Neues aus Kuba
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09.05.2026 08:00 Uhr
Ungeachtet der Stromausfälle und der Wirtschaftskrise zeigt das Kubanische Nationalballett ab Freitag sein Können. Das BNC präsentiert in Havanna eine Auswahl seiner berühmtesten Stücke. "Wir werden uns wiedersehen, um zu zeigen, dass Kunst stärker ist als jeder Sturm", teilt die Compagnie mit, die sich gegen die widrigen Umstände stemmt.
Der kubanische Nationalballett trotzt der tiefen Energiekrise des Landes mit einer ungebrochenen Entschlossenheit zur Kunst. Am vergangenen Freitag kehrte die Compañía auf die Bühne des Nationaltheaters in Havanna zurück und präsentierte eine Zusammenstellung ihres bedeutendsten Repertoires. Die Aufführung mit dem Titel „Die Magie des Tanzes“ läuft noch bis Sonntag und vereint Ausschnitte aus Klassikern wie „Giselle“, „Der Nussknacker“ und „Don Quijote“, die alle auf den Interpretationen der legendären Tänzerin und Choreografin Alicia Alonso basieren. Alonso prägte das Ensemble über Jahrzehnte als Direktorin und zentrale Figur, bis zu ihrem Tod im Jahr 2019. Die Wahl der Stücke unterstreicht den Anspruch, trotz widriger Umstände kulturelle Kontinuität zu wahren.
Die aktuelle Spielzeit findet unter extrem schwierigen Bedingungen statt. Die Insel leidet unter einer schweren Wirtschaftskrise, die durch das US-Ölembargo weiter verschärft wird. In den vergangenen Monaten führte dies zu lang anhaltenden Stromausfällen und einer fast vollständigen Lähmung der staatlichen Wirtschaft. Der Treibstoffmangel hat auch die kulturelle Programmarbeit stark eingeschränkt, obwohl die Regierung bemüht ist, Veranstaltungen aufrechtzuerhalten. Einige traditionelle Ereignisse wie die Internationale Buchmesse von Havanna mussten abgesagt werden. Das Ballett jedoch weigert sich, sich diesem Trend zu beugen. In einer Mitteilung vor der Premiere erklärte die Compagnie: „Egal wie schwer die Zeiten sind, nichts wird uns aufhalten: Wir werden weiter tanzen, denn in jeder Vorstellung schlägt ein Stück Kuba.“ Sie fügte hinzu: „Wir werden uns wiedersehen, um zu zeigen, dass Kunst stärker ist als jeder Sturm.“ Das Programm „Die Magie des Tanzes“ umfasst nicht nur bekannte Stücke aus dem Fundus, sondern auch eine Hommage an die Musikgeschichte. Gezeigt wird das Werk „Gottschalks Symphonie“, eine choreografische Interpretation zweier Sätze – „La Noche“ und „Fiesta Criolla“ – aus der Symphonie „Eine Nacht in den Tropen“ des amerikanischen Komponisten Louis Moreau Gottschalk. Dieses Stück hatte 1861 im ehemaligen Tacón-Theater in Havanna Premiere, dem Gebäude, in dem heute das Gran Teatro Alicia Alonso untergebracht ist. Die künstlerische Leitung der Aufführung obliegt der Direktorin des BNC, der Tänzerin Viengsay Valdés, die selbst die Rolle der Giselle übernimmt. Das Ensemble versammelt zudem herausragende Persönlichkeiten der nationalen Szene: Anette Delgado, die ersten Solisten Dani Hernández, Ányelo Montero, Yankiel Vázquez, Ernesto Díaz sowie Primaballerina Gabriela Druyet, die Solisten Laura Kamila und Alianed Moreno und weitere aufstrebende Talente. Das Kubanische Nationalballett wurde 1948 unter dem Namen von Alicia Alonso gegründet, die gemeinsam mit den Brüdern Alberto und Fernando Alonso als Gründerin und treibende Kraft wirkte. Seit 2018 ist die Compagnie als Kulturerbe der Nation anerkannt – eine Auszeichnung, die nicht nur die Truppe selbst, sondern auch ihr Repertoire, ihr Bildarchiv sowie alle mit der Institution verbundenen Objekte und Dokumente umfasst. Dieser Status unterstreicht die Bedeutung des BNC als höchsten Ausdruck der kubanischen Ballettschule. In einer Zeit, in der das tägliche Leben auf der Insel von Unsicherheit geprägt ist, setzt das Ballett ein Zeichen der Beharrlichkeit und des künstlerischen Willens. Die Vorstellungen im Nationaltheater sind nicht nur ein kulturelles Ereignis, sondern auch ein Symbol für den Widerstand gegen die Krise. Während die Energieversorgung weiterhin unzuverlässig bleibt und der Alltag vieler Kubaner von Entbehrungen gezeichnet ist, zeigt die Compagnie, dass die Kunst in Kuba lebendig bleibt. Die Tänzer beweisen mit jeder Darbietung, dass die Bühne ein Ort der Zuflucht und des Ausdrucks sein kann, selbst wenn die Rahmenbedingungen widrig sind. Die Wiederaufnahme der Spielzeit ist ein klares Bekenntnis zur Kontinuität der kulturellen Identität, die tief in der Geschichte des Landes verwurzelt ist. Das Publikum in Havanna reagiert begeistert; die Plätze im Nationaltheater sind gut besucht. Die Compagnie ihrerseits bleibt optimistisch: Sie sieht jede Vorstellung als eine Möglichkeit, die Verbindung zwischen Künstlern und Gesellschaft zu stärken. Der Tanz wird so zu einem Akt der Selbstbehauptung, der die Hoffnung auf bessere Zeiten nährt.
Quelle: EFE (https://t1p.de/fm54u)
Autor: Leon Latozke
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