Neues aus Kuba
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Die Trump-Administration strebt laut Berichten einen Regimewechsel in Kuba bis Ende 2026 an. US-Strategen prüfen mögliche interne Verbündete in Havanna, die einen Deal mit Washington eingehen könnten, während Kuba unter chronischem Treibstoffmangel und wirtschaftlicher Instabilität leidet. Präsident Díaz-Canel und Raúl Castro zeigen bisher keine Verhandlungsbereitschaft.
22.01.2026 07:52 Uhr
Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump verfolgt nach übereinstimmenden Medienberichten das Ziel, noch vor Jahresende einen politischen Umbruch in Kuba herbeizuführen. Wie das Wall Street Journal unter Berufung auf mit den Planungen vertraute US-Beamte berichtet, sucht Washington aktiv nach Ansprechpartnern innerhalb des kubanischen Machtapparates, die bereit sein könnten, an einem Ende der kommunistischen Herrschaft mitzuwirken. Ein konkreter Plan für einen Sturz der Regierung existiere zwar bislang nicht, doch die Einschätzung in Washington lautet: Die Führung in Havanna war seit Jahrzehnten nicht mehr so verwundbar.
Auslöser für den neuen Optimismus ist der jüngste Machtwechsel in Venezuela. Anfang Januar hatten US-Streitkräfte den langjährigen Präsidenten Nicolás Maduro festgesetzt und außer Landes gebracht. Der Erfolg dieser Operation, die offenbar durch einen Überläufer aus Maduros engstem Umfeld ermöglicht wurde, dient der Trump-Administration nun als Blaupause. In US-Regierungskreisen heißt es, man prüfe, ob sich ein ähnliches Szenario auch auf Kuba übertragen lasse. Hinzu kommt die angespannte wirtschaftliche Lage auf der Insel. US-Geheimdienste gehen davon aus, dass Kuba am Rande eines wirtschaftlichen Kollapses steht. Seit dem Wegfall Venezuelas als wichtigstem Öl- und Finanzlieferanten leidet das Land unter chronischem Treibstoffmangel, häufigen Stromausfällen sowie akuten Engpässen bei Lebensmitteln und Medikamenten. Schätzungen zufolge lebt ein Großteil der Bevölkerung inzwischen unterhalb der Armutsgrenze. Ökonomen warnen, dass die vorhandenen Ölreserven nur noch für wenige Wochen reichen könnten. Die US-Regierung setzt gezielt auf diesen Druck. Washington versucht, verbleibende Lieferungen venezolanischen Öls nach Kuba zu unterbinden und beschlagnahmt im Rahmen der Venezuela-Sanktionen auch Tanker mit entsprechenden Verbindungen. Präsident Trump machte den Kurs öffentlich deutlich: Auf seiner Plattform Truth Social kündigte er an, es werde „kein Öl und kein Geld mehr nach Kuba“ fließen, und forderte die Führung in Havanna auf, „einen Deal zu machen, bevor es zu spät ist“. Parallel dazu führen US-Vertreter Gespräche mit kubanischen Exilgruppen und zivilgesellschaftlichen Organisationen, vor allem in Miami und Washington. Ziel ist es, mögliche Vermittler oder Informanten mit Zugang zu den inneren Machtstrukturen Kubas zu identifizieren. Denkbar sei laut Wall Street Journal auch ein verhandelter Ausweg für die derzeitige Führung – eine Art „Abfahrrampe“, die insbesondere den 94-jährigen Raúl Castro sowie Präsident Miguel Díaz-Canel einbeziehen könnte. Innerhalb der US-Administration ist der Kurs jedoch umstritten. Hardliner, darunter einflussreiche Exilpolitiker aus Florida, drängen auf ein entschlossenes Vorgehen, um die fast 70-jährige Herrschaft der Kommunistischen Partei zu beenden. Andere verweisen auf die Geschichte gescheiterter US-Interventionen in Kuba – von der Invasion in der Schweinebucht bis hin zum seit 1962 bestehenden Handelsembargo, das die Regierung in Havanna bislang nicht zu Fall brachte. Zudem unterscheide sich Kuba strukturell deutlich von Venezuela: Während es dort über Jahre eine sichtbare Opposition, Protestbewegungen und formale Wahlen gab, ist Kuba ein strikt kontrollierter Einparteienstaat, der abweichende Meinungen systematisch unterdrückt. Die kubanische Führung zeigt sich bislang unnachgiebig. Präsident Díaz-Canel erklärte zuletzt, es könne „keine Kapitulation und kein Verständnis auf der Grundlage von Zwang oder Einschüchterung“ geben. Auch Raúl Castro gilt trotz seines formalen Rückzugs weiterhin als einflussreiche Figur im Hintergrund. Öffentliche Anzeichen für Verhandlungsbereitschaft sind bisher nicht erkennbar. Gleichwohl wächst der Druck auf Havanna – wirtschaftlich wie politisch. In Washington heißt es, ein Ende der Castro-Ära würde Trumps außenpolitisches Vermächtnis prägen und symbolisch an frühere, erfolglose Versuche anknüpfen, das kommunistische System auf Kuba zu überwinden. Ob die US-Strategie tatsächlich zu einem Machtwechsel führt oder das Land weiter in eine soziale und humanitäre Krise treibt, bleibt offen. Sicher ist nur: Kuba steht vor einer der kritischsten Phasen seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion.
Quelle: WSJ (https://t1p.de/na49n)
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