Neues aus Kuba
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In Kuba sind tägliche Stromausfälle längst Normalität geworden, doch leiden die Bewohner unter dem sogenannten „Quita y Pon“: unregelmäßige Stromunterbrechungen, die Geräte zerstören und Aufzüge lahmlegen.
15.02.2026 08:30 Uhr
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In den Wohnblocks von Havannas Viertels Alamar gehört es längst zum Alltag: Aufzug stehen geblieben, Elektrogeräte durchgebrannt, Licht aus – und das mehrmals täglich. Heidi Martínez, 53, die Hausverwalterin eines 18-stöckigen Gebäudes, hat sich zur Expertin darin entwickelt, Aufzüge manuell zu öffnen. Ihre „Kunden“: Nachbarn, die durch die ständigen Stromausfälle gefangen sind. „Wir haben schon eine Kultur der Ausfälle entwickelt“, erzählt Martínez der Nachrichtenagentur EFE.
Die Praxis des sogenannten „Quita y Pon“ (wörtlich: Entfernen und Anbringen) beschreibt die unregelmäßigen, wiederkehrenden Stromunterbrechungen, die Stunden dauern können – mal 20 Minuten, mal eine Stunde oder mehr. Laut Bewohnern begann diese Form der Unterbrechung 2023 und prägt seitdem das tägliche Leben der etwa 100.000 Einwohner in Alamar. Erleny, 49, der in einem improvisierten Werkstattbetrieb Reifen repariert, fasst die Situation zusammen: „Niemand kommt damit klar. Man sagt nur: ,Na gut, was soll’s?‘“ Doch es geht um mehr als nur Unannehmlichkeiten. Kühlschränke, Waschmaschinen oder Klimageräte fallen den Stromschwankungen zum Opfer. Gladys Berriel, 74, pensionierte Lehrerin, erzählt, dass die Reparatur ihres Kühlschranks mehr als ihre gesamte Rente verschlang. „Wir mussten 5.000 Pesos (ca. 11 US-Dollar) bezahlen, während meine Pension nur 3.156 Pesos (6,8 US-Dollar) beträgt“, berichtet Berriel. Die Ursachen für diese Krise liegen auf der Hand: Kubas Stromversorgung hängt stark von veralteten Thermalkraftwerken und dem Import von Treibstoff ab. Seit Sommer 2024 kommt es landesweit zu täglichen, langen Stromausfällen, verschärft durch mangelnde Devisen und die fehlenden Ölimporte. Seit dem 9. Januar 2026 wurde kein Treibstoff aus dem Ausland geliefert. Das Land produziert nur etwa ein Drittel seines Bedarfs selbst. Die Regierung reagierte mit einem harten Notfallplan: Krankenhäuser, Staatsämter und öffentlicher Verkehr laufen auf Minimalbetrieb, Universitäten wechseln zum Fernunterricht, kulturelle und wissenschaftliche Veranstaltungen werden abgesagt, und der Treibstoff ist streng rationiert. Experten warnen, dass zwischen Februar und März die Folgen der fehlenden Energie noch drastischer spürbar werden. Internationale Reaktionen ließen nicht auf sich warten: Verschiedene Staaten haben humanitäre Hilfe angekündigt, während die Menschenrechtsbüros der Vereinten Nationen den US-Ölembargo gegen Kuba als Verstoß gegen die UN-Charta und internationales Recht kritisieren. Für die Bewohner Kubas ist der Alltag jedoch längst geprägt von „Quita y Pon“ – einem täglichen Tanz mit der Dunkelheit, der ihre Lebensqualität und Sicherheit beeinträchtigt.
Der Artikel wurde zuerst bei Mundus Novus 24 veröffentlicht.
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