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Kubanische Migranten, von den USA abgeschoben, aber von Kuba nicht zurückgenommen, stranden in Mexiko – wie Pedro Lorenzo Concepción, der nach 20 Jahren in den USA nun ohne Papiere und Perspektive in Cancún lebt. Dort versuchen er und Hunderte andere Kubaner, trotz Unsicherheit und fehlender Arbeitserlaubnis, ein neues Leben aufzubauen.
07.10.2025 10:00 Uhr
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Im mexikanischen Bundesstaat Quintana Roo hat sich eine Gemeinschaft von Kubanerinnen und Kubanern gebildet, die von den USA abgeschoben, aber von der kubanischen Regierung nicht zurückgenommen wurden. Das Schicksal des 44-jährigen Pedro Lorenzo Concepción steht beispielhaft für ein wachsendes Phänomen zwischen den Fronten der US-amerikanischen Migrationspolitik und der kubanischen Staatsräson.
Als Pedro Lorenzo Concepción am frühen Morgen in Cancún ankam, erwartete ihn keine tropische Ferienidylle, sondern Orientierungslosigkeit. Der Mann, der fast zwanzig Jahre in den Vereinigten Staaten gelebt hatte, war aus Florida ausgewiesen und nach Mexiko deportiert worden – ein Land, mit dem er keinerlei Verbindung hatte. Wie die spnaischr Tageszeitung EL PAÌS berichtet, war Concepción einer jener kubanischen Migranten, die von US-Behörden abgeschoben werden, weil Havanna ihre Rückkehr verweigert. Concepción, gekleidet in die schwarzen Hosen und den Pullover, die er seit seiner Festnahme im Juli getragen hatte, stieg am Busbahnhof von Cancún aus. Er wusste nicht, wohin. Als er auf der Straße umherirrte, traf er zufällig Gustavo, einen alten Bekannten aus der Haftzeit im Gefängnis von Everglades. Auch er war kürzlich aus den USA abgeschoben worden. Beide gehörten zu jener Gruppe von Kubanern, die in Mexiko gestrandet sind – ohne Papiere, ohne Zukunftsperspektive, aber in der Hoffnung, wenigstens nicht nach Kuba zurückkehren zu müssen. Zwischen den Fronten der Politik Wie EL PAÌS schreibt, begann diese Entwicklung während der Amtszeit von Barack Obama, der mit Raúl Castro vereinbart hatte, dass Kuba Abschiebeflüge aus den USA akzeptiert. Doch Havanna behielt sich vor, selbst zu entscheiden, wen es zurücknimmt. Bis Ende September dieses Jahres wurden laut Innenministerium in Havanna rund 1.000 Personen auf neun Flügen nach Kuba gebracht – ein Bruchteil derer, die eigentlich zur Rückführung vorgesehen waren. Viele andere, darunter Concepción, blieben in der Schwebe. Mexiko wiederum hat sich unter Präsidentin Claudia Sheinbaum offiziell geweigert, als sogenanntes „Drittland“ für Abschiebungen zu dienen. Dennoch landen dort immer wieder Migranten aus Kuba, deren Rückführung von den USA vollzogen, aber von Havanna nicht akzeptiert wird. So entsteht im Süden des Landes, vor allem in Quintana Roo, eine wachsende Gemeinschaft von Kubanerinnen und Kubanern, die von Abschiebungen betroffen sind und nun versuchen, ein neues Leben zu beginnen. Haft, Hungerstreik und Deportation Wie EL PAÌS berichtet, wurde Concepción im Juli im ICE-Büro in Miramar, Florida, festgenommen und in das berüchtigte Abschiebelager „Alligator Alcatraz“ gebracht – eine Einrichtung, die unter Migranten als Synonym für überfüllte und unmenschliche Bedingungen gilt. Dort trat er in den Hungerstreik, um gegen seine Haftbedingungen und seine drohende Abschiebung zu protestieren. US-Behörden bestritten den Protest und verlegten ihn schließlich in das Krome-Haftzentrum in Miami. Dort versprachen ihm Beamte, er stehe nicht auf der Abschiebeliste. Doch wenige Tage nach einer Operation wurde ihm mitgeteilt, dass er nach Mexiko gebracht werde. Am 7. September wurde er zusammen mit anderen Migranten in Handschellen in ein Flugzeug gesetzt. Die Reise führte über Jacksonville und San Diego bis an die Grenze zu Tijuana. Dort wurden 31 Kubaner – darunter fünf Frauen – den mexikanischen Behörden übergeben. Nach Angaben von EL PAÌS behandelten diese die Gruppe deutlich humaner als ihre US-Kollegen. Sie gaben ihnen Essen, lösten die Fesseln und erklärten, sie seien nun frei. Von Mexiko-Stadt aus wurden die Deportierten in den Südosten des Landes gebracht, nach Tabasco, wo sie 30 Tage Zeit hatten, Asyl zu beantragen. Concepción entschied sich, weiterzureisen, und kam schließlich in Cancún an. Ein neues Leben im Exil In Cancún fand Concepción zunächst Unterkunft im einfachen Parador-Hotel. Seine Frau Daimarys, eine Maniküristin in Florida, schickte ihm Geld, um die ersten Tage zu überstehen. Bald darauf konnte er eine kleine Wohnung mieten – eine Einzimmerwohnung mit Küche und Terrasse für 7.000 Pesos im Monat, rund 400 US-Dollar. Da er keine Arbeitserlaubnis hat, finanziert Daimarys seinen Lebensunterhalt mit Unterstützung von Familie und Freunden. Das Paar, seit fast zwanzig Jahren verheiratet, steht nun vor einer ungewissen Zukunft. Sie telefonieren täglich, oft mehr als ein Dutzend Mal. Ihre drei Kinder in Florida glauben noch immer, der Vater werde bald zurückkehren. „Sie verstehen nicht, dass es endgültig ist“, zitiert EL PAÌS die Ehefrau. Concepción kämpft mit der neuen Realität. „Ich bin wie ein Geist“, sagt er. Nach zwei Jahrzehnten in den USA sei er nun ein Fremder in einem Land, das nicht das seine sei. Er vermisse seine Familie, die Hunde, das Haus in Florida. „Ich weiß nicht, wie ich nächsten Monat die Miete zahlen soll“, sagt er. Seine Frau wiederum plant, eines Tages nach Cancún zu ziehen. „Wenn die Kinder groß sind, werde ich zu ihm gehen. Mein Ruhestand wird in Cancún sein.“ Die unsichtbaren Kubaner Mexikos Wie EL PAÌS betont, ist Concepcións Geschichte kein Einzelfall. In Cancún, Playa del Carmen und anderen Städten an der Riviera Maya entsteht derzeit eine Gemeinschaft von kubanischen Deportierten – Menschen, die weder in den USA noch in Kuba willkommen sind. Sie leben von kleinen Gelegenheitsjobs, von Spenden oder vom Geld ihrer Angehörigen in den Vereinigten Staaten. Viele von ihnen wurden in den USA nach Jahren illegalen Aufenthalts festgenommen oder wegen geringfügiger Delikte verurteilt. Nun teilen sie das Schicksal, in Mexiko gestrandet zu sein – einem Land, das für sie nur Durchgangsstation sein sollte. Eine Frau, die von den Deportierten „La Madrina“ genannt wird, organisiert laut EL PAÌS billige Unterkünfte und Mahlzeiten. Acht Menschen teilen sich oft ein Zimmer. Es sind Orte des Übergangs, aber niemand weiß, wie lange dieser Zustand anhält. Für Concepción bleibt Cancún ein Ort des Überlebens. Er steht stellvertretend für Hunderte von Kubanern, deren Leben zwischen den Grenzen zweier Staaten hängt, die beide Verantwortung abweisen. „Ich wollte nicht getrennt werden“, sagt er. „Aber ich musste gehen.“ Seine Frau verspricht, die Familie eines Tages wieder zusammenzuführen – irgendwo unter der Sonne von Quintana Roo.
Quelle: EL PAÌS (https://t1p.de/4lk3d)
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