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23.08.2026 08:00 Uhr
Im Osten Kubas liegt eines der letzten großen Kobaltvorkommen außerhalb chinesischer und russischer Kontrolle. Nach den US-Sanktionen vom Mai steht Betreiber Sherritt vor dem Aus — zwei Bietergruppen kämpfen um die Übernahme. Doch das Helms-Burton-Gesetz macht den Kauf zum Risiko.
Es ist ein Übernahmekampf, der in Toronto, Dallas, London und der Schweiz ausgetragen wird — und im Zentrum steht ein Erzvorkommen im Osten Kubas.. In der Provinz Holguín, bei der Hafenstadt Moa, liegt eines der wenigen Lager der westlichen Hemisphäre, aus dem sich Kobalt in militärischer Reinheit gewinnen lässt, außerhalb chinesischer oder russischer Kontrolle. Der bisherige Betreiber, die kanadische Sherritt International, steht vor dem Ende. Zwei Bietergruppen wollen die Reste übernehmen. Und die US-Regierung schaut sehr genau zu, wer den Zuschlag erhält.
Der Absturz
Sherritt, seit 1927 im Geschäft und an der Börse in Toronto notiert, betreibt die Minen von Moa seit über drei Jahrzehnten in einem 50:50-Gemeinschaftsunternehmen mit dem kubanischen Staatskonzern General Nickel Company. Am 1. Mai 2026 unterzeichnete US-Präsident Donald Trump eine Verfügung, die Strafmaßnahmen gegen ausländische Unternehmen im kubanischen Bergbau- und Energiesektor erheblich ausweitete. Sechs Tage später setzte das Außenministerium unter Marco Rubio Moa Nickel S.A. auf die Sanktionsliste — das Gemeinschaftsunternehmen selbst, nicht den kanadischen Mutterkonzern.
Die Wirkung war dennoch verheerend. Sherritt zog sein ausländisches Personal von der Insel ab und setzte die direkte Beteiligung am kubanischen Geschäft aus. Drei Verwaltungsratsmitglieder traten zurück, darunter der Vorsitzende; kurz zuvor hatten bereits die Finanzchefin und die Wirtschaftsprüfer von Deloitte hingeworfen. Mitte Mai kündigte der Konzern an, das Gemeinschaftsunternehmen ganz aufzulösen und die Kontrolle den Kubanern zu überlassen — vier Tage später kassierte er die Ankündigung wieder ein. Die Substanz war da schon angegriffen. Die Mine in Moa hatte im Februar wegen Treibstoffmangels die Förderung eingestellt, eine direkte Folge der Energiekrise, die Kuba seit Monaten lähmt. Im Juni ging der Raffinerie im albertanischen Fort Saskatchewan das Erz aus, und die Anlage stellte den Betrieb ein — ausgerechnet die einzige Kobaltraffinerie Nordamerikas und eine von nur drei Nickelraffinerien des Kontinents. Der Börsenwert des Unternehmens, der 2008 bei rund 4,8 Milliarden kanadischen Dollar gelegen hatte, schrumpfte auf einen Bruchteil; der Kurs fiel Anfang August zeitweise auf 13 kanadische Cent. Zwei Bieter
Der erste Interessent meldete sich noch im Mai aus Dallas: Gillon Capital, das Familienbüro des texanischen Immobilienunternehmers Ray Washburne, der in Trumps erster Amtszeit die staatliche Auslandsinvestitionsbank OPIC geleitet hatte. Eine unverbindliche Absichtserklärung sieht vor, dass Gillon über eine Bezugsoption 55 Prozent der Sherritt-Aktien übernehmen kann. Dazu gehört eine Exklusivitätsfrist, die am 12. Oktober ausläuft.
Der zweite Bieter ist ein Konsortium: der Londoner Fonds Kyma Capital, ohnehin schon einer der größten Aktionäre Sherritts, der Investor Trifon Natsis, Mitgründer des Hedgefonds Brevan Howard, und der Schweizer Rohstoffgigant Glencore, der Verarbeitungs- und Vermarktungskompetenz einbringen würde. Beide Angebote zielen auf dieselben 55 Prozent und sehen vor, dass am Ende eine US-Gesellschaft die Kontrolle hält — anders als Gillon bietet das Konsortium allerdings sofort frisches Kapital. Wer der amerikanische Anker des Konsortiums ist, blieb monatelang offen und nährte Zweifel an der Belastbarkeit des Angebots. Am 21. August lüftete Bloomberg das Geheimnis: Es ist Albert Huddleston, Gründer der Dallas Öl- und Gasfirma Aethon Energy, der seine Erdgasförderung kürzlich für 5,2 Milliarden Dollar verkauft hat und über sein Familienbüro Chota Capital in Dallas investiert. Warum Washington mitspielt
Ohne eine Genehmigung aus Washington kommt keine der beiden Übernahmen zustande — die US-Regierung hat den Konzern durch ihre Sanktionen erst in diese Lage gebracht.
Aus der Trump-Regierung heißt es, man sähe Sherritt am liebsten unter Kontrolle einer US-Gesellschaft, damit das kubanische Erz in amerikanische, vorzugsweise militärische Verwendung fließt. Belegt ist diese Präferenz allerdings nur durch ungenannte Quellen; eine offizielle Position hat die Administration nicht formuliert. Dass beide Bieter eine US-Gesellschaft an die Spitze der Konstruktion setzen wollen, zeigt vor allem, wofür die Investoren ihre Genehmigungschancen am höchsten einschätzen. Der Grund für das Interesse der US-Regierung heißt Kobalt. Das Verteidigungsministerium will rund 7.480 Tonnen legierungsfähiges Kobalt für etwa 500 Millionen Dollar einkaufen, um die strategischen Reserven wieder aufzufüllen — in einem Land, das kaum eigene Raffineriekapazitäten besitzt. Aus der Regierung heißt es, man sähe Sherritt am liebsten unter Kontrolle einer US-Gesellschaft, damit das kubanische Erz in amerikanische, vorzugsweise militärische Verwendung fließt. Ausgerechnet die Embargogesetzgebung könnte dem im Weg stehen. Das Helms-Burton-Gesetz von 1996 erlaubt Klagen gegen jeden, der mit nach 1959 verstaatlichtem Eigentum "handelt", und sein Anwendungsbereich hat sich durch jüngste Entscheidungen des Supreme Court erweitert. Ende Juli verklagte Atlas Holdings, Eigentümerin von Office Depot und Inhaberin der Rechte an der früheren Cuban Electric Company, den kubanischen Stromversorger Unión Eléctrica und den Gemeinschaftsbetrieb Energas — an dem Sherritt 30 Prozent hält — auf 267,5 Millionen Dollar zuzüglich Zinsen seit 1960. Mit der im Gesetz vorgesehenen Verdreifachung des Schadenersatzes könnten daraus rund 802,7 Millionen Dollar werden. Vertreten wird Atlas von Steptoe LLP, derselben Kanzlei, die ExxonMobil in dessen vom Supreme Court gestütztem Verfahren gegen Cimex und Cupet vertritt. Damit steht fest: Wer Sherritt übernimmt, kauft nicht nur Anteile an Moa, sondern auch die Haftung für Dutzende Ansprüche mit. Und anders als in den Verfahren gegen die Kreuzfahrtreedereien hat der Supreme Court bereits klargestellt, dass eine Lizenz der Exekutive Betroffene nicht daran hindert, nach Titel III zu klagen. Ein Segen des Weißen Hauses schützt den Käufer also nicht. Was passiert, wenn nichts passiert
Vom Bieterwettbewerb profitiert vorerst ausgerechnet Havanna: Mit dem steigenden Aktienkurs wächst der Buchwert des kubanischen Anteils am Gemeinschaftsunternehmen und an der Raffinerie in Alberta — und die Schulden, die Kuba bei Sherritt hat, schrumpfen anteilig.
Kommt bis zum 12. Oktober kein verbindlicher Vertrag zustande, halten viele Beobachter ein Gläubigerschutzverfahren nach dem kanadischen Companies' Creditors Arrangement Act für wahrscheinlich, dem Pendant zu Chapter 11 in den USA. Am Grundgeschäft ändert das wenig: Die Mine bleibt eine 50:50-Beteiligung mit dem kubanischen Staatskonzern, der Boden gehört nach kubanischer Verfassung ohnehin dem Staat. Ein Käufer der 55 Prozent an Sherritt käme rechnerisch auf gut ein Viertel des wirtschaftlichen Ertrags aus Moa. Havanna bleibt Miteigentümer eines der begehrtesten Kobaltvorkommen der westlichen Welt — wer auch immer in Toronto am Ende das Sagen hat. Autor: Leon Latozke
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