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Kuba warnt vor möglicher US-Intervention in Venezuela – Airlines stoppen Flüge nach Caracas23/11/2025
Kuba warnt vor einer möglichen militärischen Eskalation in Venezuela. Die Regierung in Havanna sieht in den verstärkten US-Operationen im Karibikraum ein erhebliches Sicherheitsrisiko für die Region und kritisiert Washingtons Vorgehen als politisch motiviert. Gleichzeitig führen neue Warnungen der US-Luftfahrtbehörde FAA zu zahlreichen Flugstreichungen internationaler Airlines.
Die kubanische Regierung hat ihre Warnungen vor einer möglichen militärischen Eskalation in Venezuela deutlich verschärft. Auslöser sind verstärkte amerikanische Marine- und Luftoperationen im Karibikraum sowie neue Sicherheitswarnungen für Fluggesellschaften. Havanna sieht die Stabilität der Region gefährdet und wirft Washington vor, den Antidrogenkampf als Vorwand für politische Ziele zu nutzen.
Der kubanische Vizeaußenminister Carlos Fernández de Cossío erklärte, die Gefahr einer „militärischen und terroristischen Aggression“ gegen Venezuela nehme spürbar zu. Ziel der USA sei es, die Regierung von Nicolás Maduro „mit Gewalt zu stürzen“. Die aktuelle Lage sei ein Angriff auf „Nuestra América“, also die politischen und historischen Errungenschaften Lateinamerikas. Die Äußerungen markieren eine weitere Verschärfung des Tons zwischen Havanna und Washington, nachdem die USA seit September verstärkte militärische Aktivitäten im südlichen Karibikraum durchführen. Nach offiziellen Angaben richtet sich der Einsatz gegen den Drogenhandel. US-Einheiten haben in den vergangenen Wochen mehrfach Boote bombardiert, die mutmaßlich für den Transport illegaler Substanzen genutzt wurden. Medienberichte sprechen von mehr als 80 Toten bei Operationen im Karibikraum und im Pazifik. Die amerikanische Regierung betont, es handle sich um notwendige Maßnahmen gegen transnationale kriminelle Netzwerke. Kritiker – darunter das kubanische Außenministerium – sehen dagegen eine politische Strategie, mit der die USA den Druck auf Caracas erhöhen wollen. Die wachsende Unsicherheit im venezolanischen Luftraum hat inzwischen direkte Auswirkungen auf internationale Flugverbindungen. Nach einer Warnung der US-Luftfahrtbehörde FAA, die auf eine „potenziell gefährliche Situation“ in der Region hinweist, setzten mehrere große Airlines ihre Verbindungen nach Venezuela aus. Iberia strich als erste europäische Fluggesellschaft ihre fünf wöchentlichen Flüge; TAP stoppte Verbindungen aus Portugal. Auch in Lateinamerika kam es zu Ausfällen: Avianca setzte ihre Routen zwischen Bogotá und Caracas aus, während andere Anbieter die Lage beobachten. Die FAA-Warnung verweist explizit auf die US-Militärpräsenz vor der venezolanischen Küste. Washington hat in den vergangenen drei Monaten Schiffe und Flugzeuge in der Region stationiert, offiziell zur „Unterstützung internationaler Sicherheitsbemühungen“. Caracas bezeichnet das Vorgehen als Teil einer „aggressiven Strategie“ gegen die Regierung Maduro. Der venezolanische Verteidigungsminister Vladimir Padrino erklärte in einer TV-Ansprache, „kein aeronavaler Einsatz“ werde die Souveränität Venezuelas gefährden. Die US-Manöver in Trinidad und Tobago, nur wenige Kilometer vor der venezolanischen Küste, würden von Caracas als „Provokation“ bewertet. Kuba gehört zu den engsten politischen Verbündeten Venezuelas und reagiert besonders sensibel auf jede Form externer Einmischung. Außenminister Bruno Rodríguez kritisierte erneut, die USA instrumentalisierten den Drogenhandel zur Rechtfertigung militärischer Maßnahmen. Es sei „legitim und notwendig“, gegen illegale Drogenstrukturen vorzugehen, nicht jedoch, diese als Argument für Angriffe auf einen souveränen Staat zu verwenden. Rodríguez verwies darauf, dass ein Großteil der Finanzströme des internationalen Drogenhandels in den USA gewaschen werde, und machte die amerikanische Waffenindustrie für die Ausbreitung krimineller Netzwerke in der Region mitverantwortlich. Havanna betont, Lateinamerika und die Karibik seien „nicht der Hinterhof“ der USA. Der Konflikt um Venezuela zeige, wie fragil die sicherheitspolitische Lage in der Region geworden sei. Die kubanische Regierung warnt seit Monaten, die zunehmenden Spannungen könnten in eine offene Konfrontation münden. Zugleich bekräftigte Präsident Miguel Díaz-Canel in einem Schreiben an Maduro – veröffentlicht anlässlich von dessen Geburtstag –, dass Venezuela Unterstützung aus befreundeten Staaten erwarten könne. Auch Russland, China, Nicaragua und Weißrussland versicherten Caracas zuletzt ihre Solidarität. Ob die aktuelle Entwicklung zu einer weiteren Eskalation führt, hängt nach Einschätzung regionaler Beobachter vor allem von der Frage ab, ob die USA ihre militärische Präsenz ausweiten – und wie Caracas darauf reagiert. Für Kuba steht fest, dass die Situation über den bilateralen Konflikt hinausreicht. Havanna sieht in den jüngsten Ereignissen ein Symptom einer historischen Machtfrage: Wer bestimmt die politische Ordnung im karibischen Raum – und mit welchen Mitteln?
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Text: Leon Latozke
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