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Der Oberste Volksgerichtshof Kubas hat die lebenslange Haftstrafe gegen den ehemaligen Wirtschaftsminister und stellvertretenden Ministerpräsidenten Alejandro Gil bestätigt. Der hochrangige Politiker, einst enger Vertrauter von Präsident Díaz-Canel, gilt als ranghöchster Fall politischer Strafverfolgung in Kuba seit 15 Jahren.
24.01.2026 07:10 Uhr
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Der Oberste Volksgerichtshof Kubas hat die lebenslange Freiheitsstrafe gegen den ehemaligen Wirtschaftsminister und stellvertretenden Ministerpräsidenten Alejandro Gil bestätigt. Das Gericht wies damit die Berufungen der Verteidigung gegen die beiden zuvor im Dezember 2025 verhängten Urteile zurück. Gil war wegen Spionage zu lebenslanger Haft verurteilt worden; zusätzlich erhielt er eine zwanzigjährige Strafe für Korruption, Bestechung, Steuerhinterziehung und Geldwäsche.
Gil, der bis zu seiner Entlassung im Februar 2024 zu den engsten Vertrauten von Präsident Miguel Díaz-Canel gehörte und Mitglied des Politbüros der Kommunistischen Partei Kubas (PCC) war, gilt als der ranghöchste Politiker, der in den vergangenen 15 Jahren öffentlich in Ungnade fiel. Nach seiner Amtsenthebung leitete die Justiz Ermittlungen gegen ihn ein, nachdem „schwerwiegende Fehler“ im Umgang mit offiziellen Informationen festgestellt worden waren. Die formelle Anklage umfasste insgesamt elf Delikte, wobei der Spionagevorwurf im Zentrum stand. In ihrer Urteilsbegründung erklärte der Oberste Gerichtshof, Gil habe „die Führung des Landes und das Volk, das er vertrat, getäuscht und dadurch der Wirtschaft geschadet“. Zudem habe er vertrauliche Informationen missbraucht und sie „den Diensten des Feindes zugänglich gemacht“. Das Gericht betonte, Verrat an der Heimat sei das schwerwiegendste Verbrechen und werde mit den strengsten Strafen geahndet. Während seiner Amtszeit hatte Gil als prominentestes Gesicht der kubanischen Regierung die Umsetzung der 2021 eingeführten „Tarea Ordenamiento“ geleitet. Diese Reform sollte die Zweite-Währungsregelung beenden, führte jedoch zu einem dramatischen Wertverlust des kubanischen Pesos und ebnete den Weg für die zunehmende Nutzung des US-Dollars auf der Insel. Zudem war Gil für die Öffnung der Wirtschaft für kleine private Unternehmen verantwortlich und leitete erste Maßnahmen zur Stabilisierung der Wirtschaft, darunter stark umstrittene Preiserhöhungen bei Treibstoff. Der Fall Gil gilt als bislang höchstrangiger politischer Zusammenbruch in Kuba seit mehr als einem Jahrzehnt. Mit der endgültigen Bestätigung der Strafen sendet das Regime ein deutliches Signal: Politische Nähe schützt nicht vor strafrechtlicher Verfolgung, wenn Verrat oder schwere wirtschaftliche Fehlentscheidungen nachgewiesen werden.
Quelle: ACN (https://t1p.de/beszm)
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