Neues aus Kuba
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14.04.2026 08:00 Uhr
Als Reaktion auf den akuten Treibstoffmangel verpachtet der kubanische Staat Tankstellen an private Unternehmen. Deren US-Importe unterliegen der Auflage, ausschließlich den Privatsektor zu bedienen – eine schwer überprüfbare Vorgabe, wie Experten anmerken.
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In der kubanischen Hauptstadt vollzieht sich ein stiller Wandel, der die tiefgreifende Energiekrise des Landes und die verzweifelten Versuche, sie zu bewältigen, offenbart. Während die staatliche Treibstoffversorgung für die breite Bevölkerung nahezu zum Erliegen gekommen ist – in der vergangenen Woche wurden landesweit schätzungsweise nur 17.500 Liter für die Öffentlichkeit bereitgestellt –, rollt der Verkehr in Havanna dennoch wieder merklich stärker. Diese scheinbare Paradoxie führt in das Herz eines undurchsichtigen neuen Systems: die schleichende Verpachtung staatlicher Tankstellen an private Kleinst- und Kleinunternehmen, sogenannte Mipymes.
Ein Beispiel, das die Website 14ymedio beschreibt, ist der Servicentro Acapulco in Havannas Stadtteil Nuevo Vedado. Die Angestellten bestätigen, dass die Station an ein privates Unternehmen vermietet wurde und nun ausschließlich deren angeschlossene Betriebe mit Kraftstoff versorgt. Die Identität des Unternehmens bleibt im Dunkeln, und die Behörden schweigen zu der Praxis. Diese informelle Privatisierung von Teilen des staatlichen Monopolisten Cupet deutet auf einen pragmatischen, aber intransparenten Schachzug der Regierung hin, um die Versorgungskrise zu umgehen. Die eigentliche Quelle des neu zirkulierenden Benzins liegt jedoch woanders: in Importen aus den Vereinigten Staaten. Seit die Trump-Administration Kraftstoffexporte an private Akteure auf der Insel freigegeben hat, fließt Treibstoff in Isotanks von Häfen in Texas, Louisiana und Florida nach Kuba. Allein im Februar beliefen sich diese Lieferungen auf einen Wert von über 2,5 Millionen US-Dollar. Sechs Unternehmen sind nach Angaben von John Kavulich, Präsident des US-Kuba Wirtschaftsrats, in diesem Geschäft aktiv und operieren mit Gewinnspannen von 20 bis 25 Prozent. Doch dieses neue Modell wirft gravierende Kontrollfragen auf. Experten wie Jorge Piñón vom Energieinstitut der Universität Texas bezweifeln, dass die US-Auflagen – dass der Kraftstoff ausschließlich im Privatsektor verwendet wird – durchsetzbar sind. "Es gibt keine Bundespolizisten oder FBI-Agenten, die ganz Kuba durchwandern", zitiert 14ymedio Piñón. Die Grenze zwischen staatlichen und privaten Empfängern scheint in der Praxis fließend zu sein. Hinzu kommen Berichte über einen schwunghaften Weiterverkauf der ohnehin knappen staatlichen Kraftstoffkontingente durch Beschäftigte im öffentlichen Sektor, die so ein Vielfaches ihres Monatslohns erzielen. Die Situation offenbart somit eine dreifache Realität: das fast vollständige Versagen der offiziellen Treibstoffversorgung, den Aufstieg eines neuen, von US-Importen gespeisten privaten Versorgungsnetzwerks und einen undurchsichtigen Graubereich, in dem staatliche und private Sphären unkontrolliert verschmelzen. Während die Bevölkerung in endlosen Warteschlangen um winzige Kontingente kämpft, etabliert sich parallel eine informelle, kapitalintensive Ökonomie des Benzins. Sie sichert die Mobilität einiger, vertieft aber gleichzeitig die sozialen Ungleichheiten und entzieht sich jeder demokratischen Kontrolle.
Quelle: 14ymedio (https://t1p.de/zaqyv)
Autor: Leon Latozke
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