Kubas Gesundheitsministerium räumt Anstieg von Dengue, Hepatitis und Durchfallerkrankungen ein28/9/2026
28.09.2026 09:00 Uhr
Kaputte Wasserleitungen, liegengebliebener Müll, fehlende Abwasserentsorgung: Kubas Vizegesundheitsministerin verknüpft den Anstieg von Hepatitis, Durchfall und Dengue mit dem Zustand der sanitären Bedingungen im Land.
Abbildung: Die Gelbfiebermücke (Aedes aegypti) ist in Kuba der Hauptüberträger von Dengue und Chikungunya. Foto: James Gathany / CDC, gemeinfrei
Kubas Gesundheitsministerium (MINSAP) hat öffentlich eingeräumt, dass sich die epidemiologische Lage im Land verschlechtert. Vizegesundheitsministerin Carilda Peña García sagte am Freitag in der Morgensendung „Buenos Días“ des kubanischen Staatsfernsehens, es gebe derzeit mehr akute Atemwegsinfektionen, Durchfallerkrankungen und Hepatitis-Fälle. Deutlich zugenommen hätten auch die von Mücken übertragenen Arbovirosen, vor allem Dengue und Chikungunya. Konkrete Fallzahlen nannte sie nicht.
Ministerin nennt Hygienemängel als Ursache Peña García stellte einen direkten Zusammenhang zwischen dem Anstieg der Infektionen und den sanitären Bedingungen im Land her. Die Lage entwickle sich vor dem Hintergrund von Einschränkungen bei Umwelthygiene, Wasseraufbereitung und Abwasserentsorgung, sagte sie. Für Durchfallerkrankungen und Hepatitis seien verschiedene Viren und Bakterien verantwortlich. Wasserversorgung, Kanalisation und Müllabfuhr werden in Kuba von staatlichen Betrieben betrieben. Sie leiden seit Monaten unter den landesweiten Stromausfällen und dem Mangel an Treibstoff und Ersatzteilen. Die US-Botschaft in Havanna hatte bereits Ende August vor den gesundheitlichen Folgen der instabilen Wasser- und Stromversorgung gewarnt. Ohne Strom fällt vielerorts auch die Kühlkette für Lebensmittel aus. Atemwegsinfektionen: Lage laut Ministerium nicht mit Pandemie vergleichbar Bei den Atemwegserkrankungen zirkulieren laut Peña García endemische Coronaviren, SARS-CoV-2 mit überwiegend Omikron-Subvarianten sowie Influenzaviren und weitere Erreger. Einen mit der Covid-19-Pandemie vergleichbaren Schweregrad beobachte man nicht. Besondere Aufmerksamkeit verlangten Kinder, ältere Menschen und Personen mit Vorerkrankungen. Auch zu diesem Bereich legte das Ministerium keine Zahlen vor. Dengue: Alle vier Serotypen im Umlauf Die größte Sorge gilt nach Darstellung der Vizeministerin den Arbovirosen. Beim Dengue-Fieber zirkulierten alle vier Serotypen des Virus, am häufigsten Serotyp 2. Wer bereits eine Dengue-Infektion durchgemacht hat, kann sich mit einem anderen Serotyp erneut anstecken. Dabei steigt das Risiko schwerer Verläufe. Die starke Vermehrung der Überträgermücke Aedes aegypti führte Peña García auf hohe Temperaturen, Regen und Luftfeuchtigkeit zurück. Hinzu kämen jedoch vermeidbare Faktoren, die vor allem mit den Bedingungen in und um die Wohnhäuser zusammenhingen. Der Anstieg der Fallzahlen entspreche dem saisonalen Anstieg, der auch in anderen Ländern der Region zu beobachten sei. Die Zirkulation von Chikungunya bestätigte die Vizeministerin. Einen „unverhältnismäßigen“ Anstieg wies sie jedoch zurück, ebenso Berichte in sozialen Netzwerken, die das Gegenteil nahelegen. Eigene Daten zur Widerlegung legte sie nicht vor. Die Fälle konzentrierten sich derzeit auf Gebiete, in denen die Krankheit in der vorangegangenen Welle weniger verbreitet gewesen sei. Wer damals erkrankt sei, sei nun weniger anfällig. Die Welle, auf die sie sich bezog, war die Doppelepidemie von Dengue und Chikungunya Ende 2025. Die Regierung hatte sie im November offiziell zur Epidemie erklärt. Nach offiziellen Angaben gab es damals rund 80.000 Infektionen und mindestens 55 Todesfälle, überwiegend bei Minderjährigen. Die Panamerikanische Gesundheitsorganisation (PAHO) führt für 2025 mehr als 81.900 Fälle und mindestens 65 Todesfälle. Offizielle Dengue-Daten enden im Juni Ob der Anstieg tatsächlich im saisonalen Rahmen liegt, lässt sich anhand offizieller Zahlen kaum überprüfen. Das MINSAP hat seit Juni keine landesweiten Dengue-Daten mehr veröffentlicht. Für den Juni meldete es 298 Fälle, für das erste Halbjahr insgesamt 1.746. Für die Monate danach liegen nur Schätzungen vor. Das Global Dengue Observatory, ein Projekt der London School of Hygiene & Tropical Medicine, kombiniert offizielle Meldungen mit Modellrechnungen. Es schätzt für Juli 2.173 und für August 3.214 Fälle. Mit Stand 18. September kommt es auf 7.133 Fälle seit Jahresbeginn. Das wäre etwa das 7,4-Fache des für diesen Zeitpunkt erwarteten Werts. Mehr als drei Viertel dieser Summe beruhen allerdings auf Schätzungen und nicht auf gemeldeten Fällen. Hinzu kommt, dass die Dengue-Saison in Kuba üblicherweise erst im Oktober ihren Höhepunkt erreicht. Regional stehen vor allem Guantánamo, Villa Clara und Matanzas im Fokus. In der Provinz Guantánamo meldeten die Behörden aktive Übertragung in Imías, Baracoa und der Provinzhauptstadt. Das Municipio Manuel Tames wurde in den epidemiologischen Alarmzustand versetzt. Hepatitis A: Von „sehr komplexer Lage“ zu internationalen Warnungen Neben Dengue bereiten Durchfallerkrankungen und Hepatitis den Behörden Sorgen. Im Mai hatte das Ministerium eine Hepatitis-A-Epidemie noch ausgeschlossen, zugleich aber eine „sehr komplexe“ Lage mit Fällen in mehreren Provinzen eingeräumt. Am 4. September gab die US-Botschaft in Havanna eine Gesundheitswarnung heraus. Sie verwies auf eine deutliche Zunahme von Durchfallerkrankungen im ganzen Land und nannte Erreger wie E. coli, Noroviren und Shigellen. Reisenden riet sie zu besonderer Vorsicht bei Leitungswasser, Lebensmitteln und Eis. Zudem führte die Warnung ungewöhnliche Häufungen von Hepatitis A in mehreren Provinzen auf, darunter Pinar del Río, Havanna, Ciego de Ávila, Santiago de Cuba und Camagüey. Auch die spanische Regierung weist in ihren aktuellen Reisehinweisen auf Hepatitis-A-Ausbrüche in Kuba hin. US-Behörde verfolgt Ausbruch bis nach Kuba zurück Weitere Hinweise liefert ein Bericht der US-Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC) vom 24. September. Darin wertet das Gesundheitsministerium des Bundesstaats Florida (FDOH) 249 bestätigte Hepatitis-A-Fälle aus dem Zeitraum Juni 2024 bis Februar 2026 aus. In 76 Fällen, knapp einem Drittel, hatten die Erkrankten vor Symptombeginn Kuba besucht oder waren kürzlich von dort eingewandert. Bei den genetisch untersuchten Proben stammte die große Mehrheit von demselben Virusstamm. Das deutet auf eine gemeinsame Infektionsquelle hin. Den FDOH-Mitarbeitern war der ungewöhnlich hohe Anteil von Kuba-Rückkehrern bereits Anfang 2025 aufgefallen. Lücken in der Erfassung Die tatsächliche Verbreitung der Krankheiten dürfte schwer zu beziffern sein. Aus Havanna wird berichtet, dass Menschen mit Verdachtssymptomen Gesundheitseinrichtungen meiden und sich stattdessen mit Medikamenten vom Schwarzmarkt selbst behandeln. Nach Berichten aus mehreren Provinzen werden Patienten mit hohem Fieber zudem häufig pauschal als „unspezifisches Fiebersyndrom“ erfasst und nicht als bestätigte Dengue-Fälle. Das Ministerium rief die Bevölkerung auf, sich an offiziellen Informationen zu orientieren und individuelle wie kollektive Schutzmaßnahmen einzuhalten. Reisenden empfehlen Gesundheitsbehörden mehrerer Länder, den Impfschutz vor einer Kuba-Reise zu prüfen, insbesondere gegen Hepatitis A, und konsequenten Mückenschutz zu betreiben. Autor: Leon Latozke
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