Neues aus Kuba
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23.07.2026 10:00 Uhr
Kubas Einwohnerzahl sinkt dramatisch: 2025 verließen netto 245.264 Menschen die Insel. Havanna verlor allein fast 100.000 Einwohner.
Abbildung: Three generations of women, Marjorie Kaufman von MiltonPoint, Zuschnitt KUBAKUNDE, CC BY-SA 4.0
Kuba erlebt eine demografische Entwicklung, wie sie kaum ein Land in Friedenszeiten kennt. Nach offiziellen Daten des staatlichen Statistikamts ONEI verließen im Jahr 2025 exakt 313.414 Menschen die Insel endgültig. Zwar kehrten 72.056 Kubaner zurück, doch unter dem Strich blieb ein Wanderungsverlust von 245.264 Personen – fast eine Viertelmillion Einwohner in nur zwölf Monaten.
Damit reiht sich 2025 in eine Serie historisch beispielloser Abwanderungswellen ein. Den traurigen Rekord hält weiterhin das Jahr 2022, als eine halbe Million Kubaner das Land verließen. 2023 waren es 330.000, 2024 noch 307.961. Die Gesamtbevölkerung Kubas sank damit zum Jahresende 2025 auf 9.434.593 Menschen. Havanna, Matanzas und der Osten am stärksten betroffen
Die Hauptstadt Havanna verzeichnete mit 98.773 Auswanderern den mit Abstand größten Aderlass, gefolgt von den Provinzen Matanzas, Villa Clara, Santiago de Cuba und Camagüey, die jeweils mehr als 20.000 Einwohner verloren. Zwischen 10.000 und 15.500 Menschen wanderten aus Holguín, Sancti Spíritus, Cienfuegos, Ciego de Ávila, Las Tunas und Mayabeque aus. Die geringsten Verluste meldeten Guantánamo, Pinar del Río, Artemisa, Granma und die Isla de la Juventud.
Sinkende Geburten, steigende Sterblichkeit
Neben der Auswanderung verschärft eine dramatisch negative natürliche Bevölkerungsbilanz die Krise: 2025 kamen nur 68.051 Kinder zur Welt, während 134.354 Menschen starben – ein negativer natürlicher Saldo von 66.303 Personen. Besonders alarmierend ist die Kindersterblichkeit, die landesweit bei 9,9 pro 1.000 Lebendgeburten liegt. In Havanna erreicht sie mit 14,2 einen Wert, der eher an ärmere Regionen Lateinamerikas erinnert als an ein Land, das noch vor wenigen Jahren mit Werten zwischen 3 und 5 pro 1.000 Geburten zu den Spitzenreitern Lateinamerikas zählte. Auf der Isla de la Juventud liegt die Rate bei 12,9, in Camagüey bei 12,4.
Parallel altert die Gesellschaft rapide: Das Durchschnittsalter der kubanischen Bevölkerung stieg binnen vier Jahren um zwei Punkte auf 43 Jahre, der Median liegt bei 45 Jahren. Frauen sind mit durchschnittlich 44,1 Jahren etwas älter als Männer mit 42,9 Jahren. Neue Migrationsgesetze sollen Rückkehr erleichtern
Die Zahlen wurden just an dem Tag bekannt, an dem die staatliche Nachrichtenseite Cubadebate ein Sonderdossier zu den neuen Migrations-, Staatsbürgerschafts- und Ausländergesetzen veröffentlichte, die im Mai in Kraft traten. Oberst Mario Méndez Mayedo, Chef der Einwanderungsbehörde des Innenministeriums, erläuterte darin insbesondere die erweiterte Definition der „effektiven Residenz". Bislang mussten Ausländer 180 Tage im Jahr auf der Insel verbringen, um diesen Status zu erhalten. Künftig genügen bereits 120 Tage, sofern eine familiäre, berufliche, wirtschaftliche oder vermögensrechtliche Bindung zu Kuba nachgewiesen wird.
Ob Ausländer mit diesem Status künftig auch wählen dürfen, ließ Méndez offen – das werde separat im Wahlgesetz geregelt. Der Verzicht auf die kubanische Staatsbürgerschaft ist erstmals reguliert und kann im Ausland beantragt werden. Kinder von Kubanern behalten das Recht, diese zu beantragen. Kinder von Kubanern behalten das Recht, die Staatsbürgerschaft zu beantragen. Im Ausland lebende Kubaner können sich künftig unbegrenzt lange in Kuba aufhalten, ohne Aufenthaltsgenehmigungen verlängern zu müssen – sofern sie mit gültigem kubanischem Pass einreisen. Neu ist auch die Kategorie „Investition und Migration für Geschäftszwecke", die ausländischen Investoren während ihres Aufenthalts dieselben Rechte wie kubanischen Staatsbürgern einräumt, sowie der Status des „humanitären Residenten". Offiziell wird zudem erstmals eine eigene Migrationspolizei geschaffen, die unter anderem für die "Durchsetzung von Gerichtsentscheidungen" im Bereich Migration zuständig sein soll. Wie viele Ausländer tatsächlich dauerhaft nach Kuba ziehen wollen, verrät die Regierung nicht. Autor: Leon Latozke
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