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Der kubanische Architekt Julio César Pérez Hernández warnt vor dem drohenden Verlust eines zentralen Bestandteils des kulturellen Erbes Kubas: den Patios. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur EFE betonte er deren historische und identitätsstiftende Bedeutung und kritisierte die unzureichenden Bemühungen um den Erhalt der Architektur.
26.08.2025 16:03 Uhr
Der kubanische Architekt und Hochschullehrer Julio César Pérez Hernández warnt vor einem Verlust des kulturellen Erbes seines Heimatlandes. In einem Interview mit der spanischen Nachrichtenagentur EFE erklärte er, die Behörden auf der Insel hätten „einen Schatz in den Händen, den sie nicht sehen“. Gemeint ist die traditionelle Architektur Kubas – insbesondere die Patios, die für Pérez Hernández das Herzstück der städtischen Baukultur darstellen.
Der Architekt stellte jüngst in Miami sein Buch Patios de Cuba vor, Ergebnis von mehr als drei Jahrzehnten Forschung. Das Werk versteht er als „Reise durch Geschichte, Kultur und Erbe der Insel“ und zugleich als Warnung vor dem fortschreitenden Verfall. Die Innenhöfe, seit Jahrhunderten prägendes Element der kubanischen Architektur, seien nach seiner Einschätzung das älteste und wichtigste Kompositionselement nicht nur in Kuba, sondern weltweit. Ihre Geschichte reiche bis in die frühen Hochkulturen Asiens, des Nahen Ostens und Europas zurück und sei nach der Ankunft der Spanier in Amerika in der Baukultur der Karibik aufgegangen. Die Besonderheit der kubanischen Patios liege, so Pérez Hernández, in ihrer Anpassung an Klima, Materialien und soziale Bedürfnisse. Daraus sei eine „unglaubliche Vielfalt“ entstanden. Patios seien geschlossene, geschützte Räume, die gleichzeitig offen zum Himmel stünden und damit eine symbolische Verbindung zwischen Mikro- und Makrokosmos herstellten. Für Generationen von Kubanern seien sie Orte des Spiels, des Zusammenlebens und der Erinnerung gewesen. Im Gespräch mit EFE kritisierte der Architekt, die Mittel, die in den vergangenen Jahren für Restaurierungen nach Havanna geflossen seien, hätten bei Weitem nicht ausgereicht. Zwar sei die Altstadt seit 1982 UNESCO-Weltkulturerbe, doch sei der Bestand an historischen Bauten deutlich größer, als mit den vorhandenen Ressourcen gesichert werden könne. „Die Städte und Dörfer Kubas sind im Begriff, ihr Gesicht zu verlieren“, so Pérez Hernández. Er wirft den Behörden Nachlässigkeit vor und spricht von einem Defizit an bürgerschaftlichem und patriotischem Verantwortungsbewusstsein. Kultur, betont er, sei über Jahrhunderte gewachsen und überdauere politische Systeme – die kubanische Regierung existiere erst seit gut sechs Jahrzehnten, die Kulturgeschichte der Insel aber seit mehr als 500 Jahren. Auch Ricardo Álvarez-Díaz, Mitautor des Vorworts zu Patios de Cuba, sieht in den Innenhöfen ein zentrales identitätsstiftendes Element. Sie seien nicht nur in Kuba, sondern weltweit Ausdruck einer jahrtausendealten Tradition, die bis heute eine zeitlose und universelle Bedeutung habe. „Die Verlust kultureller Räume betrifft nicht nur Kuba, er mindert die Lebensqualität und die Menschlichkeit überall“, sagte er. Mit der Veröffentlichung des Buches verfolgt Pérez Hernández zwei Ziele: die Bewahrung des kollektiven Gedächtnisses und die Sensibilisierung für die Dringlichkeit, das architektonische Erbe zu schützen. Die Publikation ist reich bebildert mit Karten, Plänen und Fotografien und soll nach Aussage des Autors auch künftige Generationen von Architekten für die Bedeutung dieser Räume sensibilisieren. Bereits jetzt arbeitet er an einem weiteren Projekt, das dem urbanistischen Erbe Havannas gewidmet ist. Der Architekt, erster und bislang einziger kubanischer Loeb Fellow an der Harvard University Graduate School of Design, hat sich international einen Namen gemacht und war unter anderem mit einem Masterplan für die Zukunft Havannas befasst. Für ihn ist der Patio mehr als ein historisches Relikt: Er steht für eine architektonische Konstante, die Funktionalität, soziale Erfahrung und spirituelle Dimension verbindet. „Ein Gebäude ohne Patio ist ein Gebäude ohne Seele“, betonte Pérez Hernández in Miami.
Quellen: EFE (https://t1p.de/vicba), Andelani Press (https://t1p.de/x7f2g), Diarios de las Americas (https://t1p.de/9qr4h)
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Text: Leon Latozke
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