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19.08.2026 08:00 Uhr
Kubaner aus ganz Europa treffen sich am 23. und 24. Oktober in Frankreich. Im Mittelpunkt stehen Havannas neue Staatsbürgerschafts- und Migrationsgesetze, die Anfang November in Kraft treten, sowie das im Juni verabschiedete Reformpaket mit 176 Maßnahmen.
Die Koordinierungsstelle der in Frankreich lebenden Kubaner hat für den 23. und 24. Oktober zum 18. Treffen der in Europa lebenden Kubaner (XVIII Encuentro de Cubanos Residentes en Europa - ECRE) eingeladen. Austragungsort ist die Region Île-de-France; einen konkreten Veranstaltungsort nannte die Organisation in ihrer Ankündigung an die Nachrichtenagentur Prensa Latina noch nicht.
Die Veranstalter heben zwei Jubiläen hervor: Das Treffen fällt in das Jahr des 100. Geburtstags von Fidel Castro, den Kuba am 13. August beging, und es liegen zwei Jahrzehnte zwischen der aktuellen und der ersten Zusammenkunft, die ebenfalls in Paris stattfand. Man werde bei diesem Rückblick das Bekenntnis erneuern, die Kräfte für Kuba zu bündeln, heißt es in der Einladung. Der Aufruf endet mit einem Verweis auf José Martís Formel vom Vaterland „mit allen und zum Wohle aller". Inhaltlich stehen zwei Gesetzespakete im Mittelpunkt: die neuen Regelungen zu Staatsbürgerschaft und Migration sowie die im Juni verabschiedeten Wirtschaftsreformen. Beide betreffen die Auslandskubaner unmittelbar. Daneben nennt die Tagesordnung die Beteiligung der Emigration an der wirtschaftlichen Entwicklung der Insel und die Rolle der Jugend bei der Bewahrung kubanischer Wurzeln. Neue Gesetze unter verschärften Sanktionen
Die Gesetze zu Migration, Ausländerrecht und Staatsbürgerschaft hatte die Nationalversammlung bereits im Juli 2024 beschlossen, veröffentlicht wurden sie aber erst am 5. Mai dieses Jahres im Amtsblatt. Da sie 180 Tage später wirksam werden, greifen sie ab Anfang November – wenige Tage nach dem Pariser Treffen. Es ist die erste grundlegende Neuordnung dieses Rechtsgebiets seit 1976. Wer eine weitere Staatsangehörigkeit annimmt, verliert die kubanische künftig nicht mehr automatisch; ebenso entfällt die Frist, nach der ein Auslandsaufenthalt von über 24 Monaten Nachteile beim Eigentum auf der Insel nach sich zog. Neu ist zudem eine Aufenthaltskategorie für Investoren und Geschäftsleute. Sie wird im Konsulat beantragt und setzt ein genehmigtes Geschäftsprojekt voraus.
Bereits im März kündigte Vizeministerpräsident und Außenhandelsminister Óscar Pérez-Oliva Fraga an, Auslandskubaner dürften Privatunternehmen besitzen, Devisenkonten bei kubanischen Banken führen und sich an Infrastrukturprojekten beteiligen – bislang liefen solche Geschäfte über Mittelsleute oder informelle Kanäle. Am 18. Juni verabschiedete die Nationalversammlung dann einstimmig ein Paket von 176 Maßnahmen, das unter anderem Privatunternehmen mit mehr als 100 Beschäftigten erlaubt, den Privatsektor für ausländisches Kapital öffnet und die Umwandlung von Staatsbetrieben in Kapitalgesellschaften vorsieht. Der Historiker Manuel Cuesta Morúa nannte die Agenda gegenüber der taz für ein sozialistisches Land nahezu revolutionär, sah darin aber vor allem Nachbesserungen an bestehenden Hürden. Erklärtes Ziel ist, die auf rund zwei Milliarden US-Dollar jährlich geschätzten Geldsendungen aus dem Ausland stärker in produktive Investitionen zu lenken. Der Druck, unter dem all das entsteht, ist erheblich. Nach der Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro im Januar brachen die Öllieferungen von täglich 25.000 bis 30.000 Barrel weg; Experten erwarten für dieses Jahr einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 7,2 Prozent, kumuliert 23 Prozent seit 2019. Zugleich unterzeichnete US-Präsident Donald Trump am 1. Mai – vier Tage vor der Veröffentlichung der Migrationsgesetze – eine Verordnung, die die Sanktionen auf nahezu alle Wirtschaftssektoren ausdehnt und Washington ermächtigt, auch Personen und Unternehmen aus Drittstaaten wegen Geschäften mit Kuba zu belangen. Die Koordinierungsstelle verweist in ihrer Einladung ausdrücklich auf diese Sanktionen. Wer beim ECRE zusammenkommt
Der ECRE versteht sich als Zusammenschluss regierungsnaher Verbände. Auf der Website des Formats werden „patriotische und revolutionäre" Auslandskubaner angesprochen, als Themen genannt werden die US-Blockade, der Medienkrieg, die europäische Haltung und das Verhältnis zwischen Nation und Emigration.
Das vorige Treffen fand am 24. und 25. Oktober 2025 in Rom statt. Es begann mit einem Marsch vom Mazzini-Denkmal zur kubanischen Botschaft; teil nahmen neben kubanischem Konsularpersonal auch Ana Teresita González, im Außenministerium für Konsularangelegenheiten und Auslandskubaner zuständig, sowie italienische Linksparteien. Am Schlusstag grüßte Papst Leo XIV. die Teilnehmer beim Angelus auf dem Petersplatz. Kritiker ordnen die Zusammenkunft dagegen als Verschränkung von Kulturdiplomatie und staatlicher Einflussnahme auf die Emigration ein. Die Teilnehmer vertreten dabei einen kleinen Ausschnitt der Auswanderung. Von rund 1,76 Millionen im Ausland registrierten Kubanern lebte 2020 mit 1,38 Millionen die große Mehrheit in den USA. In Europa führte Spanien mit gut 162.000, gefolgt von Italien mit 38.500 und Deutschland mit 16.100; in Frankreich waren es knapp 4.900. Die Zahlen sind seither vor allem in Spanien deutlich gestiegen, wo allein 2025 rund 35.200 Kubaner zuzogen.
Quellen: Prensa Latina, Prensa Latina,teleSUR, Granma, AHK Kuba, Cuba heute, taz, CiberCuba, El Economista, Hypermedia Magazine, ECRE
Autor: Leon Latozke
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