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04.09.2026 10:00 Uhr
Kubas Wirtschaft könnte 2026 um bis zu 31 Prozent einbrechen – doppelt so stark wie im schlimmsten Jahr der Sonderperiode 1993 und dreimal so viel wie von der Cepal prognostiziert.
Abbildung: Je höher die Inflation, desto stärker der Einbruch: Bis zu 31 Prozent könnte Kubas Wirtschaft 2026 schrumpfen (Bildquelle: Escla, Bundle of Cuban Pesos, Zuschnitt KUBAKUNDE, CC BY 3.0)
Die kubanische Wirtschaft erlebt nach Berechnungen des Ökonomen Pedro Monreal den heftigsten Einbruch seit Beginn der Statistikerhebung nach der Revolution. Der in Spanien lebende Experte schätzt, dass das Bruttoinlandsprodukt der Insel in diesem Jahr zwischen 26 und 31 Prozent einbrechen könnte – im schlimmsten Fall doppelt so viel wie 1993, dem bislang dunkelsten Jahr der sogenannten Sonderperiode, und dreimal so viel wie die von der UN-Wirtschaftskommission Cepal veranschlagten 10,3 Prozent.
Grundlage der Berechnung sind offizielle Daten des kubanischen Statistikamts ONEI zur staatlichen Güter- und Dienstleistungsproduktion im ersten Halbjahr 2026. Diese belief sich auf 495,4 Milliarden Peso – umgerechnet rund 20,6 Milliarden US-Dollar zum offiziellen Kurs von 24 Peso je Dollar – und lag damit 13,4 Prozent unter dem Vorjahreswert von 571,8 Milliarden Peso (23,8 Milliarden Dollar). Da die reinen Pesozahlen die Inflation nicht abbilden, rechnet Monreal mit zwei Szenarien: Bei einer angenommenen Teuerung von 15 Prozent ergäbe sich ein BIP-Rückgang von 26,4 Prozent, bei 20 Prozent Inflation wären es 30,7 Prozent. Auch die Cepal selbst hatte ihre Prognose für Kuba binnen weniger Monate deutlich nach unten korrigiert: Im April bezifferte die UN-Organisation den erwarteten Rückgang noch auf 6,5 Prozent, im August rechnete sie bereits mit 10,3 Prozent. Damit liegt Kuba nach Cepal-Zahlen mit deutlichem Abstand am Ende der regionalen Rangliste – noch hinter Haiti, dessen Wirtschaft trotz anhaltender Bandengewalt lediglich um 1,9 Prozent schrumpfen soll. Für 2027 erwartet die Cepal einen weiteren Rückgang um 5,1 Prozent, während die Region insgesamt mit einem Wachstum von 2,2 Prozent rechnet. Der Ökonom räumt ein, dass die Datenlage lückenhaft bleibt, da Zahlen zum privaten Sektor fehlen, der in Kuba zunehmend an Bedeutung gewinnt. Da der Staatssektor jedoch weiterhin den Großteil der Wirtschaftsleistung stellt, hält Monreal die Zahlen für aussagekräftig genug, um den Trend für den Rest des Jahres vorzuzeichnen. Er bezeichnet die Lage als eine „Rezession, die in keine Prognose mehr passt". Strukturell sei die kubanische Wirtschaft schon lange von niedriger Produktivität, verzerrten Investitionsmustern, Haushaltsdefiziten, einem maroden Stromnetz und gescheiterten Reformen belastet gewesen. Die akute Verschärfung in diesem Jahr führt Monreal jedoch vor allem auf die verschärften US-Sanktionen zurück. Der von den USA verschärfte Ölboykott wirkt sich laut Monreal auf mehreren Ebenen zugleich aus: Er bremst die Stromproduktion, erschwert den Transport und stört die Lebensmittelversorgung. Hinzu kommt der Rückzug internationaler Unternehmen – von Hotelketten über Fluggesellschaften bis zu Zahlungsdienstleistern –, den der Ökonom auf die Sanktionslisten und den Druck auf Handelspartner zurückführt. Tourismuseinnahmen, Treibstoffversorgung und Devisenzufluss, die bereits seit 2019 rückläufig waren, seien inzwischen regelrecht eingebrochen. Die Folgen zeigen sich nach Monreals Einschätzung längst jenseits der Statistik: in Hunger, Stromausfällen, dem Kollaps des Gesundheitssystems und einer anhaltenden Auswanderungswelle. Ausgelöst hätten die US-Sanktionen diese Entwicklung nicht allein, so der Ökonom, doch sie hätten die strukturellen Schwächen der ohnehin fragilen Wirtschaft massiv verschärft – mit einer humanitären Krise als Folge, die in puncto Versorgung, Ungleichheit und Perspektivlosigkeit noch über das Niveau der 1990er-Jahre hinausgehe. Autor: Leon Latozke
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