Neues aus Kuba
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Kubas einst starkes Bündnisnetz bröckelt. Nach Maduros Sturz setzt Trump auf maximale Isolation – und die internationalen Partner Havannas reagieren auffallend verhalten.
16.02.2026 08:45 Uhr
Abbildung: Symbolbild Präsident Donald Trump unterzeichnet am 30. Januar 2026 in Washington, D.C. IndyCar-Event. Bildquelle: The White House, P20260130MR-0498, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons
US-Präsident Donald Trump wiederholt seit Wochen eine Botschaft: Kuba stehe „kurz vor dem Zusammenbruch“. Ohne venezolanisches Erdöl könne das Land nicht überleben. Tatsächlich markiert das abrupte Ende der täglichen Lieferungen von mehr als 27.000 Barrel aus Caracas einen empfindlichen Schlag für Havanna – und fällt in eine Phase, in der die Insel bereits ihre schwerste Wirtschaftskrise seit der Revolution von 1959 durchlebt.
Der jüngste Wendepunkt kam am 3. Januar mit der Festnahme von Nicolás Maduro in Caracas im Zuge einer US-Operation. Für Trump ist dies der Beweis, dass seine harte Linie wirkt. Nun droht Washington auch Drittstaaten mit Sanktionen, sollten sie Kuba mit Treibstoff versorgen – Mexiko steht dabei besonders im Fokus. Für die Regierung in Havanna bedeutet das eine drastische Verschärfung des ohnehin angespannten Energiemangels: Stromabschaltungen, Versorgungsengpässe bei Lebensmitteln und Medikamenten sowie schwindende Devisenreserven prägen den Alltag. Internationale Solidarität – vor allem rhetorisch Doch die eigentliche Schwäche Kubas liegt nach Einschätzung von Experten nicht allein im Energiesektor. Die einstige Strahlkraft der Revolution und der symbolische Status als Bollwerk gegen den „Imperialismus“ haben international an Zugkraft verloren. Zwar verurteilen Länder wie Mexiko oder Chile das US-Vorgehen öffentlich, doch konkrete Hilfen bleiben begrenzt. Aus Mexiko kommen inzwischen vor allem Lieferungen von Milchpulver und Grundnahrungsmitteln statt Erdöl. Russland signalisiert finanzielle Unterstützung, verweist jedoch auf logistische und wirtschaftliche Grenzen. China beließ es bei diplomatischen Floskeln. Selbst linksgerichtete Regierungen in Lateinamerika, etwa in Brasilien oder Kolumbien, äußern Kritik am US-Kurs, vermeiden jedoch eine offene Konfrontation mit Washington. Die internationale Ablehnung des Embargos übersetzt sich derzeit kaum in substanzielle Hilfe. Der Rückhalt bröckelt auch, weil Kubas innenpolitische Lage die Solidarität erschwert. Historiker verweisen auf einen „Legitimitätsverschleiß“ infolge fehlender demokratischer Reformen und systematischer Repression. Der Appell an die internationale Gemeinschaft, das US-Vorgehen als eine Art „Belagerung“ oder gar „Genozid“ zu verurteilen, verfängt nur in Teilen der globalen Linken. Neuer geopolitischer Kontext Mit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus verändert sich zudem das internationale Umfeld. Multilaterale Foren verlieren an Einfluss, die Vereinten Nationen spielen eine geringere Rolle. Washington verfolgt eine Politik, die Beobachter als Neuauflage einer kontinentalen Einflussdoktrin interpretieren: Die USA beanspruchen Kontrolle über Entwicklungen im amerikanischen Raum und drängen Russland und China zurück. Für Kuba bedeutet das zusätzliche Isolation. Nicaragua schloss jüngst eine wichtige Transitroute für kubanische Migranten, Guatemala beendete den Einsatz kubanischer Ärzte im Land. Die Spielräume Havannas werden enger. Historisch war Kuba ein zentraler Verbündeter der Sowjetunion. Nach deren Zerfall gelang es, Beziehungen zu Russland neu zu beleben und enge Verbindungen zu Venezuela unter Hugo Chávez aufzubauen. Organisationen wie Petrocaribe oder Alba festigten diesen Block. Doch Wahlniederlagen linker Regierungen in mehreren Ländern Lateinamerikas und nun der Sturz Maduros haben dieses Geflecht weitgehend aufgelöst. Drohende humanitäre Folgen Ein anhaltender Lieferstopp könnte dramatische Folgen haben. Frühere Krisen führten zu massenhaften Fluchtbewegungen in Richtung Florida – etwa während der Balsero-Krise der 1990er Jahre. Experten warnen, eine erneute humanitäre Zuspitzung könnte die USA selbst politisch unter Druck setzen, sollten Bilder hungernder Kinder aus Havanna die Öffentlichkeit erreichen. Die kubanische Führung bestreitet formelle Verhandlungen mit Washington, räumt jedoch technische Kontakte ein. Präsident Miguel Díaz-Canel kündigt neue Rationierungsmaßnahmen an – Erinnerungen an die Härten der Sonderperiode nach dem Zerfall der Sowjetunion werden wach. Die Optionen erscheinen begrenzt: Entweder politische Zugeständnisse, die das Machtmonopol der Kommunistischen Partei gefährden könnten, oder eine massive humanitäre Krise. In der Vergangenheit reagierte das Regime auf existenziellen Druck mit verschärfter Repression. Washingtons Motivation In den USA ist die Kuba-Politik auch innenpolitisch aufgeladen. Außenminister Marco Rubio, Sohn kubanischer Einwanderer, gilt als Verfechter einer kompromisslosen Linie. Offiziell betont er, es gehe nicht um einen Regimewechsel – zugleich formuliert er offen den Wunsch nach „Veränderung“. Die einflussreiche kubanoamerikanische Wählerschaft unterstützt diesen Kurs. Trump selbst zeigt sich überzeugt, dass Havanna letztlich verhandeln werde – und verspricht Großzügigkeit im Falle eines Abkommens. Doch Kuba unterscheidet sich strukturell von Venezuela: Das Militär gilt als gefestigt, eine organisierte Opposition existiert kaum, viele prominente Dissidenten haben das Land verlassen. Seit 1959 widerstand das System allen Umsturzversuchen – vom gescheiterten Invasionsversuch in der Schweinebucht bis zu jahrzehntelangen Sanktionen. Ob die neue Phase des ökonomischen Drucks das bewirken kann, woran frühere US-Regierungen scheiterten, bleibt offen. Sicher ist nur: Kubas internationale Allianzen tragen nicht mehr wie einst – und der Spielraum der Führung in Havanna schrumpft rapide.
Quelle: EL PAÍS (https://t1p.de/b564u)
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