Neues aus Kuba
|
18.05.2026 08:00 Uhr
Die französische CMA CGM und die deutsche Hapag-Lloyd haben alle Buchungen von und nach Kuba ausgesetzt. Nach Schätzung sind bis zu 60 Prozent des kubanischen Schiffsverkehrs bedroht.
Die wirtschaftliche Lage Kubas hat sich durch eine Entscheidung zweier globaler Schifffahrtsriesen weiter zugespitzt. Die französische Reederei CMA CGM und ihr deutscher Konkurrent Hapag-Lloyd haben angekündigt, ab sofort und auf unbestimmte Zeit keine Buchungen für Frachttransporte von und nach Kuba mehr anzunehmen. Beide Unternehmen begründen diesen Schritt mit einer am 1. Mai erlassenen Verfügung des US-Präsidenten, die bestehende Sanktionen gegen die Insel deutlich verschärft. Ein Sprecher von Hapag-Lloyd erklärte, die Aussetzung erfolge aufgrund von Compliance-Risiken, die mit jener Executive Order verbunden seien. CMA CGM teilte mit, man beobachte die Lage intensiv und werde die eigenen Operationen an die geltenden Vorschriften anpassen.
Die Folgen dieser Maßnahme sind für die bereits schwer angeschlagene kubanische Wirtschaft potenziell verheerend. Nach Informationen von zwei mit der Situation vertrauten Quellen gegenüber der Nachrichtenagentur REUTERS könnten durch die Aussetzung bis zu 60 Prozent des gesamten Frachtverkehrsvolumens der Insel zum Erliegen kommen. Kuba leidet ohnehin unter einer beispiellosen Versorgungskrise, die durch eine massive US-Ölblockade noch verschärft wird. Die Unterbrechung der Lieferketten trifft das Land in einem Moment, in dem die Regale in den Geschäften ohnehin chronisch leer sind und die Bevölkerung unter strenger Rationierung leidet. Experten zufolge wäre die Einstellung der Frachtdienste für die Versorgung mit lebensnotwendigen Importgütern ein schwerer Schlag. Besonders betroffen von den Entscheidungen wäre der Warenverkehr aus China, der für Kuba eine zentrale Rolle spielt. Auch die Handelsrouten aus Nordeuropa und dem Mittelmeerraum wären stark eingeschränkt. Ein maßgeblicher Faktor für die Zurückhaltung der Reedereien ist den Quellen zufolge die Furcht vor Verwicklungen mit dem umfangreichen Wirtschaftskonglomerat GAESA, das eng mit dem kubanischen Militär verbunden ist und bereits seit längerem unter US-Sanktionen steht. Die letzte Executive Order weitet die Sanktionen gezielt auf ausländische Akteure aus, die in Sektoren wie Energie, Verteidigung, Metallurgie, Bergbau oder Finanzdienstleistungen tätig sind – Bereiche, die in Kuba vielfach staatlich kontrolliert oder mit dem Militär verflochten sind. Die Anordnung der US-Regierung hatte bereits Anfang Mai den kanadischen Bergbaukonzern Sherritt International dazu bewogen, sich nach jahrzehntelangem Engagement aus seinen Nickel- und Kobaltminen in Kuba zurückzuziehen. Nun stehen auch die Schifffahrtsunternehmen vor einem Dilemma. Laut den REUTERS-Quellen stehen für Hapag-Lloyd und CMA CGM mehrere Optionen im Raum. Eine Möglichkeit wäre der vollständige und dauerhafte Rückzug vom kubanischen Markt. Alternativ könnten die Konzerne versuchen, eine Vereinbarung mit der Administration von Präsident Donald Trump zu treffen, die ihnen erlauben würde, weiterhin Waren zu transportieren – jedoch ausschließlich für den privaten Sektor der Insel. Ein solcher Schritt würde der erklärten Strategie von Trump entsprechen, die private Wirtschaft in Kuba gezielt zu fördern und gleichzeitig den staatlichen Sektor weiter auszutrocknen. Die kubanische Regierung hat sich zu den Vorgängen bislang nicht geäußert.
Quelle: REUTERS (https://t1p.de/gulsb)
Autor: Leon Latozke
Letzte Meldungen
0 Kommentare
Ihr Kommentar wird veröffentlicht, sobald er genehmigt ist.
Antwort hinterlassen |


RSS-Feed