Neues aus Kuba
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Havanna erlebt derzeit lange Warteschlangen vor Tankstellen – eine direkte Folge des abrupten Endes der Öl-Lieferungen aus Venezuela. Rund 30 Prozent des kubanischen Energiebedarfs fallen dadurch weg, staatliche Reserven reichen nicht aus, um die Lücke kurzfristig zu schließen.
24.01.2026 07:40 Uhr
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Havanna erlebt derzeit die Rückkehr eines altbekannten Phänomens: lange Warteschlangen vor Tankstellen. Anders als in früheren Krisen handelt es sich diesmal jedoch nicht um „Geisterschlangen“, die tageweise auf die Ankunft eines Tankwagens warten. Die aktuellen Warteschlangen spiegeln die Unsicherheit wider, die durch den abrupten Stopp der Öl-Lieferungen aus Venezuela entstanden ist.
Schätzungen zufolge deckte venezolanisches Öl im Jahr 2025 rund 30 Prozent des kubanischen Energiebedarfs. Mit dem Wegfall dieser Lieferungen entsteht eine Versorgungslücke, die der kubanische Staat mangels Devisen und finanzieller Mittel kurzfristig nicht ausgleichen kann. Die Folgen sind sichtbar: Fahrzeuge stauen sich vor Tankstellen, Menschen warten unter der Sonne Havannas, um noch Benzin zu erhalten. Für viele Einwohner wird die Lage zunehmend existenziell, da inländisches Öl häufig von minderer Qualität ist und nur begrenzt nutzbar. Die Auswirkungen betreffen nicht alle Kubaner gleichermaßen. Der Staat hat im vergangenen Jahr zahlreiche Tankstellen auf US-Dollar-Basis umgestellt, um Einnahmeverluste aus dem sinkenden Tourismus und zurückgehenden Überweisungen aus dem Ausland auszugleichen. Die Versorgung dieser Dollar-Tankstellen wird priorisiert, während Tankstellen, die noch kubanische Pesos akzeptieren, häufig leer bleiben. Viele Kubaner sehen sich gezwungen, Devisen über den Schwarzmarkt zu beschaffen, um Kraftstoff zu erwerben. Die ökonomischen Folgen des Lieferstopps werden als erheblich eingeschätzt. Nach Angaben des kubanischen Ökonomen Miguel Alejandro Hayes könnte der Wegfall des venezolanischen Öls das kubanische Bruttoinlandsprodukt um bis zu 27 Prozent reduzieren. Parallel dazu werden Lebensmittelpreise voraussichtlich um rund 60 Prozent steigen, die Transportkosten um bis zu 75 Prozent. Die begrenzten staatlichen Mittel für den Import von Öl aus anderen Quellen machen eine kurzfristige Schließung der Versorgungslücke unwahrscheinlich. Viele Kubaner reagieren mit Vorsorge. Einige lagern Benzin zu Hause, um Engpässe zu überbrücken. Andere nutzen die staatliche App „Ticket“ zur Verwaltung von Warteschlangen an Tankstellen – deren Wartezeiten in Havanna können jedoch bis zu zwei Monate betragen. Politisch ist der Lieferstopp eng mit der Situation in Venezuela verbunden. Der jüngste US-Militäreinsatz am 3. Januar hat die Besorgnis über mögliche Unterbrechungen der Lieferketten verstärkt. Kubanerinnen und Kubaner beobachten die Entwicklungen aufmerksam, da die Abhängigkeit von venezolanischem Öl die Insel verwundbar gegenüber externen Schocks macht. Die aktuelle Krise verdeutlicht strukturelle Probleme der kubanischen Energieversorgung. Das Land ist stark auf externe Quellen angewiesen, verfügt jedoch nur begrenzte Möglichkeiten, alternative Lieferanten zu erschließen. Kurzfristig bleibt die zentrale Herausforderung, die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Langfristig erfordert die Situation Reformen im Energiesektor und eine Diversifizierung der Importe, um die Abhängigkeit von einzelnen Partnern zu reduzieren.
Quelle: El Nacional/EFE (https://t1p.de/yy8o1)
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