Neues aus Kuba
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13.04.2026 09:00 Uhr
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Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel hat sich in einem US-Interview für amerikanische Investitionen in die Öl-Förderung offen gezeigt. Die überraschende Ankündigung erfolgt vor dem Hintergrund einer schweren Energiekrise, nachdem Lieferungen aus Venezuela und Mexiko weggebrochen sind.
Abbildung: Symbolbild/Screenshot. Bildquelle: Cuban leader does not commit to releasing political prisoners amid U.S. demands. Rechte beim Uploadenden.
Inmitten einer beispiellosen Energiekrise zeigt sich Kubas Staatschef Miguel Díaz-Canel gegenüber den Vereinigten Staaten in einer seltenen Doppelrolle: als werbender Wirtschaftspartner und zugleich als militärischer Hardliner. In einem Interview mit NBCs „Meet the Press“ erklärte der Präsident die Insel für Investitionen US-amerikanischer Konzerne in die Ölexploration und -förderung für offen. „Wir erkunden neue Vorkommen und sind offen für ausländische Investitionen in Kuba in den Bereichen Exploration und Bohrungen“, so Díaz-Canel. „Kuba wird amerikanische Unternehmen gerne willkommen heißen, die kommen und sich beteiligen wollen.“ Diese versöhnliche Geste steht jedoch in scharfem Kontrast zu einer gleichzeitigen, unmissverständlichen Drohung: Sollte es zu einer militärischen Invasion kommen, werde das Land mit einer totalen Mobilmachung von Streitkräften und Bevölkerung reagieren.
Diese ambivalente Botschaft fällt in eine Zeit extremen Drucks. Kubas Energiesystem steht am Rande des Kollapses. Die heimische Förderung liegt bei lediglich etwa 40.000 Barrel pro Tag, während der Bedarf zwischen 90.000 und 110.000 Barrel täglich liegt. Dieses strukturelle Defizit hat sich Anfang des Jahres 2026 katastrophal verschärft. Die Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro im Januar beendete abrupt die seit zwei Jahrzehnten laufende Lieferung von 25.000 bis 35.000 Barrel pro Tag aus Caracas. Kurz darauf setzte Mexiko auf Druck Washingtons seine Lieferungen aus. Den finalen Schlag versetzte eine Exekutivverordnung von Präsident Donald Trump vom 29. Januar 2026, die die kubanische Regierung zur „außerordentlichen Bedrohung“ erklärte und Zölle auf Drittstaaten verhängte, die Öl nach Kuba liefern. Trotzdem gewährte die US-Administration Ende März eine Ausnahmegenehmigung für die Lieferung von rund 730.000 Barrel russischen Rohöls. Trump begründete diesen Schritt damit, das Öl „das kubanische Volk brauche“. Doch wie Díaz-Canel in dem Interview einräumte, deckt diese einmalige Lieferung kaum ein Drittel des monatlichen Bedarfs. Die Regierung sehe sich daher gezwungen, eine „Strategie des Energiewandels“ zu verfolgen, die auf erneuerbare Quellen und Energieeinsparung setzt. Vor diesem Hintergrund gewinnt das Angebot an US-Ölfirmen eine existentielle Dimension. Parallel zu diesen wirtschaftlichen Signalen laufen diplomatische Gespräche, die am 13. März 2026 offiziell bestätigt wurden. Seither hat das Regime mindestens 20 von der Organisation Justicia 11J bestätigte politische Gefangene freigelassen und am 2. April ein Begnadigungsdekret für 2.010 Inhaftierte erlassen. Menschenrechtsorganisationen wie Prisoners Defenders und Human Rights Watch kritisieren jedoch, dass sich unter den Begnadigten fast keine politischen Gefangenen befänden. Zudem signalisierte Havanna die Bereitschaft, die Wirtschaft für Investitionen von im Ausland lebenden Kubanern zu öffnen. Díaz-Canel wies jedoch entschieden zurück, dass die USA im Gegenzug für wirtschaftliche Zugeständnisse konkrete politische Forderungen gestellt hätten. Er bestritt, mit Außenminister Marco Rubio gesprochen zu haben, und verwahrte sich dagegen, dass Washington die Freilassung politischer Gefangener, die Abhaltung von Mehrparteienwahlen oder die Anerkennung freier Gewerkschaften und einer unabhängigen Presse eingefordert habe. Rubio seinerseits hat jegliche wirtschaftliche Erleichterung von einem vollständigen Systemwechsel auf der Insel abhängig gemacht. Trump und seine Verbündeten streben offenbar einen Ersatz für Díaz-Canel an, den sie für unfähig halten, einen politischen und wirtschaftlichen Übergang zu führen – ein Schicksal, das ihn nach Maduro zum zweiten lateinamerikanischen Führer machen würde, der von der Trump-Administration verdrängt wird. Auf diese existenzielle Bedrohung antwortet Díaz-Canel mit der Doktrin des „Krieges des ganzen Volkes“. „Es gibt keinen Feind, der nicht besiegt werden kann“, erklärte er und fügte hinzu: „Jeder kubanische Mann und jede kubanische Frau hat eine Mission, einen Zweck, einen Ort, den es zu verteidigen gilt, und sie werden ihren eigenen Platz in der Verteidigung haben.“ Damit zieht der Präsident eine klare Linie: Während die Tür für US-Kapital im Ölsektor einen Spalt offensteht, bleibt sie für politische Einmischung verriegelt. Die kubanische Führung scheint bereit, wirtschaftliche Pragmatik zu zeigen, um das Regime zu stabilisieren, ohne von ihrem machtpolitischen Kurs abzurücken. Ob diese Gratwanderung angesichts des enormen inneren Drucks durch die Energiekrise und des unverminderten äußeren Drucks aus Washington gelingen kann, bleibt die entscheidende Frage für die Zukunft der Insel.
Quelle: NBC/YouTube
Autor: Leon Latozke
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