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30.09.2026 09:00 Uhr
Mehr als 15 Abschaltungen bis zum Sommer, mehrere landesweite Blackouts: Kubas wichtigstes Kraftwerk wird zum Dauerrisiko. Jetzt fiel die Anlage nach kurzer Laufzeit erneut aus.
Abbildung: Kraftwerk Guiteras erneut ausgefallen KI-generiertes Symbolbild
Das Wärmekraftwerk Antonio Guiteras in Matanzas ist wenige Stunden nach seiner Rückkehr ins Netz wieder ausgefallen. Für die abendliche Spitzenlastzeit am Dienstag rechnete der staatliche Netzbetreiber mit einer Unterdeckung von rund 2000 Megawatt. Damit blieben knapp zwei Drittel der landesweiten Nachfrage ungedeckt. Leck an der Brennerwand Nach Angaben der Kraftwerksleitung ging der Block am Montag um 23.05 Uhr Ortszeit vom Netz. Ursache sei ein Leck an der vorderen Brennerwand des Kessels. Am Dienstag befand sich die Anlage im Abkühlprozess. Erst bei ausreichend niedriger Temperatur könnten Techniker in den beschädigten Bereich vordringen, den Zustand der Anlage bewerten und mit der Reparatur beginnen. Eine Prognose zur Dauer der Arbeiten nannten die Verantwortlichen zunächst nicht. Die Anlage war zuvor nach Reparaturarbeiten gerade erst wieder mit dem Nationalen Elektroenergiesystem (SEN) synchronisiert worden. Wie lange sie tatsächlich am Netz war, geht aus den verfügbaren Angaben nicht exakt hervor. Ein Drittel der Nachfrage gedeckt Die Zahlen des täglichen UNE-Lageberichts zeigen das Ausmaß: Für die Spitzenlast am Dienstag rechnete der Netzbetreiber mit einer verfügbaren Leistung von 1060 Megawatt, bei einer erwarteten Nachfrage von 3050 Megawatt. Die prognostizierte Versorgungslücke bezifferte die UNE auf 2020 Megawatt. Der Wert liegt etwas über der rechnerischen Differenz, weil der Netzbetreiber in seinen Prognosen üblicherweise eine Betriebsreserve einkalkuliert. Schon vor dem jüngsten Ausfall war die Lage angespannt. Für Montag hatte die UNE eine Verfügbarkeit von lediglich 1160 Megawatt bei einer Spitzennachfrage von 3130 Megawatt prognostiziert; bereits am Sonntag hatte die Unterdeckung fast 2000 Megawatt erreicht. Eine Anlage im Dauerbetrieb am Limit Das 1989 in Betrieb genommene Kraftwerk gilt als größter einzelner Erzeugungsblock des Landes. Ihre Nennleistung liegt bei mindestens 330 Megawatt, in der Praxis speiste sie zuletzt oft deutlich weniger ein. Ein strategischer Vorteil der Anlage: Sie liegt im Westen der Insel, wo die größten Verbraucher konzentriert sind, und wird per Pipeline mit kubanischem Rohöl versorgt, braucht also keine importierten Brennstoffe. Gerade deshalb wiegen ihre Ausfälle schwer, und sie häufen sich. Anfang Juli berichteten Nachrichtenagenturen von mehr als 15 Stillständen seit Jahresbeginn. Mehrfach löste die Anlage selbst den Zusammenbruch des Netzes aus. Anfang März führte laut UNE eine unerwartete Abschaltung zu einem Stromausfall von Pinar del Río bis Camagüey. Die aufgeschobene Generalüberholung Im Kern geht es um einen seit Jahren verschobenen Eingriff. Die Anlage hat seit 15 Jahren keine technische Generalüberholung erhalten. Der Eingriff, der bis zu sechs Monate dauern könnte, war zunächst für Ende 2022 geplant, dann auf 2023 und später auf Ende 2024 oder Anfang 2025 verschoben worden. Kraftwerksdirektor Rubén Campos Olmos räumte damals ein, die Anlage habe ihre Lebensdauer von 30 Jahren überschritten und ohne Generalüberholung sei keine Zuverlässigkeit zurückzugewinnen. Die Regierung hatte die Überholung für 2026 zugesagt. Kritische Beobachter bezweifeln, dass sie unter den aktuellen Bedingungen machbar ist. Da Rohöllieferungen aus Venezuela und Mexiko ausgesetzt seien und die dezentrale Erzeugung mangels Diesel und Heizöl nahezu stillstehe, seien die alten, mit heimischem Rohöl befeuerten Wärmekraftwerke die einzige Stütze des Systems. Das Kraftwerk ein halbes Jahr stillzulegen, gilt in dieser Lage als kaum vorstellbar. Brennstoffmangel als zweiter Engpass Neben dem technischen Verschleiß belastet die Brennstofflage das System. Nach der Absetzung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro durch Washington Anfang Januar gingen die Öllieferungen aus Venezuela, Kubas wichtigstem Lieferanten, drastisch zurück; Mexiko kündigte nach US-Zolldrohungen ebenfalls einen Lieferstopp an. Havanna bezeichnet die US-Maßnahmen als Ölblockade und macht sie für Versorgungsengpässe und stockende Wirtschaftsreformen verantwortlich. Die Folgen sind im UNE-Bericht ablesbar. Im Juni waren 890 Megawatt nicht nutzbar, weil 106 dezentrale Erzeugungsanlagen mangels Brennstoff stillstanden. Die offizielle Darstellung nennt als Krisenursachen die Überalterung der Kraftwerke, häufige Havarien und Wartungen sowie Brennstoffmangel, bedingt durch die begrenzte Eigenförderung und die seit Januar bestehenden US-Importbeschränkungen. Solarstrom entlastet nur tagsüber Offizielle Stellen verweisen auf den wachsenden Beitrag der Photovoltaik, die tagsüber den Druck auf die Wärmekraftwerke mindere. Zuletzt kündigte China weitere 5000 Solaranlagen für die Insel an. Im Mai erreichten die neuen Solarparks eine Spitzenleistung von 501 Megawatt. Das strukturelle Problem löst der Ausbau vorerst nicht: Die größte Lücke entsteht in den Abendstunden, wenn die Nachfrage ihren Höhepunkt erreicht und die Solarerzeugung ausfällt. Ohne stabile Grundlast aus den Wärmekraftwerken, allen voran der Guiteras, bleibt das Netz verwundbar. Wie Havannas Ökonomen warnen, verstärkt die Energiekrise die übrigen Krisen des Landes. Autor: Leon Latozke
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