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27.08.2026 23:30 Uhr
Eine Störung hat den Osten Kubas vom Stromnetz getrennt. Von Holguín bis Guantánamo blieben rund 3,4 Millionen Menschen ohne Versorgung, mehrere Kraftwerksblöcke fielen aus. Es ist der zweite Teilausfall im August.
Abbildung: Auslöser Photovoltaik? Wärmekraftwerke liefern synchrone Erzeugung und dämpfen Frequenzsprünge, Solarparks speisen über Wechselrichter ein und schwanken schnell.
Blackout in Ostkuba: Leistungspendelung trennt vier Provinzen vom StromnetzDer Osten Kubas ist am Donnerstagnachmittag vom nationalen Stromnetz abgetrennt worden. Auslöser war nach Angaben der staatlichen Unión Eléctrica (UNE) sogenannte Leistungspendelungen (Oszillationen) in den Hochspannungsleitungen – ein Aufschaukeln von Leistungsfluss und Frequenz zwischen Kraftwerken oder Netzregionen, das sich binnen Sekunden verstärken kann und die Schutzeinrichtungen zwingt, betroffene Anlagen vom Netz zu nehmen. Genau das geschah: Mehrere Kraftwerksblöcke fielen aus dem Verbund. Betroffen war das Gebiet von Holguín bis Guantánamo – eine Region, in der rund 3,4 Millionen Menschen leben.
Kubas nationale Netzleitstelle sprach von einer „extremen Störung". Nach der Trennung seien sofort Maßnahmen ergriffen worden, um die Stabilität des Netzes im Zentrum und Westen der Insel zu sichern – eine Formulierung, die darauf hindeutet, dass die Schutzeinrichtungen die Störung eingrenzen konnten, bevor sie zum landesweiten Zusammenbruch führte. Welche Blöcke genau ausfielen, wird unterschiedlich berichtet. Die UNE nannte in ihrer Mitteilung vier Einheiten: Block 1 des Wärmekraftwerks Lidio Ramón Pérez („Felton") in Holguín, Block 6 des Kraftwerks Diez de Octubre in Nuevitas, Block 2 des Kraftwerks Ernesto Guevara de la Serna sowie Block 6 des Kraftwerks Antonio Maceo („Renté") in Santiago de Cuba. Mehrere Medien führen nur drei Einheiten auf und lassen den Guevara-Block aus. Bemerkenswert ist, dass mit Nuevitas und dem Guevara-Kraftwerk auch Anlagen außerhalb der abgetrennten Region betroffen waren – ein Hinweis darauf, dass die Störung das gesamte Verbundnetz erfasste. Ein System ohne Reserve
Die Störung traf ein Netz, das an diesem Tag ohnehin kaum Spielraum hatte. Für die Abendspitze hatte die UNE eine verfügbare Leistung von 1.170 Megawatt bei einer Nachfrage von 3.200 Megawatt angekündigt; rund 2.060 Megawatt der Nachfrage konnten voraussichtlich nicht gedeckt werden. Bis zu 64 Prozent der Insel sollten zeitgleich ohne Strom sein. Acht der 16 thermischen Blöcke standen still, teils wegen Havarien, teils wegen Wartungsarbeiten. Hinzu kamen 106 stillstehende Anlagen der dezentralen Erzeugung, für die kein Kraftstoff verfügbar war, sowie die außer Betrieb befindlichen Kraftwerksschiffe in Regla und Melones.
Kubas Wärmekraftwerke decken rund 40 Prozent des kubanischen Strommixes ab und laufen mit heimischem Rohöl. Weitere rund 40 Prozent entfallen auf die dezentrale Erzeugung mit importiertem Diesel und Schweröl – dieser Teil liegt weitgehend still. Die verbleibenden 20 Prozent stammen aus Gas und erneuerbaren Quellen, vor allem aus Solarparks, die mit chinesischer Unterstützung errichtet wurden. In Havanna dauern die Abschaltungen inzwischen regelmäßig bis zu 20 Stunden am Stück, in den übrigen Provinzen bis zu 40 Stunden. Für den Kraftstoffmangel macht die kubanische Regierung die im Januar von der US-Regierung verhängte Ölblockade verantwortlich. In diesem Jahr ist lediglich ein einziger Tanker – die russische „Anatoly Kolodkin" mit 100.000 Tonnen – in einem kubanischen Hafen angekommen. Unabhängige Beobachter verweisen darauf, dass die Treibstoffversorgung schon vor 2026 an fehlenden Devisen scheiterte. Macht Photovoltaik Kubas Stromnetz instabiler?
Es ist nicht der erste Fall dieser Art. Bereits am 21. März und am 14. Juli führten offiziell ähnlich beschriebene Vorgänge zu landesweiten Zusammenbrüchen; Anfang August löste ein Gewitter denselben Effekt aus. Insgesamt zählt Kuba 2026 sieben vollständige Netzzusammenbrüche, dazu mehrere großflächige Teilungen – zuletzt am 1. August, als der Westen der Insel fast sieben Stunden ohne Strom war.
Die Häufung dieser Vorgänge fällt in eine Phase, in der die Regierung im Eiltempo Photovoltaik zubaut. Ein kausaler Zusammenhang lässt sich bisher nicht herstellen. Das strukturelle Problem ist gleichwohl bekannt: Wärmekraftwerke liefern synchrone Erzeugung und dämpfen Frequenzsprünge, Solarparks speisen über Wechselrichter ein und schwanken schnell. Moderne Netze fangen das über Batteriespeicher, elektronische Regelung und ausreichende Erzeugungsreserve ab – Kuba verfügt über alle drei nur in geringem Umfang. Präsident Miguel Díaz-Canel räumte im März ein, dass Solarparks tagsüber gedrosselt werden müssten, um die Frequenz zu halten und „einen weiteren Blackout zu vermeiden"; Batteriespeicher wie die Anlage in El Cotorro sollen das abfedern.
Quellen: EFE, 14ymedio, teleSUR, Directorio Cubano, Cubanos por el Mundo, Cubadebate, Granma, Unión Eléctrica
Autor: Leon Latozke
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