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18.07.2026 08:00 Uhr
Dreiviertel der kubanischen Kanu-Nationalmannschaft ist in Kanada geblieben. Neun von zwölf Athleten kehrten nicht von panamerikanischen Meisterschaften nach Kuba zurück.
Abbildung: Das KI-generierte Symbolbild zeigt keine reale Szene.
Es sollte ein sportlicher Erfolg werden – stattdessen wurde die Reise der kubanischen Kanu-Nationalmannschaft nach Kanada zu einem Fanal für die Fluchtwelle, die das Land erfasst hat. Von den zwölf Athletinnen und Athleten, die zum Weltcup-Rennen und den anschließenden panamerikanischen Meisterschaften vom 13. bis 15. Juli nach Montreal gereist waren, kehren neun nicht auf die Insel zurück.
Wie das kubanische Sportportal Deporcuba berichtete, entschied sich die Mehrheit der Delegation, in Kanada zu bleiben. Zu den drei bereits zuvor bekannt gewordenen "Abtrünnigen" – Lismary Bombino Rasúa, Madelén Heredia Domínguez und Anthony Lamadrid Cabrera – gesellten sich nun sechs weitere Namen: Julio Suárez Hidalgo, Carlos Abreu Herrera, Yisnoli López, Javier Requeiro Gil, Gabriela González Cruz und Daylen Rodríguez. Deporcuba: "Weckruf" für eine überfällige Debatte
Das Fachportal, das dem kubanischen Sportverband nahesteht, wählte ungewöhnlich offene Worte. Der Vorfall solle zu einem Auslöser werden, um die Ursachen zu analysieren, die so viele Athleten zu derart weitreichenden Entscheidungen bewegten, hieß es. Die Vorbereitung auf die bevorstehenden Zentralamerika- und Karibikspiele sei maßgeblich durch die schwierige wirtschaftliche und soziale Lage des Landes belastet worden.
Zugleich betonte das Portal, dass der kubanische Sport lange zu den größten Quellen nationalen Stolzes gezählt habe. Um dieses Vermächtnis zu bewahren, seien tiefgreifende Reformen, tragfähige Lösungen und bessere Rahmenbedingungen für jene erforderlich, die Kuba auf internationaler Ebene vertreten. Ebenso unverzichtbar sei eine offene und ehrliche Auseinandersetzung mit den Herausforderungen des Leistungssports. Kanuverband in Personalnot
Der Journalist Raúl Rodríguez sprach in sozialen Netzwerken von einem beispiellosen Vorgang für die Sportart. Der Ausfall von neun Athletinnen und Athleten dezimiere den kubanischen Kanusport erheblich und zwinge den Verband, mit knapper Zeit Ersatz zu finden – nur wenuge Tage vor Beginn der Zentralamerika- und Karibikspiele, die vom 24. Juli bis 8. August in Santo Domingo, Dominikanische Republik, stattfinden.
Eine offizielle Stellungnahme der Delegation zu den Vorfällen gibt es bislang nicht. In der Gruppe blieben unter anderem die Weltmeisterin und Olympiamedaillengewinnerin Yarisleidis Cirilo sowie José Ramón Pelier Córdoba und Geduar González. Staatsmedien blenden Fluchtwelle aus
Während die regierungsnahen Medien auf der Insel die Serie an Fluchten bislang weitgehend verschweigen, feierten sie stattdessen den 17. Platz im Medaillenspiegel eines Wettbewerbs mit 23 teilnehmenden Ländern. Kuba habe sich zwei Startplätze für die Weltmeisterschaft 2027 in Lima gesichert – in den Bootsklassen C1 und C1-1000 Meter – und damit eines seiner Hauptziele in Montreal erreicht.
Die Fluchtwelle im Kanusport reiht sich ein in eine lange Serie ähnlicher Vorfälle bei kubanischen Sportdelegationen im Ausland, die seit Jahren mit der anhaltenden Wirtschaftskrise, den täglichen Stromausfällen und der Perspektivlosigkeit vieler junger Kubaner in Verbindung gebracht werden.
Quelle: Deporcuba/facebook (https://t1p.de/tqzi7), Raúl Rodríguez/facebook(https://t1p.de/jnmlx)
Autor: Leon Latozke
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