Neues aus Kuba
Aktuelle Nachrichten und Meldungen, Analysen und Hintergrundinformationen
|
Die jüngsten Daten der kubanischen Statistikbehörde zeigen einen drastischen Einbruch im Tourismussektor: Vier von fünf Hotelzimmern blieben in den ersten neun Monaten des Jahres ungenutzt, die Besucherzahlen sanken deutlich.
22.11.2025 08:03 Uhr
Abbildung: Carol M. Highsmith, Buildings along the Pasedo del Prado in Havana, Cuba, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons
Der kubanische Tourismussektor, lange Zeit als einer der wichtigsten Motoren der Inselwirtschaft betrachtet, erlebt in diesem Jahr einen dramatischen Einbruch. Nach aktuellen Daten der staatlichen Statistikbehörde ONEI lag die durchschnittliche Hotelbelegung zwischen Januar und September bei nur 18,9 Prozent. Anders ausgedrückt: Vier von fünf Hotelzimmern blieben leer – ein Wert, der die Tiefe der Krise deutlicher kaum illustrieren könnte.
Die schwache Auslastung spiegelt einen deutlichen Rückgang der Besucherzahlen wider. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum kamen 20,5 Prozent weniger internationale Gäste auf die Insel. Gleichzeitig brachen die tourismusbezogenen Einnahmen um 12,1 Prozent ein und erreichten lediglich 82,8 Millionen Pesos, was nach offiziellem Wechselkurs rund 690.000 US-Dollar entspricht. Damit rückt das regierungsseitige Jahresziel von 2,6 Millionen Besuchern in weite Ferne. Selbst die Hoffnung, zumindest das schwache Ergebnis von 2024 – 2,2 Millionen Gäste und damit der niedrigste Wert seit 17 Jahren – zu übertreffen, erscheint zunehmend unrealistisch. Besonders schwer wiegt, dass nahezu alle relevanten Herkunftsmärkte rückläufig sind. Zwar bleiben Kanada, Russland und die USA die wichtigsten Quellen internationaler Besucher, doch in fast allen dieser Länder nahm die Zahl der nach Kuba Reisenden spürbar ab. Unter den zehn bedeutendsten Herkunftsländern verzeichnete einzig Argentinien ein Wachstum, mit einem Zuwachs von etwas mehr als sieben Prozent. Auch die Zahl der im Ausland lebenden Kubanerinnen und Kubaner, traditionell ein stabiler Faktor, sank deutlich um 20,7 Prozent. Die Ursachen für den erneuten Absturz sind vielfältig. Zentral ist die schwere wirtschaftliche und energiewirtschaftliche Krise des Landes, die sich deutlich auf die Servicequalität auswirkt – von instabiler Stromversorgung bis zu Engpässen in der Hotellerie und Gastronomie. Hinzu kommen reduzierte Flugverbindungen sowie weiterhin strikte US-Sanktionen, die den internationalen Reiseverkehr zusätzlich belasten. Der Blick auf die vergangenen Jahre verdeutlicht die längerfristige Dimension des Problems: Nach dem pandemiebedingten Tief von 2022 (1,6 Millionen Besucher) stabilisierten sich die Zahlen zwar kurzfristig, blieben jedoch weit unter den Höchstständen der Jahre 2018 und 2019, als die Insel noch von einer Phase diplomatischer Entspannung mit den USA profitierte und bis zu 4,6 Millionen Gäste verzeichnete. Für die kubanische Regierung ist der aktuelle Einbruch eine schwere Hypothek. Der Tourismus gilt als zentrale Quelle harter Devisen und als unverzichtbarer Bestandteil der wirtschaftlichen Erholungsstrategie. Doch angesichts des drastischen Rückgangs, der anhaltenden Infrastrukturprobleme und der geopolitischen Rahmenbedingungen droht das Fundament dieses Sektors weiter zu erodieren. Die nun veröffentlichten Zahlen machen deutlich: Der Weg zurück zu früheren Rekordwerten ist länger – und steiniger – als bislang erhofft.
Quelle: ONEI (https://t1p.de/oop33)
Anzeige (G2)
|
|
Letzte Meldungen
Text: Leon Latozke
Anzeige (G1)
(adsbygoogle = window.adsbygoogle || []).push({});
0 Kommentare
Ihr Kommentar wird veröffentlicht, sobald er genehmigt ist.
Antwort hinterlassen |
|
|
| Anzeige (G3) |