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Vier Mitglieder der kubanische Delegation sind während der Panamerikanischen Juniorenspiele 2025 in Asunción verschwunden. Der Vorfall reiht sich in eine lange Serie von Abwanderungen ein, die den kubanischen Sport seit Jahrzehnten prägen und immer wieder internationale Wettkämpfe überschattet.
16.08.2025 09:08 Uhr
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Vier Mitglieder der kubanische Delegation sind während der Panamerikanischen Juniorenspiele 2025 in Asunción in Paraguay verschwunden. Nach Angaben der Behörden handelt es sich um drei Ruderer – Félix Puente Batista, Robert Landy Fernández und Keiler Ávila Núñez – sowie die Handballspielerin Suannet de la Caridad Nápoles. Die Sportler kehrten nicht in das Mannschaftshotel zurück. Die paraguayische Polizei hat auf Bitten der kubanischen Delegation Suchmaßnahmen eingeleitet.
Innenminister Enrique Riera erklärte, die Umstände ließen auf einen gezielten Abgang schließen. Ein offizieller Asylantrag sei bislang nicht gestellt worden, doch die Vermutung einer Flucht liege nahe. Zuständig für die Bearbeitung möglicher Gesuche wäre die nationale Kommission für Staatenlose und Flüchtlinge (Conare). Das Verschwinden von Sportlern bei internationalen Wettbewerben ist für Kuba kein neues Phänomen. Seit den frühen 1990er-Jahren haben nach Schätzungen rund 800 Athleten ihre Delegationen verlassen. Besonders häufig betroffen ist der Baseball. Zahlreiche Spieler, darunter René Arocha, Aroldis Chapman, Yoenis Céspedes, José Abreu und Orlando „El Duque“ Hernández, verließen die Insel und setzten ihre Karrieren in den Vereinigten Staaten oder anderen Ländern fort. Auch das Boxen, traditionell eine der erfolgreichsten Sportarten Kubas, verlor wiederholt Spitzensportler. Zu den bekanntesten Abgängen gehören Guillermo Rigondeaux, Odlanier Solís, Yuriorkis Gamboa und Andy Cruz. In der Leichtathletik wechselten Athleten wie Jordan Díaz und Yulenmis Aguilar nach Spanien, Pedro Pablo Pichardo nach Portugal, Andy Díaz nach Italien und Diskuswerferin Yaimé Pérez ins Ausland. Die Folgen solcher Abwanderungen sind erheblich. Vor den Olympischen Spielen 2012 konnte sich Kuba in mehreren Mannschaftswettbewerben nicht qualifizieren, weil ein erheblicher Teil der Leistungsträger die Delegation verlassen hatte. Internationale Großereignisse sind daher für den kubanischen Sport nicht nur eine Bühne für sportliche Erfolge, sondern auch ein Risiko für den Verlust von Talenten. Der aktuelle Vorfall in Paraguay erinnert an die Panamerikanischen Spiele 2023 in Santiago de Chile. Dort verließen acht kubanische Athleten ihre Mannschaft, darunter sechs Hockeyspielerinnen, ein Hürdenläufer und eine Basketballspielerin. Insgesamt sollen im Jahr 2023 mehr als 60 kubanische Sportler ins Ausland geflohen sein. Dass es diesmal Athleten aus dem Rudern und Handball betrifft, ist ungewöhnlich. Die meisten Abgänge konzentrierten sich bislang auf Sportarten, in denen die Chancen auf professionelle Karrieren im Ausland besonders hoch sind. Der jüngste Vorfall deutet darauf hin, dass der Wunsch nach einem Leben außerhalb Kubas inzwischen breitere Teile der Sportlergeneration erfasst. Paraguay selbst ist kein Neuland für sportliche Abwanderungen. Bereits 2018 blieben drei venezolanische Rugbyspieler nach einem Turnier in Asunción im Land und schlossen sich einem lokalen Verein an. Das südamerikanische Land erlaubt ausländischen Besuchern einen dreimonatigen Aufenthalt als Tourist und bietet damit eine rechtliche Grauzone, die Athleten zunächst nutzen können. Für Kuba stellt der erneute Verlust von Sportlern ein weiteres Beispiel für die strukturellen Probleme seines Sportsystems dar. Politische Restriktionen, begrenzte ökonomische Perspektiven und die Aussicht auf weit bessere Bedingungen im Ausland führen dazu, dass selbst international erfolgreiche Athleten den Weg der Abwanderung wählen. Dass viele von ihnen in ihren neuen Heimatländern sportlich reüssieren, verstärkt den Eindruck, dass die Ursachen weniger in individuellen Entscheidungen als in systemischen Defiziten liegen. Ob die verschwundenen Athleten in Paraguay Asyl beantragen oder versuchen, in ein Drittland weiterzureisen, ist offen. Für die kubanische Delegation sind die Panamerikanischen Juniorenspiele jedoch erneut von einem Vorfall überschattet, der über den sportlichen Wettbewerb hinausweist. Die Abwanderung bleibt ein fester Bestandteil des kubanischen Sports – und ein Problem, für das die Regierung bislang keine Antwort gefunden hat.
Quellen: Mundodeportivo (https://t1p.de/qxg4g), EFE (https://t1p.de/fb24y)
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Text: Leon Latozke
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