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26.08.2026 08:00 Uhr
Es ist einer der teuersten Wirkstoffe der modernen Onkologie – und für kubanische Patienten praktisch unerreichbar. Nun will Kuba eine eigene Version in die klinische Prüfung bringen.
Abbildung: Symbolbild. Havanna entwickelt einen eigenen PD-1-Blocker
Der Kandidat trägt die Bezeichnung 2C12. Nach Angaben des Centro de Inmunología Molecular (CIM) in Havanna soll er nach demselben Prinzip wirken wie Pembrolizumab: Das Molekül blockiert den Immun-Checkpoint PD-1 auf T-Zellen und hebt damit die Bremse auf, mit der sich Tumorzellen der Immunabwehr entziehen. Der US-Konzern Merck vermarktet das Original unter dem Namen Keytruda – mit weltweit mehr als 25 Milliarden Dollar Jahresumsatz das umsatzstärkste Krebsmedikament überhaupt.
Geprüft wird 2C12 zunächst bei Patienten mit fortgeschrittenem schwarzen Hautkrebs – also Fällen, die operativ nicht mehr zu behandeln sind oder bereits gestreut haben. Beteiligt sind drei Einrichtungen: das Nationale Institut für Onkologie und Radiobiologie (INOR) und das Hospital Hermanos Ameijeiras in Havanna sowie das onkologische Universitätskrankenhaus Celestino Hernández Robau in Villa Clara.
Die staatliche Zeitung Granma stellt selbst klar, dass sich der Wirkstoff in der Forschungsphase befindet und Wirksamkeit wie Sicherheit erst durch die Studien zu belegen sind. Ein Zeitplan für Folgephasen wurde nicht genannt, ebenso wenig die Zahl der einzuschließenden Patienten.
Das 1994 gegründete CIM ist das Vorzeigeinstitut der kubanischen Biotechnologie. Aus seinen Laboren stammen der EGFR-Antikörper Nimotuzumab, die Lungenkrebs-Impfung CIMAvax-EGF und der Antikörper Racotumomab – Produkte, die teils in Drittländern zugelassen sind und für die Insel Devisen erwirtschaften. Die Fähigkeit, monoklonale Antikörper im eigenen Haus zu entwickeln und zu produzieren, ist damit belegt. Der Sprung zu einem PD-1-Blocker ist gleichwohl anspruchsvoll: Checkpoint-Inhibitoren gelten in Herstellung, Qualitätskontrolle und Nebenwirkungsmanagement als deutlich komplexer als frühere Antikörpergenerationen.
Staatliche Medien ordnen das Projekt vor allem als Antwort auf die US-Sanktionen ein und sprechen von einem Wirtschaftskrieg Washingtons. Diese Deutung ist Teil des offiziellen kubanischen Narrativs. Belastbar ist der Befund, dass die Vizeministerin für Gesundheit, Carilda Peña García, zuletzt Beeinträchtigungen der Behandlungsprotokolle durch Treibstoffmangel und Finanzhürden bei der Beschaffung eingeräumt hat.
Ökonomisch kommt allerdings ein Faktor hinzu, der mit der Blockade wenig zu tun hat: Der Preis. Eine Einzeldosis Keytruda kostet in Europa rund 8.000 Euro – eine Summe, die kein kubanisches Gesundheitsbudget trägt. Hinzu kommt: Das zentrale US-Stoffpatent läuft 2028 aus, in Europa früher; weltweit stehen mehrere Pembrolizumab-Biosimilars kurz vor der Zulassungsreife. Ein eigener Checkpoint-Hemmer wäre für Kuba damit weniger ein Notbehelf als ein möglicher Exportartikel in einem Markt, der sich gerade öffnet.
Quellen: teleSUR, Granma, Radio Rebelde, Escambray, CubaNet, Excélsior, Pharmazeutische Zeitung, Pharmacy Times
Autor: Leon Latozke
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