Neues aus Kuba
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500 Peso für einen Dollar: Kubas Währung erreicht im informellen Handel ein Rekordtief. Seit Jahresbeginn verlor sie deutlich an Wert. Während die Wirtschaft in der Rezession steckt, öffnet sich die Schere zwischen staatlichem und tatsächlichem Wechselkurs weiter.
11.02.2026 17:20 Uhr
Abbildung: Foto von Ricardo IV Tamayo auf Unsplash
Der kubanische Peso hat auf dem informellen Devisenmarkt einen historischen Tiefstand erreicht. Wie das unabhängige Medium El Toque am Dienstag berichtete, fiel der Wechselkurs auf 500 Peso pro US-Dollar. Seit Jahresbeginn hat die kubanische Währung damit gegenüber dem Dollar rund 15 Prozent an Wert verloren.
Die neue Marke steht exemplarisch für die anhaltende wirtschaftliche Schieflage der Insel. Kuba befindet sich seit rund sechs Jahren in einer tiefen Krise, geprägt von Versorgungsengpässen bei grundlegenden Gütern, hoher Inflation, Produktionsrückgängen und täglichen, teils stundenlangen Stromausfällen. Hinzu kommt eine wachsende außenpolitische Anspannung: Der von Washington verstärkte Druck auf Kuba – insbesondere durch Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Ölfluss aus Venezuela – hat die Unsicherheit zusätzlich verschärft. Der nun erreichte Kurs gilt als Referenzwert für den informellen Markt, der in der Praxis von weiten Teilen der Bevölkerung und auch von unabhängigen Ökonomen als maßgeblich angesehen wird. Die Abwertung des Peso ist kein neues Phänomen, sondern setzt einen Trend fort, der seit der gescheiterten Währungsreform von 2021 anhält. Mit der sogenannten „Tarea Ordenamiento“ wurde das bis dahin bestehende Doppelwährungssystem beendet. Neben dem kubanischen Peso existierte zuvor ein konvertibler Peso, der an den US-Dollar gekoppelt war. Die Reform zielte auf Vereinheitlichung und Transparenz, führte jedoch nicht zur erhofften Stabilisierung. In den vergangenen Monaten hat sich die Abwertung laut den von El Toque veröffentlichten Daten weiter beschleunigt. Parallel dazu versuchten Regierung und Zentralbank (Banco Central de Cuba, BCC), die offiziellen Wechselkurse schrittweise an die Realität anzupassen – ein indirektes Eingeständnis der Diskrepanz zwischen staatlich festgelegten und informellen Kursen. Zu Beginn des Jahres 2021 lag der offizielle Wechselkurs noch bei 24 Peso pro US-Dollar. Im August 2022 wurde diese Rate ausschließlich für juristische Personen beibehalten. Für Privatpersonen sowie kleine und mittlere Unternehmen wurde ein neuer offizieller Kurs von 120 Peso pro Dollar eingeführt. Angesichts einer sich verschärfenden Rezession und eines wachsenden Abstandes zwischen offiziellen und inoffiziellen Kursen kündigte die Zentralbank im Dezember 2024 eine dritte Wechselkurskategorie an. Dieses Segment richtet sich an bestimmte Devisenhalter und basiert auf einem täglich neu festgelegten, flexiblen Kurs. Zum Start lag dieser bei 410 Peso pro Dollar. Am Mittwoch notierte er bei 455 Peso – und blieb damit deutlich unter dem informellen Marktwert von 500 Peso. Die wachsende Differenz verstärkt laut dem Bericht bestehende Verzerrungen innerhalb der Volkswirtschaft. Die wirtschaftliche Lage wird zusätzlich von politischen Spannungen begleitet. Das Medium El Toque, das als zentrale Referenz für den informellen Wechselkurs gilt, sah sich wiederholt staatlichem Druck ausgesetzt. Dazu zählten Maßnahmen gegen Journalistinnen und Journalisten auf der Insel, von denen viele das Land inzwischen verlassen haben, sowie öffentliche Kampagnen zur Diskreditierung durch offizielle Stellen. Der historische Tiefstand des Peso verdeutlicht die strukturellen Probleme der kubanischen Wirtschaft. Die anhaltende Abwertung verschärft die soziale und wirtschaftliche Unsicherheit – und unterstreicht die Kluft zwischen offizieller Währungspolitik und der Realität auf der Straße.
Quelle: EFE (https://t1p.de/b3344)
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