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Kubas berühmtes Zigarrenfestival wird auf unbestimmte Zeit verschoben. Hintergrund sind massive Energieprobleme nach verschärften US-Maßnahmen. Auktionen in Millionenhöhe und internationale Gäste müssen warten.
15.02.2026 08:30 Uhr
Das renommierte Festival del Habano, eines der weltweit bedeutendsten Foren für kubanische Premiumzigarren, wird in diesem Jahr nicht wie geplant stattfinden. Der Veranstalter, die teilstaatliche Habanos S.A., gab bekannt, die 26. Ausgabe des Events, die ursprünglich vom 23. bis 27. Februar geplant war, auf unbestimmte Zeit zu verschieben. Als Begründung nennt das Unternehmen die angespannte Energiesituation auf der Insel.
In einer offiziellen Mitteilung erklärte das Organisationskomitee, man wolle „die höchsten Standards in Qualität, Exzellenz und Erlebnis“ wahren, die das internationale Ereignis auszeichnen. Ziel sei es, ein „optimales Umfeld“ für die Durchführung sämtlicher Programmpunkte sicherzustellen. Ein neuer Termin solle zu gegebener Zeit bekanntgegeben werden. Glamour-Event mit wirtschaftlicher Strahlkraft Über Jahrzehnte hinweg entwickelte sich das Festival zu einem der gesellschaftlichen Höhepunkte Kubas. Zigarrenliebhaber, Großhändler, Investoren und Prominente aus aller Welt reisen traditionell nach Havanna, um an Plantagenbesichtigungen, Rollseminaren und exklusiven Verkostungen teilzunehmen. Den Abschluss bildet regelmäßig eine Gala mit Auktion streng limitierter Humidore und Sondereditionen – häufig kunstvoll gestaltete Einzelstücke. Im vergangenen Jahr erreichte die Abschlussauktion ein Gesamtvolumen von umgerechnet mehr als 18 Millionen US-Dollar. Besonders hervor stach ein Jubiläumshumidor der Linie Behike, der für 4,6 Millionen Euro den Besitzer wechselte. Insgesamt wurden sieben Humidore versteigert, die jeweils eine der globalen Marken des Konzerns repräsentierten – darunter Cohiba, Montecristo, Romeo y Julieta, Partagás, Hoyo de Monterrey und H. Upmann. Nach offiziellen Angaben fließen die Erlöse in das staatliche Gesundheitssystem. Gleichzeitig geriet die letzte Ausgabe in die Kritik: Während im Kapitol von Havanna ein opulentes Galadinner stattfand, litten weite Teile des Landes unter stundenlangen Stromausfällen. Energiekrise verschärft wirtschaftliche Lage Die Verschiebung des Festivals steht im Kontext einer sich zuspitzenden Energiekrise. Kuba kämpft seit Wochen mit massiven Engpässen bei der Treibstoffversorgung. Lange Stromabschaltungen von bis zu zehn Stunden täglich, Treibstoffrationierungen sowie verkürzte Arbeitszeiten prägen den Alltag. Behörden informierten Fluggesellschaften zuletzt, dass an Flughäfen kein Kerosin zur Verfügung stehe. Einige Airlines strichen daraufhin Verbindungen, andere weichen für Zwischenstopps etwa in die Dominikanische Republik aus. Auslöser der Verschärfung ist der wachsende Druck aus Washington. Nach der Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro wurde Anfang Januar der Ölfluss aus Venezuela nach Kuba unterbrochen. Ende Januar unterzeichnete US-Präsident Donald Trump eine Anordnung, die Strafzölle gegen Staaten vorsieht, die Treibstoff an Kuba liefern. Trump erklärte, man wolle die kubanische Wirtschaft „ersticken“, um politischen Wandel zu erzwingen. Havanna spricht von einer weiteren Verschärfung des seit Jahrzehnten bestehenden Wirtschafts-, Handels- und Finanzembargos. Experten warnen, die anhaltende Energieknappheit könne in eine humanitäre Krise münden. Schlüsselbranche unter Druck Für Kuba trifft die Verschiebung einen sensiblen Sektor. Habanos S.A. hält als Gemeinschaftsunternehmen des kubanischen Staates und des iberisch-britischen Konzerns Altadis das weltweite Vermarktungsmonopol für handgerollte kubanische Zigarren. Das Portfolio umfasst 27 Premium-Marken. 2024 erzielte das Unternehmen nach eigenen Angaben einen Rekordumsatz von 827 Millionen US-Dollar – ein Plus von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die staatliche Tabakgesellschaft Tabacuba, die auf kubanischer Seite an der Vermarktung beteiligt ist, bedauerte die Verschiebung ausdrücklich. Sie verwies auf die „komplexe wirtschaftliche Situation“, die sich aus der verschärften US-Politik ergebe. Mit dem Aufschub verliert Kuba vorerst eine wichtige internationale Bühne für Deviseneinnahmen und Imagepflege. Das Festival gilt als Schaufenster der Branche – nun muss es auf einen späteren Zeitpunkt verlegt werden.
Quellen: AP (https://t1p.de/pu4qh), Swissinfo/EFE (https://t1p.de/69zwo)
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