Neues aus Kuba
Aktuelle Nachrichten und Meldungen, Analysen und Hintergrundinformationen
|
Die kubanische Regierung hat Vorwürfe aus den USA zurückgewiesen, Kuba unterstütze Russland im Ukrainekrieg aktiv. Gleichzeitig räumt Havanna ein, dass sich einzelne kubanische Staatsbürger „auf eigene Faust“ oder über ausländische Organisationen beiden Kriegsparteien angeschlossen haben – ohne Wissen oder Zustimmung des Staates.
12.10.2025 07:47 Uhr
![]()
Die kubanische Regierung hat Anschuldigungen aus den Vereinigten Staaten entschieden zurückgewiesen, wonach sie aktiv an der Seite Russlands im Ukrainekrieg beteiligt sei. In einer am Samstag veröffentlichten Erklärung bekräftigte das Außenministerium in Havanna, Kuba habe „keinerlei Rolle in dem Konflikt“ und entsende „weder Truppen noch militärisches Personal in die Ukraine oder in andere Länder“.
Zugleich räumte die Regierung ein, dass sich kubanische Staatsbürger „auf eigene Faust“ oder über Organisationen ohne Verbindung zum Staat beiden Kriegsparteien angeschlossen hätten. Diese Personen handelten ohne „Zustimmung, Unterstützung oder Kenntnis“ der kubanischen Behörden, hieß es in der Mitteilung. Hintergrund der Stellungnahme ist ein internes Schreiben des US-Außenministeriums, über das die Nachrichtenagentur Reuters berichtete. Darin wird Kuba vorgeworfen, „aktiv“ an der Seite Moskaus zu stehen und bis zu 5.000 Kämpfer für russische Streitkräfte bereitzustellen. Die kubanische Regierung bezeichnete diese Behauptungen als „verleumderisch und unbegründet“ und sprach von einer „neuen Kampagne“ Washingtons gegen die Insel. Das Außenministerium erklärte, die Rekrutierung kubanischer Staatsbürger erfolge über Netzwerke im Ausland, nicht innerhalb Kubas. Betroffen seien vor allem Kubaner, die sich dauerhaft oder vorübergehend in anderen Ländern aufhielten. „In der überwiegenden Mehrheit handelt es sich um Rekrutierungen außerhalb unseres Staatsgebiets, ähnlich wie bei vielen anderen Nationalitäten“, heißt es in der Erklärung. Konkrete Zahlen über die Beteiligten lägen der Regierung nach eigenen Angaben nicht vor. Kuba betonte zudem seine „Politik der Nulltoleranz gegenüber Söldnertum, Menschenhandel und der Beteiligung kubanischer Staatsangehöriger an bewaffneten Konflikten in anderen Ländern“. Seit 2023 seien neun Verfahren wegen des Delikts „Söldnertum“ eingeleitet worden. In acht Fällen habe es Anklagen gegeben, 26 Personen seien bereits zu Haftstrafen zwischen fünf und 14 Jahren verurteilt worden. Weitere Prozesse seien noch anhängig. Die Vorwürfe aus Washington stehen in zeitlichem Zusammenhang mit der bevorstehenden Abstimmung über Kubas jährlich eingebrachte Resolution bei den Vereinten Nationen, die die Aufhebung des US-Embargos fordert. Havanna beschuldigt die Vereinigten Staaten, Druck auf andere Staaten auszuüben, um deren Zustimmung zu dieser Resolution zu verhindern. Bereits im Mai hatten die „Asamblea de la Resistencia Cubana“ und der ukrainische Abgeordnete Maryan Zablotskyy in Miami erklärt, Russland habe bis zu 20.000 Kubaner für den Krieg gegen die Ukraine angeworben. Nach Angaben des ukrainischen Verteidigungsministeriums sollen zwischen Juni 2023 und Februar 2024 über 1.000 Kubaner formelle Verträge mit den russischen Streitkräften unterzeichnet haben. Demnach seien zwischen 200 und 300 von ihnen im Kampf gefallen. Offiziell weist Havanna diese Zahlen zurück. Präsident Miguel Díaz-Canel reagierte auf die US-Vorwürfe mit scharfen Worten. Auf der Plattform X schrieb er, die Vereinigten Staaten verbreiteten „Lügen ohne jeden Beweis“, um eine „neue Kampagne gegen Kuba“ zu rechtfertigen. Washington könne keine einzige glaubwürdige Quelle vorlegen, die eine Beteiligung Kubas an der russischen Invasion belege. Die kubanische Führung bemüht sich, den Eindruck einer aktiven Parteinahme für Russland zu vermeiden. Bereits 2023 hatte das Außenministerium erklärt, man habe eine Rekrutierungszelle auf der Insel zerschlagen, die im Auftrag ausländischer Akteure junge Kubaner für den Krieg in der Ukraine anwarb. Mehrere Personen wurden damals festgenommen und später verurteilt. Für Havanna steht viel auf dem Spiel. Eine tatsächliche oder vermeintliche militärische Kooperation mit Russland könnte die ohnehin angespannten Beziehungen zu den Vereinigten Staaten weiter belasten und die Bemühungen um eine Lockerung der US-Sanktionen erschweren. Gleichzeitig versucht die Regierung, das Bild eines souveränen Staates aufrechtzuerhalten, der internationale Verpflichtungen respektiert und gegen illegale Aktivitäten seiner Bürger vorgeht. „Keiner der Beteiligten handelt mit Zustimmung oder im Auftrag des kubanischen Staates“, heißt es in der Erklärung des Außenministeriums. Wie viele Kubaner tatsächlich im Ukrainekrieg kämpfen, bleibt unklar. Zwischen offiziellen Dementis, widersprüchlichen Zahlen und politischen Interessen bleibt der Fall ein weiteres Beispiel für die außenpolitischen Spannungen, in denen Kuba zunehmend zwischen Moskau, Washington und Kiew gerät
Quelle: MINREX (https://t1p.de/e4ino)
Anzeige (G2)
|
|
Letzte Meldungen
Text: Leon Latozke
Anzeige (G1)
(adsbygoogle = window.adsbygoogle || []).push({});
0 Kommentare
Ihr Kommentar wird veröffentlicht, sobald er genehmigt ist.
Antwort hinterlassen |
|
|
| Anzeige (G3) |