Neues aus Kuba
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06.07.2026 07:00 Uhr
Ein technischer Defekt, ein überaltetes Kraftwerk, ein wachsender Bedarf: Kuba verzeichnete am Wochenende einen neuen Rekord bei den Stromausfällen. Die Hintergründe der Krise im Überblick.
Abbildung: Das KI-generierte Symbolbild zeigt keine reale Szene.
Kuba hat am vergangenen Wochenende offenbar den schwersten Stromausfall seiner jüngeren Geschichte erlebt. Wie der staatliche Stromversorger Unión Eléctrica (UNE) für Sonntag (5,) prognostiziert hatte, waren zeitweise bis zu 72 Prozent der Insel gleichzeitig ohne Elektrizität – und zwar während der Stunden mit dem höchsten Verbrauch. Damit übertraf der Sonntag den bis dahin schon als historisch geltenden Wert vom Freitag, als rund 71 Prozent des Landes zur Spitzenlastzeit ohne Strom waren. Für Sonntag hatte UNE mit einer Erzeugungskapazität von lediglich 1.000 Megawatt (MW) gerechnet, während die Nachfrage auf bis zu 3.100 MW stieg. Die daraus resultierende Lücke von rund 2.200 MW musste durch gezielte Lastabwürfe von etwa 2.230 MW aufgefangen werden, um einen unkontrollierten Zusammenbruch des Netzes zu verhindern. In Teilen Havannas dauerten die Abschaltungen zuletzt bereits mehr als 20 Stunden am Tag.
Ein Kraftwerk als Achillesferse Im Zentrum der aktuellen Misere steht erneut das Wärmekraftwerk Antonio Guiteras im Westen der Insel, das leistungsstärkste und wichtigste Kraftwerk des Landes. Es fiel bereits am 3. Juli in den frühen Morgenstunden aus – vermutlich wegen eines Defekts im Wärmetauscher. Nach Angaben der Betriebsleitung muss der Kessel nun mehr als 48 Stunden auf natürliche Weise abkühlen, da die Anlage nicht kontrolliert heruntergefahren werden konnte. Erst danach lässt sich das tatsächliche Ausmaß des Schadens feststellen. Bemerkenswert: Es handelt sich bereits um den 17. Ausfall der Guiteras allein in diesem Jahr – ein Wert, der die strukturelle Erschöpfung der Anlage unterstreicht. Das Kraftwerk ist seit 38 Jahren in Betrieb und wurde bislang nie grundlegend überholt. Als einziges kubanisches Kraftwerk läuft es mit heimischem Rohöl, das über eine eigene Pipeline zugeführt wird – ein technisches Alleinstellungsmerkmal, das im Störungsfall aber auch bedeutet, dass keine gleichwertige Alternative kurzfristig einspringen kann. Verschärft wurde die Lage durch einen weiteren Zwischenfall: Ein Defekt in einem Umspannwerk in Havanna verursachte Schwankungen im Verbundnetz und führte zur ungeplanten Abschaltung der Blöcke Renté 3 und Felton 1. Immerhin konnte Block 1 der Felton mittlerweile mit steigender Einspeiseleistung wieder ans Netz gebracht werden, ergänzt durch zusätzliche Einheiten des Wärmekraftwerks Energas Varadero zur Grundlastsicherung. Dennoch bleibt die Erzeugungskapazität landesweit knapp. Sonne als Silberstreif, aber kein Ersatz für die Nacht Einen gewissen Ausgleich schafft der beschleunigte Ausbau der Solarenergie: Seit März des Vorjahres wurden mit chinesischer Unterstützung 54 Solarparks errichtet, die am vergangenen Wochenende binnen 24 Stunden zusammen 4.618 Megawattstunden lieferten und mittags bis zu 718 MW einspeisten. Ergänzt wird dies durch Kubas ersten 50-Megawatt-Batteriespeicher, der kürzlich in Betrieb ging und zur Stabilisierung des Netzes beiträgt. Das strukturelle Problem der kubanischen Photovoltaik bleibt jedoch offensichtlich: Ausgerechnet in den Abend- und Nachtstunden, wenn der Bedarf besonders hoch und die thermischen Kraftwerke ohnehin überlastet sind, liefert die Sonne keinen Strom. Die Solarenergie entlastet also tagsüber, kann die eigentliche Versorgungskrise aber nicht lösen, solange Speicherkapazitäten in diesem Umfang die Ausnahme bleiben. Sanktionen, Investitionsstau und ein Streit um die Ursachen Die kubanische Regierung macht in erster Linie die im Januar von US-Präsident Donald Trump verschärfte Erdölblockade für die Eskalation verantwortlich und spricht von einer "genozidalen" Politik der wirtschaftlichen Erdrosselung. Tatsächlich benötigt Kuba täglich etwa 100.000 Barrel Öl, kann aber nur rund 40.000 Barrel selbst fördern – die Differenz muss importiert werden, was durch die Sanktionen zunehmend erschwert wird, ebenso wie die Beschaffung von Ersatzteilen und Technologie für die alternden Wärmekraftwerke. Unabhängige Beobachter zeichnen allerdings ein differenzierteres Bild: Neben den Sanktionen gelten die chronische Unterfinanzierung des Energiesektors, die veraltete Erzeugungs- und Verteilinfrastruktur sowie ein jahrzehntelanger Investitionsstau als mindestens ebenso gewichtige Ursachen. Schätzungen zufolge wären zwischen 8 und 10 Milliarden US-Dollar nötig, um das kubanische Stromnetz vollständig zu sanieren und eine stabile Versorgung wiederherzustellen – eine Summe, die angesichts der wirtschaftlichen Lage des Landes in weiter Ferne liegt. Sozialer Druck wächst Dass die Bevölkerung die andauernden Abschaltungen nicht länger stillschweigend hinnimmt, zeigten bereits Ende Mai Straßenproteste gegen die Stromkrise. Mit Blackout-Werten von über 70 Prozent dürfte sich dieser Unmut in den kommenden Wochen kaum legen. Kubas Energieversorgung bewegt sich damit an einem Punkt, an dem technische Pannen, strukturelle Vernachlässigung und geopolitischer Druck sich gegenseitig verstärken – mit unmittelbaren Folgen für den Alltag von Millionen Menschen auf der Insel.
Quellen: Swissinfo/EFE (https://t1p.de/rqmvq), Cubadebate (https://t1p.de/xzox8, https://t1p.de/tka6m, https://t1p.de/6saej), Telesur (https://t1p.de/6oign)
Autor: Leon Latozke
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