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Kuba hat jede Verbindung zum internationalen Drogenhandel zurückgewiesen und gleichzeitig die fortlaufende Zusammenarbeit mit den USA bei der Bekämpfung des Schmuggels hervorgehoben. In einer seltenen Pressekonferenz betonten Innen- und Justizministerium ihrer Null Toleranz-Politik und warnten vor der wachsenden US-Militärpräsenz im Karibikraum.
05.12.2025 07:24 Uhr
Abbildung: Das KI-generierte Symbolbild zeigt keine reale Szene.
In einer seltenen Pressekonferenz hat die kubanische Regierung am Donnerstag (4.) jede Verbindung zum internationalen Drogenhandel entschieden bestritten und gleichzeitig auf ihre fortbestehende Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten hingewiesen. Vertreter des Innen- und Justizministeriums erklärten in Havanna, dass die bilaterale Kooperation zur Drogenbekämpfung, geregelt durch ein Abkommen von 2016, weiterhin funktioniere – ungeachtet der politischen Spannungen im Karibikraum.
Zentrale Botschaft der Behörden war die klare Zurückweisung der These, Kuba sei ein Produktions- oder Transitland für illegale Substanzen. Die Regierung verfolge weiterhin strikt ihre Null-Toleranz-Politik. Oberst Juan Carlos Poey, Leiter des spezialisierten Antidrogenorgans im Innenministerium, nutzte die Gelegenheit, um Kritik an dem verstärkten US-Militäraufmarsch im Karibischen Meer zu üben. Washington führt diesen offiziell als Maßnahme im Kampf gegen den Drogenschmuggel, operiert jedoch in unmittelbarer Nähe Venezuelas. Laut Poey wertet Havanna diese Präsenz als „ernsthafte Bedrohung für Sicherheit und Souveränität“. Poey verwies zudem auf einen Wandel im Drogenangebot: In Kuba breiteten sich vor allem synthetische Drogen aus, deren Ursprung nach Angaben der Behörden überwiegend in den USA liege. Gleichzeitig nehmen Konsum und Verfügbarkeit zu, besonders unter jüngeren Bevölkerungsgruppen. Genaue Daten nennt die Regierung nicht; sie räumt jedoch ein, dass der Konsum stärker ins öffentliche Bewusstsein rückt. Für die sicherheitspolitischen Beziehungen zwischen Havanna und Washington ist der fortgesetzte Informationsaustausch von besonderer Bedeutung. Erster Oberst Ybey Carballo, Chef des Stabs der Grenztruppen, bestätigte, dass kubanische und US-Behörden weiterhin operative Daten miteinander teilen. Kuba übermittle Echtzeitinformationen zu verdächtigen Booten, darunter Position, Kurs, technische Merkmale und Besatzungsgröße. Die US-Küstenwache erkenne diese Unterstützung ausdrücklich an, so Carballo. Nach Angaben der Behörden wurden allein in diesem Jahr mehr als zwei Tonnen Drogen auf der Insel sichergestellt. Parallel dazu verfolgt die Regierung einen repressiven Kurs gegen den innerkubanischen Drogenmarkt. Drogenkriminalität werde als Frage der öffentlichen Ordnung behandelt. Mehrere „exemplarische Prozesse“ sollen die Entschlossenheit des Staates betonen; in mindestens einem Fall wurde eine 15-jährige Haftstrafe wegen Besitzes und Verkaufs geringer Mengen verhängt. Justizminister Oscar Silvera, zugleich Vorsitzender der Nationalen Drogenkommission, erklärte, dass Prävention der zentrale Bestandteil der staatlichen Strategie bleibe. Ziel sei es, Kuba weder zu einem Produktions- noch zu einem Transitland werden zu lassen. Die kubanischen Erklärungen erfolgen vor dem Hintergrund wachsender geopolitischer Spannungen. Die USA beschuldigen Venezuelas Präsident Nicolás Maduro, mit dem mutmaßlichen Kartell „Cartel de los Soles“ in Verbindung zu stehen. Seit September operieren US-Marine- und Lufteinheiten verstärkt im Karibikraum. Washington meldet den Beschuss und die Zerstörung zahlreicher mutmaßlicher Schmugglerboote sowie den Tod von mehr als 80 Personen. Havanna, traditionell enger Verbündeter Venezuelas, kritisiert diese Einsätze als „rechtlich und moralisch nicht haltbar“ und warnt vor einer möglichen militärischen Eskalation. Zuletzt drohte Präsident Donald Trump mit einer vollständigen Schließung des venezolanischen Luftraums. Mit der Pressekonferenz wollte die kubanische Führung offenbar mehrere Ziele zugleich erreichen: Sie versucht, den wachsenden internationalen Spekulationen über mögliche Verbindungen zum Drogenhandel entgegenzutreten, die eigene innenpolitische Härte zu demonstrieren und zugleich ihre sicherheitspolitische Kooperation mit den USA hervorzuheben. Damit positioniert sich Kuba in einem geopolitischen Umfeld, das zunehmend von Rivalität zwischen Washington und Caracas geprägt ist. Der Balanceakt zwischen politischer Loyalität gegenüber Venezuela, innenpolitischer Kontrolle und punktueller Zusammenarbeit mit den USA bleibt für Havanna ein schwieriges Terrain. Die jüngsten Aussagen verdeutlichen jedoch, dass die kubanische Regierung an der bestehenden sicherheitspolitischen Kommunikation mit Washington festhalten will – auch in einer Phase wachsender Spannungen im Karibikraum.
Quelle: REUTERS (https://t1p.de/ngpgv)
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