Neues aus Kuba
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Der Einsatz kubanischer Medizinbrigaden in Guatemala steht vor dem Ende. Die Teams arbeiten seit Jahrzehnten in abgelegenen, armen Regionen und haben Millionen Menschen behandelt. Gewerkschaften und soziale Organisationen warnen vor drohenden Versorgungslücken. Gründe für das Abzugsprogramm nennt die Regierung bisher nicht.
10.02.2026 19:10 Uhr
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Guatemala will den Einsatz kubanischer Ärzte und Pflegekräfte im Land schrittweise beenden. Das kündigte das Außenministerium bereits Anfang Januar an, nannte aber keine Gründe für die Entscheidung. Medien und Öffentlichkeit wurden erst in den vergangenen Tagen durch Berichte von Prensa Comunitaria auf das Vorhaben aufmerksam.
Derzeit sind 336 kubanische Fachärzte sowie 65 Pflegekräfte, technische Fachkräfte und Logistikpersonal in Guatemala tätig. Sie arbeiten in 16 von 22 Departamentos, wobei fast die Hälfte in den Regionen Quiché, Petén und Alta Verapaz konzentriert ist. Diese Departamentos zählen zu den ärmsten des Landes: In Alta Verapaz leben laut offiziellen Zahlen 90,3 Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze, in Quiché 86,4 Prozent, im Petén mehr als 60 Prozent. Die Infrastruktur in diesen Regionen ist schwach entwickelt, und viele einheimische Ärztinnen und Ärzte meiden entlegene Gemeinden. Die Ankündigung stieß auf Kritik von Gewerkschaften und sozialen Organisationen. Die Sektion der Gewerkschaft der Beschäftigten im Gesundheitswesen (SNTSG) für den Nordosten Guatemalas bezeichnete die Entscheidung auf Facebook als „verheerend“ und betonte die Bedeutung der kubanischen Ärzte für die medizinische Versorgung entlegener Gemeinden. Auch das alternative Radio Dezurda kritisierte die Regierung von Präsident Bernardo Arévalo und deutete einen Zusammenhang mit der US-Politik gegen Kuba an. Tatsächlich hatte die US-Regierung im Juli 2025 Visabeschränkungen für Politiker angekündigt, die mit kubanischen Ärztebrigaden zusammenarbeiten. Dem guatemaltekischen Gesundheitsminister Joaquin Barnoya wurde jedoch kein Visum entzogen. In der öffentlichen Debatte wird dennoch über eine mögliche politische Einflussnahme spekuliert. Die kubanischen Brigaden sind seit den Folgen des Hurrikans Mitch 1998 in Guatemala im Einsatz. Laut offiziellen Angaben haben sie seither mehr als 63 Millionen Behandlungen durchgeführt, knapp 700.000 Operationen vorgenommen und über 394.000 Menschenleben gerettet. Noch im November 2025 würdigte die guatemaltekische Regierung die Arbeit der kubanischen Teams in einer Veranstaltung mit Vertretern beider Länder. Die bevorstehende Abkehr von den kubanischen Medizinbrigaden wirft Fragen zur medizinischen Versorgung insbesondere in den ärmsten und entlegensten Regionen Guatemalas auf. Die Teams hatten dort Lücken gefüllt, die das nationale Gesundheitssystem bislang nicht schließen konnte. Gewerkschaften und soziale Organisationen fordern daher, die Entscheidung zu überdenken oder alternative Konzepte zu entwickeln, um die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Ob der Abzug tatsächlich wie angekündigt schrittweise erfolgen wird, ist unklar. Ebenso offen bleibt, in welchem Umfang Guatemala in der Lage sein wird, die Versorgung in abgelegenen Departamentos durch eigenes Personal oder andere internationale Kooperationen zu gewährleisten. Politisch signalisiert der Schritt eine Neuorientierung im Verhältnis zu Kuba, gleichzeitig drohen Versorgungslücken in besonders vulnerablen Regionen. Mit dem geplanten Abzug steht das guatemaltekische Gesundheitssystem vor einer Herausforderung: Es muss kurzfristig Wege finden, die Lücken zu schließen, die die kubanischen Medizinbrigaden seit fast drei Jahrzehnten geschlossen haben, um die medizinische Versorgung der Bevölkerung aufrechtzuerhalten.
Der Artikel wurde zuerst auf Mundus Novus 24 veröffentlicht.
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