Neues aus Kuba
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Nach der Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro sieht der kubanische Oppositionsführer José Daniel Ferrer die Regierung in Havanna unter massivem Druck. Aus dem Exil in Miami erklärt er, Kuba drohe mit dem möglichen Verlust seines wichtigsten Verbündeten in eine existenzielle Krise zu geraten.
04.01.2026 23:30 Uhr
Abbildung: Das KI-generierte Symbolbild zeigt keine reale Szene.
Der kubanische Oppositionsführer José Daniel Ferrer sieht das politische System in Havanna vor einem Wendepunkt. Aus dem Exil in den USA erklärte der 55-Jährige, das Regime von Präsident Miguel Díaz-Canel stehe vor dem Zusammenbruch, weil es seine wichtigsten außenpolitischen Stützen zu verlieren drohe. Anlass seiner Aussagen ist die Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro durch die USA – ein Ereignis, das in Teilen der kubanischen Exilgemeinde Hoffnungen auf einen Dominoeffekt in Lateinamerika geweckt hat.
Ferrer sprach am Wochenende in Miami vor dem traditionsreichen Restaurant Versailles im Stadtteil Little Havana, wo sich Dutzende Exilkubaner versammelt hatten. Díaz-Canel habe zuletzt öffentlich Solidarität mit Venezuela beschworen und Opferbereitschaft angekündigt. Das sei, so Ferrer, „eine Lüge“. Ohne den Rückhalt aus Caracas werde die Lage für das kubanische Machtgefüge „vollständig schwierig und dramatisch“. Der Dissident verknüpft die Stabilität der kommunistischen Führung in Havanna eng mit regionalen Allianzen. Autoritäre Systeme hielten sich an der Macht, weil sie sich gegenseitig stützten, argumentierte Ferrer. Der mögliche Wegfall Venezuelas als Verbündeter treffe Kuba ins Mark – wirtschaftlich wie politisch. Sein Bruder Luis Enrique Ferrer präzisierte, dass Caracas seit Jahren durch vergünstigte Erdöllieferungen eine zentrale Finanzierungsquelle für Kuba, aber auch für Nicaragua und andere verbündete Regierungen darstelle. Breche diese Unterstützung weg, ende auch der Einfluss. Ferrer, Gründer der Oppositionsbewegung Unión Patriótica de Cuba (Unpacu), war im Juli 2021 während der landesweiten Proteste des 11. Juli verhaftet worden. Im Oktober 2025 durfte er im Rahmen einer Vereinbarung zwischen Kuba, den USA und dem Vatikan als politischer Flüchtling ausreisen. Seitdem tritt er regelmäßig als scharfer Kritiker der kubanischen Führung auf. In Miami prognostizierte er, Díaz-Canel werde bald „so vernichtet“ wirken wie der von ihm beschriebene Maduro nach dessen Festnahme. Auch aus Washington kommen Signale, die in der Exilopposition aufmerksam registriert werden. US-Außenminister Marco Rubio erklärte, die Regierung Díaz-Canel habe nach der Militäraktion gegen Venezuela Grund zur Sorge. In der kubanischen Diaspora nährt das Spekulationen über einen möglichen Machtwechsel auf der Insel – zugleich aber auch über politische und militärische Risiken. Díaz-Canel selbst hatte das Vorgehen gegen Venezuela als „Akt des Staatsterrorismus“ verurteilt. Ferrer widersprach entschieden und sprach von einem „Akt der Gerechtigkeit“, der der Befreiung eines unterdrückten Volkes diene. Zugleich stellte er sich demonstrativ hinter die venezolanische Oppositionsführerin María Corina Machado und den Präsidentschaftskandidaten Edmundo González, den er als legitimen Wahlsieger von 2024 bezeichnete. Unabhängig von der tatsächlichen Tragweite der Ereignisse in Venezuela zeigt Ferrers Auftritt, wie sehr die Zukunft Kubas in den Augen seiner Gegner von externen Faktoren abhängt. Der innere Druck auf das Regime ist angesichts wirtschaftlicher Krise, Energieknappheit und gesellschaftlicher Unzufriedenheit hoch. Ob ein Machtverlust regionaler Verbündeter tatsächlich den von Ferrer prognostizierten Umbruch in Havanna beschleunigt, bleibt jedoch offen. Sicher ist nur: Die politische Debatte über Kubas Zukunft wird zunehmend außerhalb der Insel geführt.
Quelle: Swissinfo/EFE (https://t1p.de/yv930)
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