. Das Versäumnis über Jahrzehnte hat das Problem enorm vergrößert“, erklärt er. Die kubanische Regierung hat zwar Investitionen in Höhe von etwa fünf Milliarden Pesos für mehr als 300 Wasserprojekte angekündigt, doch die Bevölkerung spürt bislang kaum Verbesserungen. Präsident Miguel Díaz-Canel hatte bereits im vergangenen Jahr eingeräumt, dass eine konkrete Lösung noch nicht absehbar sei, und dass es realistisch sei, erst im kommenden Jahr eine leicht bessere Situation zu erreichen. Die aktuelle Wasserkrise fügt sich in eine Reihe von Problemen ein, die den Alltag auf Kuba zunehmend erschweren. Stromausfälle, Mangel an Medikamenten und Nahrungsmitteln sowie die Wasserknappheit führen dazu, dass die Bevölkerung mit einer grundlegenden Einschränkung ihrer Lebensqualität konfrontiert ist. Nach Einschätzung von Fachleuten handelt es sich um eine Krise, die sich über Jahre aufgebaut hat und deren Behebung erhebliche Zeit und finanzielle Ressourcen erfordert. Die Lage auf der Insel zeigt, dass die infrastrukturelle Vernachlässigung in Kombination mit Umweltfaktoren das Leben der Kubaner massiv beeinträchtigt und die soziale Spannungen weiter verschärft.
Quelle: El País (https://t1p.de/ry7du)
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Text: Leon Latozke
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