Neues aus Kuba
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Kubas Tourismus erlebt 2025 einen massiven Einbruch. Mit nur 1,8 Millionen internationalen Besuchern verzeichnet die Insel den niedrigsten Stand seit über zwei Jahrzehnten – Pandemie-Jahre ausgenommen. Nahezu alle wichtigen Herkunftsmärkte melden zweistellige Rückgänge.
02.02.2026 15:45 Uhr
Abbildung: Foto von Alexander Kunze auf Unsplash
Kubas Tourismus steckt tiefer in der Krise als bislang eingeräumt. Nach Angaben des staatlichen Statistikamtes ONEI empfing die Karibikinsel im Jahr 2025 insgesamt 1,81 Millionen internationale Besucher. Das entspricht einem Rückgang von 18 Prozent gegenüber 2024 und dem niedrigsten Stand seit 2002 – unter Ausklammmmerung der pandemiebedingten Ausnahmejahre. Für ein Land, dessen wirtschaftliche Erholung maßgeblich auf den Tourismussektor baut, ist dies ein alarmierendes Signal.
Besonders schwach fiel der Dezember aus. Mit 180.944 internationalen Ankünften verzeichnete Kuba den schlechtesten Monatswert seit mindestens 2022, also noch während der Zeit eingeschränkter globaler Mobilität. Die Zahlen verdeutlichen, dass sich die erhoffte Erholung nach der Pandemie bislang nicht eingestellt hat. Größter Herkunftsmarkt blieb Kanada mit 754.010 Besuchern, allerdings ebenfalls mit einem deutlichen Minus von 12,4 Prozent. Russland folgte mit 131.882 Touristen, was einem Einbruch von 29 Prozent entspricht. Auf den weiteren Plätzen rangieren die Vereinigten Staaten (110.005), Mexiko (56.438), Argentinien (49.428), Spanien (46.489) und Frankreich (36.884). Aus Deutschland kamen nur 33.056 Besucher auf die Insel, 50 Prozent weniger als im Vorjahr. Nahezu alle wichtigen Quellmärkte meldeten zweistellige prozentuale Rückgänge; Ausnahmen bildeten lediglich Argentinien und Kolumbien mit vergleichsweise moderateren Verlusten. Auch Reisen von im Ausland lebenden Kubanerinnen und Kubanern nahmen deutlich ab. Laut ONEI sank diese Kategorie um 22,6 Prozent. Damit entfällt ein weiterer Stabilitätsfaktor, der in den vergangenen Jahren geholfen hatte, die schwache Nachfrage aus klassischen Touristenmärkten teilweise zu kompensieren. Die kubanische Regierung räumte zuletzt im Parlament ein, dass sich der Sektor in einer „komplexen Situation“ befinde. Die für 2025 anvisierten 2,6 Millionen internationalen Besucher werden klar verfehlt. Zum Vergleich: 2024 zählte Kuba 2,2 Millionen Gäste, 2023 waren es 2,4 Millionen, 2022 rund 1,6 Millionen. Als Hauptursachen gelten die anhaltende Wirtschafts- und Energiekrise, die zu Versorgungsengpässen, Stromausfällen und Einschränkungen im Dienstleistungssektor führt. Diese Probleme wirken sich unmittelbar auf die Qualität des touristischen Angebots und die Wahrnehmung des Reiseziels aus. Hinzu kommen gekürzte Flugverbindungen sowie die fortbestehenden US-Sanktionen, die Investitionen, Zahlungsverkehr und Reiseströme erschweren. Der Abstand zu den Vorkrisenjahren ist erheblich. 2018 erreichte Kuba mit 4,6 Millionen Besuchern einen historischen Höchstwert, 2019 folgten 4,2 Millionen. Diese Rekorde standen im Zusammenhang mit dem damaligen politischen „Tauwetter“ zwischen Havanna und Washington und einer Lockerung der US-Reisebeschränkungen. Besonders deutlich wird Kubas schwierige Lage im regionalen Vergleich: Andere karibische Destinationen wie Punta Cana in der Dominikanischen Republik oder Cancún in Mexiko verzeichnen nach der Pandemie neue Besucherrekorde. Während diese Länder vom globalen Nachholbedarf im Reiseverkehr profitieren, bleibt Kuba zurück – mit spürbaren Folgen für Deviseneinnahmen, Beschäftigung und die ohnehin angespannte gesamtwirtschaftliche Lage. Für die Führung in Havanna stellt sich damit eine zentrale Frage: Wie lässt sich ein Sektor stabilisieren, der weiterhin als Schlüssel zur wirtschaftlichen Erholung gilt, dessen strukturelle Probleme aber immer offensichtlicher werden. Ohne tiefgreifende Verbesserungen bei Infrastruktur, Energieversorgung und Rahmenbedingungen dürfte der erhoffte Neustart des Tourismus schwer zu erreichen sein.
Der Artikel wurde zuerst bei Mundus Novus 24 veröffentlicht.
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