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In Kuba stürzen US-Dollar und Euro im informellen Markt massiv ab. Ursache sind übermäßige Marktreaktionen, verstärkt durch den Hurrikan Melissa und Einflussnahmen in sozialen Medien - sie sind kein Zeichen einer Erholung der kubanischen Wirtschaft, sondern verdeutlichen die Zerbrechlichkeit des Devisenmarktes der Karibikinsel.
05.11.2025 05:30 Uhr
Abbildung: Foto von Ricardo IV Tamayo auf Unsplash
In Kuba hat der US-Dollar in den letzten Tagen im informellen Markt einen deutlichen Wertverlust erlebt. Der Preis der US-Währung fiel von rund 490 Kubanischen Pesos (CUP) auf 430 CUP und verlor damit mehr als 70 Einheiten innerhalb weniger Tage. Vor dem Eintreffen des Hurrikans Melissa, der große Teile des Ostens Kubas verwüstete, drohte die US-Währung noch, die Marke von 500 CUP zu überschreiten.
Parallel zu dieser Entwicklung fiel auch der Euro im informellen Markt deutlich. Aktuelle Zahlen zeigen einen Rückgang von etwa 540 CUP auf rund 500 CUP pro Euro, was ebenfalls einen erheblichen Wertverlust innerhalb weniger Tage darstellt. Die Entwicklung verdeutlicht, dass die Volatilität den gesamten Devisenmarkt betrifft und nicht auf den US-Dollar beschränkt ist.
Bildquelle: elToque (https://t1p.de/60aw)
Der Rückgang der informallen Wechselkurse lässt sich durch ein ökonomisches Phänomen erklären, das als „Overshooting“ bekannt ist. Dabei reagiert der Markt zunächst über, indem der Wechselkurs stark steigt, bevor er rasch wieder fällt und sich auf einem stabilisierten Niveau einpendelt, das über dem Ausgangswert liegt, aber unter dem vorübergehenden Höchststand. Dieses Muster ist seit 2022 in Kuba mehrfach zu beobachten: Vier große Peaks am informellen Wechselkurs dokumentieren, wie der Markt auf politische Ankündigungen, Gerüchte oder externe Ereignisse reagiert.
So stieg der Dollar zwischen August und Oktober 2022 nach Ankündigung eines neuen offiziellen Wechselkurses auf 200 CUP, stabilisierte sich anschließend bei 165 CUP. Zwischen Juli und September 2023 trieben Gerüchte über neue staatliche Kontrollen den Kurs auf 225 CUP, bevor er sich bei 190 bis 200 CUP einpendelte. Im Mai und Juni 2024 erreichte der Dollar 400 CUP, ehe Kampagnen in sozialen Netzwerken den Kurs mehrfach nach unten korrigierten. Der aktuelle Rückgang von 490 auf 430 CUP steht in diesem Kontext und wird durch die wirtschaftlichen Folgen des Hurrikans Melissa sowie durch neue Beeinflussungen in sozialen Medien verstärkt. Die Kurse auf dem informellen Markt spiegeln die anhaltende wirtschaftliche Instabilität in Kuba wider. In einem Land ohne offiziellen freien Devisenmarkt fungieren diese Daten als Indikator für das Vertrauen in die nationale Währung, die Einkommenssituation in Devisen sowie die Belastbarkeit des Wirtschaftssystems. Die Krise wird durch die nach wie vor schwache Tourismusbranche, die begrenzte industrielle Produktion und das Fehlen nachhaltiger wirtschaftlicher Lösungen verschärft. Der Rückgang des Dollar- und Eurokurses ist daher kein Zeichen einer Erholung der kubanischen Wirtschaft, sondern Teil eines zyklischen Musters übermäßiger Marktreaktionen. In Kombination mit Naturkatastrophen wie dem Hurrikan Melissa zeigt sich die Verwundbarkeit der kubanischen Wirtschaft gegenüber externen und internen Schocks erneut deutlich.
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Text: Leon Latozke
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