Neues aus Kuba
Aktuelle Nachrichten und Meldungen, Analysen und Hintergrundinformationen
|
Kuba will 2026 doppelt so viel Reis anbauen wie im Vorjahr. Doch trotz ehrgeiziger Pläne, internationaler Kooperationen und technischer Modernisierung bleibt die Herausforderung enorm: Treibstoffmangel, fehlende Betriebsmittel und strukturelle Schwächen gefährden das Ziel, die chronische Abhängigkeit von teuren Lebensmittelimporten zu verringern.
16.10 2025 07:22 Uhr
Abbildung: Das KI-generierte Symbolbild zeigt keine reale Szene.
Kuba plant, im kommenden Jahr 200.000 Hektar Reis anzubauen – doppelt so viel wie 2025. Das ehrgeizige Programm, das in 14 Provinzen, 133 Gemeinden und mit Beteiligung von rund 23.000 Produzenten umgesetzt werden soll, gilt als eine der Prioritäten der Regierung in Havanna. Ziel ist es, die Abhängigkeit von teuren Nahrungsmitteleinfuhren zu verringern und die nationale Selbstversorgung mit Grundnahrungsmitteln zu stärken.
Nach Angaben von Orlando Linares Morel, Präsident der Landwirtschaftsgruppe des Ministeriums für Landwirtschaft, soll das Programm im November beginnen, sobald die verfügbaren Wassermengen feststehen. Große landwirtschaftliche Betriebe und spezialisierte Zentren in den Provinzen Pinar del Río, Villa Clara, Sancti Spíritus, Camagüey und Granma werden die Hälfte der geplanten Anbaufläche bewirtschaften. Die übrigen 100.000 Hektar sind für sogenannte Volksreis-Projekte vorgesehen, an denen sich Privatpersonen beteiligen können – sei es für den Eigenverbrauch oder für den Verkauf an den Staat. Das Programm wird sowohl mit nationalem Saatgut als auch mit Unterstützung aus Vietnam durchgeführt. Das südostasiatische Land, das über jahrzehntelange Erfahrung im Reisanbau verfügt, liefert nicht nur eigenes Saatgut, sondern ist über ein Joint Venture auch direkt in der Produktion auf der Insel aktiv. Das vietnamesische Unternehmen ist seit 1959 die erste ausländische Firma, die in Kuba Land für den Reisanbau bewirtschaften darf. Seine bisherige Ernte umfasste 1.000 Hektar – rund 3,3 Prozent der im Jahr 2023 bestellten Gesamtfläche. Um die ambitionierten Ziele zu erreichen, sieht die Regierung Maßnahmen zur besseren Treibstoffversorgung und Finanzierung vor. Bis zu 70 Prozent des benötigten Kraftstoffs sollen direkt bereitgestellt werden, weitere Anteile per Kreditkarte oder in US-Dollar. Die Bezahlung spezialisierter Produzenten soll künftig bar erfolgen, um den Geldfluss in der Branche zu sichern. Zusätzlich sollen Einnahmen aus Devisenverkäufen an den Tourismussektor teilweise in den Reisanbau zurückgeführt werden – vor allem, um dringend benötigte Ersatzteile, Reifen und landwirtschaftliche Geräte zu beschaffen. Auch technologische Modernisierung steht auf der Agenda: Die Behörden setzen auf Drohnen für landwirtschaftliche Überwachung und Bewässerung, die Wiederherstellung von Flugzeugen für Pflanzenschutzmaßnahmen und die Umgestaltung von Feldern, um die Produktivität zu steigern und den Wasserverbrauch zu senken. Etwa 30.000 Hektar der geplanten Anbaufläche sollen zudem durch gezielte Investitionen aufgewertet werden. Trotz dieser Pläne bleibt die Herausforderung gewaltig. 2024 erntete Kuba lediglich 80.000 Tonnen Reis – rund elf Prozent des jährlichen Bedarfs und nur ein Drittel des Produktionsniveaus von 2018, als 304.000 Tonnen erzielt wurden. Die Ursachen für den drastischen Rückgang liegen nach Angaben der Behörden in Treibstoff- und Düngemittelknappheit, mangelnden Betriebsmitteln und der anhaltenden Wirtschaftskrise. Um die Grundversorgung aufrechtzuerhalten, muss die Regierung derzeit den gesamten für die Rationierungskarte bestimmten Reis importieren. Insgesamt werden etwa 80 Prozent der in Kuba konsumierten Lebensmittel aus dem Ausland bezogen. Das belastet den Staatshaushalt erheblich: Jährlich fließen rund 1,6 Milliarden US-Dollar in Lebensmittelimporte für die subventionierte Grundversorgung und etwa 2 Milliarden US-Dollar in Energieimporte. Die massive Importabhängigkeit, die sinkenden Deviseneinnahmen durch Tourismus und Rücküberweisungen sowie strukturelle Probleme der sozialistischen Planwirtschaft haben die landwirtschaftliche Produktion in den vergangenen Jahren schwer beeinträchtigt. Zwar verabschiedete die Regierung 2022 ein Gesetz zur Ernährungssicherheit, doch die Umsetzung stockt. Mit der Verdopplung der Anbaufläche setzt Havanna ein politisches Signal – und einen Hoffnungsschimmer für eine Branche, die seit Jahren unter Ressourcenmangel und ineffizienten Strukturen leidet. Ob der ambitionierte Plan gelingt, hängt jedoch weniger von den Beschlüssen auf Papier ab, als von der Fähigkeit, Treibstoff, Maschinen und Anreize für die Produzenten tatsächlich bereitzustellen.
Quelle: Granma (https://t1p.de/wz6xa)
Anzeige (G2)
|
|
Letzte Meldungen
Text: Leon Latozke
Anzeige (G1)
(adsbygoogle = window.adsbygoogle || []).push({});
0 Kommentare
Ihr Kommentar wird veröffentlicht, sobald er genehmigt ist.
Antwort hinterlassen |
|
|
| Anzeige (G3) |